iZl6 Tatsrad.
Taterad (Johann Michael), geb. zu Minu-ten im Lrierschen i/c> 5 ., reiste anfänglich alsBildhauer durch mehrere Deutsche Städte, undarbeitete drey Jahre bey C. A. Donnett zu Frank furt am Main , wo er 172g. die Tochter desBlumenmalers W. Roschach heirathete und sichdort haushäblich niederließ. Don ihm kannteman in Marmor und Alabaster viele Epitaphien,und in rothem Sandstein eine Menge erhobeneund frcystehende Werke. So z. B. die Figuren undZierathen an dem neuen Pyramiden-Brunn aufdem Lieb-Frauen-Berg, die Statuen aufdenPum-pensäulen an der Rothen Badstube auf dem Frey-brunn, und auf dem 177b. errichteten Kugelbrunnauf dem Kornmarkte. Hiernächst fertigte er inElfenbein und Spanischem Speckstein, erhobenund rund (die in Speckstein, mit hölzernem Ge-wand) allerlei theils lustige, theils ernsthafte Ge-genstände in halb - und garzei Figuren — fernerin weiß Wachs Landschaften, Vieh, auch Geschicht-liches, mit vielem Beyfall, »»ermüdet bis an sei-nen in 1782. erfolgten Tod. Hüsgen A.36»—6i.
* Tatra (Lazarus). So findet man bisweilenden Lazarus Tavarone benannt.
Tact er (Johann Jonas Christian). So hießein Garteumeistcr zu Montbrillant im Hannöver-schen 1802. '
* Tatti (Jacob), genannt Sansovmo, vonseinem Geburtsort, einem Flecken in Toscana,in der Nähe von Arezzo . Wieder andere (ohneseinen Geburtsort zu nennen) glauben, daß erdiesen Beynamcn von seinem Lehrmeister Contucci,der nun zuvcrläßig von Sansovino (eigentlich SänGavlne») gebürtig war, und dies Epithetonebenfalls trug, entlehnt habe*). Von seinen schö-nen Bildhauer-Arbeiten nennt man z. B. eineMadonna für's Oratorium auf dem Neumarkte zuFlorenz , wo er über Daccio Baudinelli die Palmedavon trug; einen Sc.-Jakob Major für St. Ma-ria de Fiori; einen jungen Bacchus für JohannBartholini, der nachwerts in die Großherzogl.Gallerte kam, aber durch den Brand von 1762.zugrundging **). Nach Rom ging er (wie Iöcherwissen will) einiger ungenannter Verdrießlichkeitenwegen, und dort werde er um 1621. genannt.Wir denken aber, daß er sich daselbst wohl früherbefunden habe, da er (wie es anderswo heißt)einiger jugendlichen Ausschweifungen wegen,zu Wiederherstellung seiner Gesundheit, auf eineZeitlang von Rom wieder nach seiner schönenToskanischen Heimath zurückkehrte. Dort gewanner für seinen in Erzt gegossenen Laocoon, dessenschon das Lcx. gedenkt, abermals den Preis, umwelchen noch ein anderer Künstler neben ihm gebuhlthatte. Raphael schätzte ihn sehr; Buonarvti wareifersüchtig aufihn. Dicsbewog ihn zuerst, nach Rom zu gehn. Hier sah man von ihm eine Madonna inSt. Augustin , und einen St. Jakob für die Spa-nische Kirche. Dann erhielt er, neben Raphael,Bramante u. a. den Auftrag zu einer Zeichnungfür einen Tempel (St. Johann Baptist«) der zuEhren Leo X. errichtet werden sollte. Auch dies-mal wurde sein Gedanke vorgezogen, abec erstspäterhin, unter Papst Clemens von ihm ausge-führt. Bey der Plünderung Roms (G27.) fluch-tete er sich nach Venedig , in der Absicht weiternach Frankreich zu gehn, wohin Franz I. ihn be-rufen hatte. Allein der Log.' gedachter Republik hielt ihn zurück; und aucy hier bekam er für
Tatti.
