Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
1873
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Thourer.

schied sfestl'n eitlen künstlichen Gartensaal mit Il-lumination haben wollte. Der Saal, den er imHause des Kaffeticr Glaser zu einem Gartensaalumschuf, war im Asiatischen Geschmacke; dieWände waren mit künstlichem Laubwerk, mitgrünem Gegitter, mit prächtigen vielfarbigen Ver-zierungen und Schnörkeln bis an die Gallerie(welche ganz beleuchtet wurde und zierlich beklei-det war), bedeckt. An den Seitcnwanden, inden Saulenarligen Zwischenräumen, welche Fen-ster und Thüren machten, standen symmetrischgroße Palmbaume vertheilt, an deren Stämmejedem ein goldener Schild mit verschlungenenBuchstaben, wappenartig hieng. Oben im Saal,auf der rechten Seite des Oblongs, stand, soviel ich mich noch erinnere, eine transparentePyramide mit Jnnschriften. Die Thüren, dieaufdenVorsaal und in verschiedene Nebenzimmer führten,waren - scharlachrote Vorhänge, welche in derMitte an die Thürpfosten mit Spangen zurückge-bunden waren. Die Beleuchtung (alles, wasdazu gehörte, kam unmittelbar aus England)soll sehr schön gewesen seyn, wie auch die Musikauf den Gallerien. Das Ganze gab einen voll-ständigen Begriff von asiatischem Luxus und Pracht.Der junge gefällige Mann führte mich auch insein Arbeitszimmer, und nun lernte ich ihn alsZeichner und als Maler kennen. Unter seinenRiffen gefallen mir sein römisches Thor und seineFürstcngruft am beßten. Sie verrathen gute ar-chitektische Kenntnisse, und einen edeln Geschmack.Beweis hicvon ist auch sein Zeichenbuch, welcheser, während seines drcyjahrigen Aufenthalts inRom , gefüllt hat. Seine Gemälde haben alleeine unnennbare schöne Färbung, und wetteifernim Fleiß und in der Reinigkeit mit den beßtenKabinetsstücken eines Mieris und Gerhard Douw.Man sehe nur seinen von zwey Bacchantinen ge-bundenen Amor! Beym Amor ist das zarte mäd-chenhafte Jünglingsfleisch fast bis zum höchstenIdeal erreicht; man kann sich nicht satt sehen.Doch ist das Gewand der einen Bacchantin zusteif; dem Auge derselben sieht man zu viel demMarmor Abkopirtes, Steifes, Gtatuenmäßigesan. Irrt aber der Bück nur eine Linie breit überdiese kleinen Schatten hinaus, so findet er wie-der völlige Genugthuung, an dem herrlichen ita-liänischen Himmel, an der täuschenden Entfer-nung und dem schönen Perspektiv des Bacchus-Lempels, zwischen dessen Säulen die Bacchan-tinnen tanzen. Welcher Gewinn (!) für die Ka-binett geschmackvoller Damen läßt sich erwar-ten, wenn dieser Maun weniger Kunst als Naturkopiren wird! Uebrigens ist er der helldenkendste,der aufgeklärteste Kopf, der beßre Menschenfreund.Ihm wurden in Stutkgard schon viele Kabalengespielt, und wer weiß, ob er deswegen nichtden Ruf, den er nach Weimar zum Bau desfürstlichen Eckstoßes bekommen hat, nützen wird".Zu dem Cotta'schen Taschenkalender für Natur-und Gartenfreunde 1801. gab er Verschiedenes,wovon es in den Deutsch . Runstbl. 8". III.G. 8 Z 85 . heißt: »Die Vorschläge des HerrnHofarchitekt Thourer in Stuttgart sind nichtminder schön, und der Sache angemessen, alsdie von Catel. Herr Th. klagt über die gewöhn-liche Vernachläßigung der Eingänge zu großenGartenanlagen, da doch, wie er mit Recht be-hauptet, der erste Eindruck auf das Urtheil desBeschauers über den ganzen Garten, einen ent-scheidenden Einfluß habe. Herr Tb- stellt daherein geschmackvolles Gebäude auf, in dessen Mitteder Eingang sich befindet, welcher so hoch ist,daß bequem durchgesahren werden kann. Auf denSeiten dieser Durchfahrt sind zwey Gallerien,in die man aus dem Garten eintritt, und wosich eine Gesellschaft unterhalten, und die Durch-gehenden unbemerkt beobachten kann. Einen glei-chen Zweck hat die oberhalb des Gebäudes ange-brachte Platteform, zu welcher man durch zweyTreppen gelanqt, die auf Halb-Zirkelbogen gelegtsind. Es versieht sich, daß ein solcher Eingang,

