Band 
Zweyter Theil [3].
Seite
1618
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r6ig Seydelmann.

den; dann 1806. wo sich wieder zwey sehr lieblicheMiniaturgemälde von ihr auf dem Dresdner -Salonbefanden: Das eine Copie der H. Cäcilie von Do-mininchino, im Pallaste Borghese zu Rom , das andrewieder eines keuschen Josephs von Cignani . Auchim Tüb. Morgenbl. 1809. S. liZ6. wird eineMadonna von ihr nach Raphael ebenfalls hochgepriesen. Dann heißt es noch in einem der unsmitgetheilten schriftlichen Beyträge: ^Sie lebtenoch zu Dresden 2812. und arbeitete stets fortin Pastell, Miniatur, und dann in der Zeichnungs,Manier ihres Manns, Copiecn nach Raphael,Guido u. s. f. Auch sah man von ihr bisweilenBildnisse, aber eben nicht von größter Aehnlich-seit. S. auch den gleich folgenden Art.

* Seydelmann ( ), heißt Jac. Cres-

cenrius, Sohn eines ehemaligen ChursächsischenKammermusikus, und jüngerer 1811. noch lebenderBruder, des 1806. verstorbenen KapellmeistersFranz Seydelmann «, Zeichner in Bildnissenund Geschichte: Professor der bildenden Künsteund Mitglied der Akademie, wie auch seit 1797.an Casanova's Stelle Kondirektor derselben zuDresden , geboren daselbst 1750.Derselbe" (soheißt es bey Mensel'« I. und II. (1778. und1789.) und in dessen lJ. R L.lernte die An-fangsgründe der Zeichnungskunst von dem Profes-sor Canale, und bildete sich nachher bis 1772. un-ter der Anleitung des Professors Joh. Casanovazum Maler. In demselben Jahr reiste er aufeigene Kosten nach Italien . In Rom fand eran dem Ritter Mengs einen Freund, unterdessenFührung er die dortigen Kunstwerke, vorzüglich inRücksicht der Zeichnung, benutzte. Der Aufent-halt in Rom dauerte bis ins Jahr 1781. wo erauch noch durch die von ihm erfundene neue Artmit chinesichrm Tusche zu zeichnen berühmt wurde.Seine in Rom verfertigten dießfalligcn Arbeitennach Antiken sind größtentheils nach England undan den Baron von Riesch gekommen; einige «achGothannd Ansbach. Er kann der Zeichnungen nachden Werken großer Meister, die, von seiner Handbearbeitet, wieder Originale werden, nicht genugverfertigen. Nach dem Leben hat er viele großeund berühmte Männer ausgeführt. Nach derRückkunft aus Italien winde er als Professorund Mitglied der Kunstakademie zu Dresden an-gestellt. Auf den jährlichen akademischen Ausstel-lungen sah man von ihm Zeichnungen nach Ra-phael, Correggio , Titian , AnnibalCaracci, Gui-do Rein u. a. m. Im I. 1789. gicng er zumzweytenmal nach Italien , nach Neapel und vor-züglich nach Rom ; wo er in dem Vatikan Zeich-nungen nach Raphael verfertigte, so groß, wiedie Originalien. Bey der Rückkunft nach Dres­ den 1792. verfertigte er verschiedene große Blätterfür die Fürstin Radzivil, für welche er auch dieschönsten Gemälde der Dresdnischen Gallerte, diesie für eine Kapelle auf ihrem Lanohause bestimmte,so groß, wie die Originalien, zeichnete. Im I.1794 - gieng er zum drittenmal nach Rom , kamzu Ende des Junius 1795. zurück, nachdem erdort, während eines achtmonatlichen Aufenthaltes,zwey große Zeichnungen nach Raphael verfertigthatte, die er für die Ausstellung 1796. bestimmte.Er führt zugleich die Direktion des bekannten Gal-leriewerks, wozu er die Zeichnungen zu verferti-gen hat". Nach Näheres von dieser seiner frü-hern Geschichte lesen wir in den verschiedenen

Seydelmann.