Architektur und Sculpkur einen Auftrag nach demandern. So z. B. für die Restauration der Kir-che von St. Marcus, die Fortsetzung der vonden Lombards, nach A, Leopardo's Zeichnung(ih»8.) angehobenen Baute der Bacmherzigkeits-Kirche (iza8.), den noch so einfachen — nurdesto schönern Tempel St, Franzisc della Vigna;dann das vorzügliche Bild einer Madonna überdem Portal der St. Marcuskirche, und die Gruppein Erz, welche ein Wunder dieses Heiligen (wieer die bösen Geister vertreibt) darstellt, in derHerzoglichen Kapelle daselbst; hauptsächlich abecfür den vortrefflichen Münzpallast, mit den 25.Handwerksstätten im Vorhof in der Mitte, fürso viele Künste, die das Münzgeschäft erfordert;dann die mit diesem Gebäude zusammenhängende,eben so berühmte Bibliothek von St. Marcus(eine ausführliche Beschreibung dieser letzter,, ,s. bey d'Argensville l. 8g—go.); den PallasiCornaro, für Größe und Pracht der erste zu Ve nedig ; die in ih^jc,. von ihm angefangene, aberunvollendet gebliebene Loggia des Sr. Marcus-Platzes, mit den vier metallenen Statuen (eben-falls seine Arbeit) in den Nischen der Facade(Pallas, Apyll, Merkur und der Frieds) , undin der Mitte der Attike das Basrelief: Venedig ,unter dem Bild der Gerechtigkeit; für die Dom-herren der H. Geists-Jnsel ein Chor und einsFacade gegen die Lagunen; für Johann Delfinoeinen prächtigen Pallast am Großen Kanal, beySt. Salvador. In izHH. halte er das Unglück,daß das Gewölb an der Gr. Marcus-Kirche ein-stürzte, was die Einen der — Kälte, Ändere derUebereilung bey der Arbeit zuschriebe»; er fieldarüber in augenblickliche Ungnade, und wurdesogar verhaftet. In ihj8. stand Alles wieder fer-tig da. Mittlerweile fingen Neider an, nochsonst mancherlei an dieser Baute auszusetzen;aber Palladio's Urtheil darüber (s. das Lex.) be-schämte sie. Nunmehr erhielt Sansovin neuer-dings vielfältige Aufträge. So z. B- für dieneuern sehr schönen Kanfmanns-Bauten am Rialts,denen man jedoch ebenfalls zu wenig Dauerhaf-tigkeit nicht ohne Grund vorwerfen mochte; dannfür die Verzierung der Königl. Kapelle in St.Marc, wo er, mit Beyhülfe seiner Schüler, einprächtiges metallenes Schaustück (den Tod unddie Auferstehung unsers Herrn) darstellte, unddie kleinern Nischen mit Statüen der Evangelistenund Propheten, dann mit den Bildnissen vonTitian , Aretin und — seinem eignen versah. In1626, wurde die Kirche St. Gemignano nach seinerZeichnung vollendet, und 1Ü62. diejenige von St.Georg der Griechen, ganz in griechischem Ge-schmacke, aus Jstrischen Steinen und mit einerseltenen Dauerhaftigkeit aufgeführt. Diesen Bau-ten folgten in St. Sebastian das Mausoleumeines Cyprischen Bischofs, und ein noch schöne-res des Doge Franz Veniero in St. Salvador;hierauf die große Stiege im Herzoglichen Pallaste;die Pallaste des Herzogs von Urbino am GroßenKanal, und der Familien Barberighi und Tiepolo ;die große Kapelle der Kirche St. Fantin, von deredelsten Einfachheit. Damals (1664.) zählte er8ä. Jahre. Von Bildhauer-Arbeiten, aus derZeit, wo er sonst wesentlich der Baukunst oblag,nennt man noch: Zu Padua , in St. Anton , einWunder dieses Heiligen , in Basrelief ; den (wun-derschönen) St. Johann Baptist, ob dem Weih-wasser-Kessel in der Kirche Casa grande ***); die gi-gantischen Figuren von Neptun und Mars (Em-bleme der damaligen Macht der Republik zu
*) Hiemit stimmt überein, wenn es den Jocher r. V. des Geschichtschreibers F. Sansovino (seines Sohns)heißt, daß Jacob der erste seines Geschlechts gewesen, der den Familiennamen Takt, fahren ließ. Dabe»indessen bleibt immer noL unentschieden, ob nicht, den Meisten zufolge, denn doch Florenz der eigentlicheGeburtsort des unsrigen war.
«v) Gestochen ist diese Statue im Museum von Flo'.ein er. m. p. 5^.). Man erzählt, daß er das Muster zu die-sem Bacchus von einem jungen Menschen nahn, (der ihm gewöhnlich zum Modell diente, und in seinenDienste» den Verstand verloren hatte, weil er des Winters sich zu lange nackt halten mußte) »nd den erjetzt eines Tags während einem starken Regenguß auf einem Kamin, in der Stellung des Rcgeugottes,erblickte.
««v) Dieser, riebst der Madonna in St. Markus, werden für seine Meisterstücke in der Scn'xtur gehalten.