Sirani.
sche. Alle diese Eigenschaften findet man in ihremschon oben angezognen St. Anton ; auch in ihrengeringern Arbeiten immer eine schöne Manier undeinen markigten Pinsel." Noch muß LV. die —sehr geruchlose Blume auf das Grab dieser lie-benswürdigen und bescheidenen Künstlerin streuen:Daß ihr —fünf Jahre später verstorbene Vaterihren Verlust — nicht überleben konnte. MehrereKunstgeschichkschreiber machen die Bemerkung:Sie sey die einzige ihres Geschlechts, welche wegenwirklicher Verdienste, und nicht aus Schmeiche-lei), allgemeinen Beyfall erhielt (vergessen wirinzwischen Sophonisben Angusciola nicht!). Nichtgerade in Guido's Grab, wohl aber in der Gruftdes adelichen Hauses Guidotti, wurde sie, nächstan dem Leichnam desjenigen, dessen Grazie undEleganz sie im Leben gefolgt war, beygesetzt. Vonihr besitzt das Französische Museum unsers Wis-sens noch einzig einen schlafenden Amorin, weich-lich auf einem Bethe liegend, den Kocher nebenihm (das Götterkind möcht' ihr von Zeit zu Zeiteinige Unruhe machen!). Durch die Oeffnung inder Drapperie erblickt man eine Landschaft. NachLandons Urtheil, der davon (Annai. IV. 17.)eine Abbildung im Umrisse giebt, von sehr ange-nehmem Colorit, und lieblichem wahrem Aus-drucke. Auch in Deutschland kennt man von ihreinzig: In der Gallerie zu Wien , das lebens-große Brustbild eines Frauenzimmers, das sichvor dem Spiegel mit ihrem Putze beschäftigt,mittlerweile eine andre sehr einfach gekleidete Per-son ihr mit vielem Ernste zuredet; und in derjeni-ge» zu psstünchen: Einen Genius, in Gestalteines Kindes, lehnt sich auf ein Buch, und weistauf eine Sanduhr und welke zerblalterte Rosen.(Auch die Rose ist verblüht!). Nachahmerinnenvon ihr waren, neben ihren oberwähntcn zweySchwestern, Veronica und Vincenzia Fabri, Lu-crezia Scarfaglia, und Ginevra Cantvsoli, vonwelcher letzter» sich gute Bilder in einigen Kirchenzu Bologna befinde». Daß sie selbst, zwar We-niges, aber vortrefiich (Gandellirn sagt: „imGeschmacke von S. Cancarini") geetzt habe, istbekannt. Die bcßte Litteratur der ihr gewöhnlichzugeschriebenen b. Blätter, findet sich bey Barrsch:Latn!c>z;u8 raiyonne »88 ß,rsves ä
1'eau fort? psr 6ui6c> Kliern et äe oelles sie«es üisoiples. 8°. Vienne /(ih. p< 82—88. Essind: Eine Madonna mit dem Kinde und demkleinen Johannes, nach einem Urbilde Raphaels,das sich einst im Besitze des Herzogs von Man-tua befand, ein prächtiges Blatt in runder Formvon 7" 7^" im Durchmesser. — Eine Mutter derSchmerzen, schon ,» ihrem Neunzehnreu von ihrwunderschön leicht und geistreich geetzt, von nochetwas größerm Maaße als das erstgenannte, undselten. — Eine Madonna, Halbfigur, mit nieder-geschlagenen Augen, und gefallenen Aermen, nacheinem lebensgroßen Bilde, das sie für Malvasiagemalt. — Ein reuender St. Eustachius in derWüste, voll Ausdruck, was Barrsch vollends fürihr (sehr seltenes) Hauptblatt hält. — Eine Ent-hauptung Johanns des Täufers, an einigen Stel-len mit dem Grabstichel überarbeitet, von so ver-dorbener Zeichnung und trockener Nadel, und dochvon demselben Jahr (iüä7 ) wie jene Mutter derSchmerzen datüt, daß Barrsch (etwa die ur-sprüngliche Zeichnung ausgenommen) es unmög-lich für ihre Arbeit annehmen will. Endlich einesterbende Lucretia, ebenfalls von gutem Ausdrucke,welches Einige ihrem Vater zuschreiben wollen.Gestochen nach ihr dann kennt man, vörderst ihrHaupkbild, St. Anton, ein großes Blatt von I.M. Mitelli in den: Dononien^um CiotorumIconibug; dann eine H. Familie von I. Canter-sani, und eine andre aus C. Roycrs Verlage;eine Madonna mit dem Kinde von L. Loli. Hier-nächst ein eingeschlummcrteö nacktes Kind, vonBartolozzi ; eine Skizze von zwey kämpfendenAmorinen, in Tuschmanier, von Boßi; Eupido,
Sirani. 1649
der die Waffen des Mars verbrennt, von White(das Urbild wahrscheinlich in England, so wiedasjenige des Blatts von Bartolozzi ). Etwasuns Unbekanntes von L. Tinti, und (dem Catalogvon wmkler zufolge): Ein Kind in einer arti-gen Landschaft, das (wie wir alle!) nach einemSchmetterling rennt, ganz ohne Zeichen. Um1812. war H. Paignon Dijonval zu Paris nochder glückliche Besitzer von 7. tzandzeichnungendieser (restlichen Künstlerin: Zwey Madonnen, diedas Kind stillen; St. Johanns Predigt in derWüste (reiche Composition), und dessen TaufeChristi im Jordan; eine Charitas; Venus aufdem Wasser, und die Skizze einer Dame, der einPage die Schleppe trägt, meist a la Sanguineund getuscht.