Meuselschen Kunsijournalen. Vörderst im Mu-seum I- 56 58 . wo sich eine Herzählung von20. seiner in Rom verfertigten und in dem Fürstl.Anspachischen Kabinette aufgestellten Zeichnungenbefindet, deren Manier in der Ausführung dortbeschrieben wird, wie folgt: Dieselben sind durcheine gewisse Gradation der Haltung und Zusam-menschmelzung großer, vielleicht auf das feuchtgemachte Papier aufgetragener Punkte, die manerst bey näherer Betrachtung gewahr wird, mitso vieler Kunst getuscht, daß sie in der Ferne täu-schen und den alten marmornen Ctatüen ganzähnlich sehen. Diese Manier im Tuschen ist diebeßte und schönste für die Antiken und den Oel-malereyen bey weitem vorzuziehen. Es kostet«aber auch, wie man mich versichert, das Stuck25 . bis Zc». Dukaten. Sie sind größtentheils zweyund einen halben bis drey Schuh hoch, und zweySchuh breit *). Damals O787) befand sich derKünstler selbst in St. Petersburg **). (Nach sei-ner Rückkehr (1788.) erhielt er von dem H. Her-zoge zuGotha den Auftrag, die vorzüglichsten ita-lienischen Bilder der DreSdner -Gallerie wie z. B.diejenigen des Correggio , Raphaels Madonna auSPiacenza u. s. f. zu copiren. Eben so sah manin dem Winklerschen Kabinette zu Leipzig die Co-pie der berühmten Venus von Titian aus erwähn-ter Gallerie. Dann hakte er, nach dem Leben,die Bildnisse vieler großer und berühmter (wenig-stens angesehener) Männer, immer in seiner be-kannten Manier gezeichnet, unter welchen dasje-nige des damaligen Rußischen Gesandten, FürstenBeloselsky, vorzüglich bewundert wurde Auchwar er um die nämliche Zeit vielfältig beschäftigt,Zeichnungen von denjenigen Bildern der Galleriezu verfertigen, nach welchen die Stiche zu Fort-setzung des bekannten Galleriewerks von verschie-denen Künstlern geliefert werden sollten, undworüber er die Leitung führte. Bester. Von daan, finden wir eine Weile in öffentlichen Nach:richten keine weitere Spur von ihm. Auf derDresdner -Ausstellung dann von 1794. sah manvon ihm abermals eine schöne Copie m Sepia, nachder schon genannte» Raphaelichen Madonna (wahr-scheinlich eine von jenen obenerwähnten, für dieFürstin Radzivil bestimmten), von welcher es indes-sen im hI Museum S- 22Z 54 - heißt:Daßsie zwar sehr befriedigend für den größten Theildes Publikums sey, doch aber für den Kenner nochVieles zu wünschen übrig lasse". Auf ähnlicheWeise urtheilte Engelschall davon in denMisc. VII. 945. Nach einer andern unsrer No-tizzen hätte Seydelmann (denjenigen in Meu-sel's N- B L. entgegen) neun Jahre lang zuRom durch Lhurfürsillche Unterstützung sturdirt, und wäre bey seiner Rückkehr, mit einemGehalt von 400 Rthlr. alsZeichner bey der Akademieangestellt worden. Von seinen neuern Schicksa-len dann wissen wir nur so viel, daß er sich in1799. (zum dritten oder viertenmal) in Italien aufhielt, dann in 1804. mit Aufträgen des H.Grafen von Marcolini, zum fünftenmal dahin,und 1809. zum zweytenmal nach Rußland gieng,um die schönen Copien der Meisterwerke der Dresd-ner-Galerie (Raphaels Madonna von Piacenza, unddie Nacht des Corregio, beyde in der Größe derUrbilder), welche er für den Kaiser verfertigt hatte,und die unterwegs beschädigt worden, wieder inStand zu stelle» ***). Auch der Kunstsaal zu

A) Von seinen Arbeiten zu der Zeit, wo er sich in Rom befand, urtheilt die Schrift Winkelmann u. s. Iahr-hunbert S. 34z.Derselbe hatte noch unter Mengs die allen Kunstfreunden wohlbekannte schone Art mitSepia nach Antiken äußerst ausführlich und mit großer Kraft zu tuschen erlernt, deren er sich der Folgeauch zu Nachbildung von Gemälde» mit Ruhm und Gewinn bedient hat. Seine Arbeiten lassen in Absicht aufKraft, Schmelz und Zartheit wenig zu wünschen übrig. Nach ihm haben Mehrere auf gleiche Weise gearbei-tet, zwar ebenfalls reinlich, nicht selten auch mit noch besserer Zeichnung; aber in schöner Behandlug ist keinervon ihnen ihm gleichgekommen."

22 ) Verhält es sich wirklich so?

AN») Das Tüb. Morgenblatt 1809. S. H20. sagt überhaupt: Der Kaiser Alerander habe ihn, unter den an.uehmlichsten Bedinge» dahin berufen, und die regierende Kaiserin gewünscht, seine geistreiche Sepiamanier,als A»genzeugin seiner Art darin zu arbeiten, kennen zu lernen. In >8-c>. (Inn ) befand er sich noch zu St. Petersburg . (I. c. 1810. S. 7 ol-). Anf der Dresdner -Ausstellung desselben Jahres sah man sein Familien-Bildniß von seinem Günstling, Hartmauu, gemalt, l. c. --77.