Thourneisek. 1373

wie auch Herr Th. selbst bemerkt, eine große An-lage voraussetzt. Auch würde wohl nöthig seyn,daß sie gleich im Anfange eine gewisse Fülle ver-riethe, und sich eine ansehnliche Allee an das Ge-bäude anschlöße, weil einer allzugroßen Einfach-heit die Pracht des dargestellten Eingangs eherSchaden als Vortheil bringen könnte. Der zweyteVorschlag fließt aus dem widerlichen Ansehen,das, wie Herr Th. bemerkt, die Wasserpumpenin einem schönen Garten geben. Die Ueberklei-dung, welche tt deshalb vorschlagt, scheint unsrecht gut gewählt. Doch müssen wir bedauern,daß in dem vor uns liegenden Exemplare desGartenkalenders diese beyden, von dem rühmlichbekannten Herrn Hofkondukteur Klinsky in Dres­ den in Aquatinta gearbeiteten Blatter schon vonsehr abgenutzten, oder von dem Drucker vernach-läßigten Platten herzurühren scheinen."

Thour (I. I). So liest man bisweilenden Namen von dem gleich folgenden Ich. JacobThournelser abgekürzt.

* Tböurner'sei- (Ioh. Jacob, Vater undSohn). I» dem Unterrichte von Aubry bliebJakob der Vater vier Jähre. Dann ging ernach Lyon, Bourg en Bresse , und an den Hofzu Turin , wohin er berufen wupde, dort einigeJahre blieb, und seinen Ruhm festsetzte. In1662. wieder nach Lyon , wo er jetzt 19 Jahrelang seinen Wohnsitz wählte, als er iV8i. derReligionssicherheit wegen, genöthigt war, nachseinem Vaterland zurückzukehren. In 169h. warder an den Kais. Hof berufen; er ließ daher seinenSohn, der sich damals in Rom aufhielt, eben-falls nach Haus kommen, und reis te in seinemBegleit nach W/en, wo er für den Kaiser Leopold mehrere seiner trefflichsten Blätter fertigte. Dannbekam er noch Lust, Augsburg zu sehn, und mitden dortigen Künstlern Bekanntschaft zu machen.Endlich sehnte er sich, bey anrückendem Alter, nachseiner Vaterstadt zurück, wo er in 1699. wiederanlangte, und dort bis an seinen Tod verblieb.Dieser Künstler war mit großen Talenten für keineKunst, und zugleich mit einem gesunden und dauer-haften Körper geboren, der ihm erlaubte, seinemfeurigen Triebe zur Arbeit bis in sein hohes Al-ter genug zu thun. Daß er sich vornehmlich nachder seltsamen Manier von Claud. Melan, miteiner einfachen Spirallinie zu stechen, gebildet hat-te, ist bekannt; und wenn er denselben in Erfin-dung und Zeichnung nicht erreichte, so übertrafer ihn hingegen im Glanz und in der Kühnheitseines Grabstichels. Anderes, Schöneres, hin-wieder hat er auch, mit Kreuzschraffirung, in F.Poilly's Geschmack geliefert. Von dem Sohneweißt man wenig, außer daß er in dem nämlichenStyl, wie sein Vater, ab-r mit weniger glückli-chem Erfolge, gearbeitet habe. Die'Meister, nachwelchen sie gestochen, sind (zwar wenige berühm-te): I. I. Bendl, Th. Blanchel, G. Brand-müller, L. Carraccro, L. Damerct, A. Dassier,C. Dauphin, H. Descha», A. de Dien, I. Fi-sches, B. A. l'Hüte, P. Huaud älter, I. R. Hu-ber, I. G- Meyer, I. Miel, N. Mignard, I.L. Rache!, Th. Roos, A. Spooujans, B. Spran-ger, F. de Lroy, Werenfels, I. Werner, I. F.Wettstein. Unter 110 Bl. welche ein Verzeichnißmeines sel. Vaters anführt, befinden sich gegen70 Bildniße; daß klebrige Geschichtliches, Alle-gorisches, Thesen u. s. f. Das älteste datitteBlatt ist von r66i., das jüngste (ob von demVater oder dem Sohn?) von 1709. Unter seinevorzüglichsten Bildniße zählt Rost II. 8 9. ebensein allerältesies, des Kais. Abts, LaurentiusScotus, nach Dameret; des König Ladislausvon Hungarn, nach Schoonjans; dann des Theo-logen Lürretin nach Huaud, und eines der jüng-sten, des Theologen Werenfels, dieses von Va-ter und Sohn gemeinschaftlich gestochen, und von1702. Patin; weiter den ehemaligen Französischen Gesandten bey der Schweiz , Robert Gravel.

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