* Sirani (Johann Andreas), nicht GeorgAndreas, wie ihn etwa die Franzosen heißen,der glückliche Vater der Elisabeth. Lanzt (Kä.ter?. V. nH—rb) nennt ihn einen guten Covistenvon Guido, und der überdieß den ^tyl desselbenwirklich im Besitz hatte Nach dem Tod diesesseines Lehrers vollendete er das große Werk seinesSt. Bruno in der Karthause zu Bologna , undmehr Anderes an verschiedenen Orten, das nochder letzten Hand bedurfte. In seinen frühestenArbeiten, wo es ihm entweder noch an der nöthi-gen Freyheit fehlte, oder wo sein Meister selbstdie Ausbesserung übernahm, bemerkt man diezweyte Manier von Guido. So besonders in seinemCrucifixe in St. Marino (wo man Guido's seinesin Sr. Lorenzo in Lucina, oder dasjenige, einstin der Gallerie zu Modena wieder zu erblickenglaubt), in welchem, auf dem Antlitze des sterben-den Erlösers, der Tod selbst noch schön erscheint.Späterhin dann meint man zu deine, ken, daßSirani sich vorsetzte, den frühern stärker» Stylseines Meisters zu befolgen; wie in seinem Abend-male des Pharisäers in der Karrhause, in seinerVerlobung der H. Jungfrau in St. Giorgio znBologna , oder in seinen zwölf Crucifixe» im Domezu Piacenza , einem wunderschönen Bilde, wasEinige seiner Tochter Elisabeth zuschreibe». GroßeComposikionen gelangen ihm vorzüglich. In Bo logna eröfnete er eine stark besuchte Swule,deren vornehmste Zierde indessen immer seine Toch-ter blieb. Begraben liegt er in Sr. Domenic»seiner Vaterstadt. LVareier setzt ihn kurz unterdie »angenehmen" Maler, Deutschland
besitzt von ihm, unsers Wissens, einzig die Gal-lerie zu Schleisheim ein Bild. Von den ihmgewöhnlich ziigeelgneren eüf geistreich geetztenBlättern giebt abermals Barrsch I. c. 74—81,die uncerrichkendste Litteratur. Eine Judiih nachGuido scheint eben so ungewiß zu seyn, als zweyRuhen in Egypt n. Seinen Namen trägt dage-gen eine Madonna mit dem Kinde und St. Jo-hann. Das schöne Blatt eines St. Michaels derden Satan zur Hölle stürzt, eine Sibylle und einRaub der Europa , sind abermals ungewiß; letztresum so viel mehr, da die Nadel in demselben vonSirani's anerkannter ganz verschieden ist. Sichervon ihm hingegen ist wieder das schöne Blatt:Apollo und Marsias . Ein Saturn ist, mit ver-kehrt geschriebenen Buchstaben: §r>. i. (öVvunrinvenir), und 6er. ä'o. bezeichnet, was,nach Bartsch: 6ero/amo löc. sg. fort!
heißen könnte. Ein Amor auf einem Delphinstehend, ebenfalls mit: i. und 6. L'. bezeich-
net, scheint in demselben Falle zu seyn; und end-lich gleicher Maaßen ein Kinder-Bacchanal. Sodaß die völlig sichern Blätter von Johann And-reas auf zwey einzigen beruhen *). Geetzt nachihm dann hat vornehmlich L. Loli eine H. Familiemit St. Elisabeth; Madonna, welche dem Kinddie Blume reicht; die Himmelfahrt der H. Jung-frau, ein schönes, seltenes Blatt, i 4 " 2'" hoch,g" g'" breit; Schlummer des H. HieionymuS(vier Engel gebieten Stille); Belohnung des
4 watetet nennt von ihm, wohl irrig, einen St. Hieronvmus in Betrachtung; was dann Heydenreich vollendseinen betenden St. — Ieremias giebt.