1978 Valentin.
sonst sehr schönen. Bilde vom Zinsgroschen, demPharisäer eine Brille auf die Nase setzt. " Vag-lioni beschreibt mehrere Werke, die er zu Rom für den Kardinal Barbcrini (Neffen Urbans VIII.)gefertigt, und welche größtencheils heilige Ge-schichten darstelle». Seine Zeichnung war etwasnachlässig. Lanzi dann (kä. ter-:. 1 l. i 6 f.)heißt ihn (wie gesagt, unter dem falschen Tauftnamen perer) einen der einsichtigsten Carravag-gisten, der bey längerer Lcbensfrist Vieles gelei-stet hätte. Im Quirinal zu Rom sehe man vonihm eine Marter von St. Prozeß und Markiniani;dann in eben dieser Stadt viele Skaffeleigcmälde,und zumal eine sehr schöne Vcrläugnung Petri inder Galerie Corsini. Bey wareler und Leves-gue lesen wir über ihn: „Er war ein Freund undBewunderer Poussinö; aber sein Geschmack zogihn nun einmal zu Earravaggio hin. Wie dieser,liebte er, kräftige Schatten zu halten; zog, gleichdemselben, getreu die Natur zu Rathe, war abereben so unglücklich in seiner Wahl, oft unrichtig,und niemals zierlich in seiner Zeichnung. Durchleichte und durchsichtige Farben wußte er, sehrgeschickt, von dem hellsten Lichte zu den stärkstenSchatte» überzugehen. Sind seine Figuren auchnicht schön, so wußte er hingegen oft, dieselbensehr gut zu stellen. Man liebt an ihm (sagt H.Eschin) seine kräftige Färbung, das Erhobeneund die Rundung seiner Gegenstände, die er durchstark kolorirte Halbschatten zu erzielen wußte; aberja, dann mißfällt an ihm die gemeinste Natur,und zwar oft da, wo es am meisten Adel bedurfthätte. Auch scheint er selbst gefühlt zu haben, daßdergleichen Gegenstände sich nicht für ihn schickten;wenigstens wählte er dieselben nicht vorzüglich,und gefiel sich besser, seine Kunst an Zigeunern,^.Musikgesellschaften, spielenden und zechenden Sol-daten zu üben. Seine Bilder bestehen meist ausHalbfiguren. Man darf glauben, wenn er längergelebt hätte, würde er seine Manier gemildert,und bemerkt haben, daß die Natur denn doch —nicht schwarz ist." Dieses ganze Urtheil läßtsich wahrhaftig hören. Für sein Meisterstückwird hier das schon erwähnte Bild in Quirinal gehalten, und für sein Beßtes in der alten Fran zösischen Galerie, der Schatzpfenning *). Unge-fähr eben so charakterisirt ihn Gault de Sr.Germain; und setzt, neben Andern,, hinzu: „Aus-schweifend in seinen Sitten, beobachtete er Cha-raktere und Ausdruck in den Tobacks - und Spiel-klubbs, in den Schlupfwinkeln der Zigeuner undEtraßcnräuber. Also, wenig empfindlich bey derAuswahl seiner Modelle, zeichnete er ihre Schön-heiten und ihre Laster gleich getreu nach. Mitalle dem kann mau ihm eine gewisse Bewunderungnicht versage». Er hinterließ Meisterwerke fürgroße Galerien, und nützliche Lehren in der Kunstflüchtiger, frischer und, bey dem schnellsten Ue-bergange des lebhaftesten Lichts zu dem stärkstenSchatten, durchsichtiger Tinten. Was ihn somitauszeichnete, waren breite Massen, große Schat-ten, gesperrte, frische und lebendige Lichter, star-ker aber gemeiner Ausdruck, im Ganzen ein bräun-lichker aber überall harmonischer Ton; meist Halb-figurcn." Dann nennt er von ihm, neben An-
Valentin.
derm, das unten vorkommen wird, eine Fußwa-waschung in der Galerie Ginstiniani zu Rom . EineHandzeichnung von ihm in weiß und schwarzerKreide (Tafel mit Zechenden, wovon einer dieGuitare spielt) besaß noch i 8 iv. das CabinetPaignon-Dijvnval zu Paris . Daß er in Deutsch land sehr viel galt, beweisen seine zahlreichen Werkein bald allen dortigen Galerien. So besitztB.die Kaiserliche zu Mien von ihm: Moses mitden Gesetztafeln, Knieestück, stark lebensgroß.München : Eine Verspottung Christi (Männlichheißt seine Behandlung kraftvoll und markicht,die Färbung aber zu graulichk). Schleisheiin:Judith überreicht der Magd das Haupt des Ho-lofernes (lebensgroßes Knieestück); Soldaten spie-len an einem Tische (Knieestück 3 ^ io" hoch, 5^5" br.) **); Moses führt die Jsraeliten in dieWüste (ganze Figuren, 5 '9" 6'" hoch, 4'7"br.),und endlich (nach dem alten Katalog); einen Kna-ben, der die Cither schlagt (wieder, wie bald Allesvon ihm, Kuieestück.) Dresden : Einen Alten, derauf dem Basset spielt, neben ihm ein schreibenderJüngling (wieder Knieestück). Lehninger be-merkt , daß sein schnelles Arbeiten ihn oft zur Jn-correkthcit verleitet habe. Salzrhalum einst:Eine Vcrläugnung Petri (abermals lebensgroßesKuieestück, IV br. 5 ^ h" hoch). Pommersfel-den: Die Christen bringen St. Stephan ein Ge-schenk zum Kirchenschatz (dies ein kleines Bild 2^h" hoch, 2^ br.) Die alte Französische Galeriebesaß von ihm das schon genannte: Gebet demKaiser »*«), das bey Lands» X. N°. 20. imUmriß nachgebildet ist ^), und wovon es dortbeißt: „So gut als der beßte Earravaggio." —Valentin übertraf an fester Toccirung und Colosrit alle Französischen Künstler. Dann: Die vierEvangelisten mit ihren Attributen, welche beyLanden (V. VI. VII. und XV.). ebenfalls be-schrieben und nachgebildet sind; wieder lebens-große Knieestücke (4^ br. 3 ^ hoch). Lands»preist die harmonieusc Färbung derselben, undrügt dagegen das Unedle der Charakter, etwaSt. Marc ausgenommen, der aber mehr einemPetrus gleiche (der Löwe sey wohl sicher nichtnach der Natur gemalt). Im Matthäus ist derEngel (in Landon's Abrisse wenigstens) ein ge-meiner Bube, der (sollte man von seinem grim-migen Aussehen schließen) dem Evangelisten einBlakt aus seinem Buche reißen will. St. Johannhat denn doch (selbst in dem Umrisse) etwas nichtUnedles -s-s-). Dann finden sich (ebenfalls im Mu-seum Napoleon ) von diesem Meister, wohlKunstero-bcrung: Das Urtheil Salomo's , und die keusche Su-sann», wovon jenes, i. XQ Heft d. bekannten Pracht-werks, von Fragonard dem Sohne gezeichnet undvon Bouillard gestochen, und letztere (Heft XüIX.)wieder von Fragonard gezeichnet, und von E. G-Krüger in Dresden in Kupfer gebracht ist. Fer-ner: Die Marter der HH. Processus und Marti-nian (diese nun sicher aus dem Quirinal erbeutet)(s. bey Lands» XI. 21.); Judith mit dem Hauptdes Holofernes (s. Ebend. XIV. r 5 ); endlichHermiuia bey den Schäfern (s. Ebend. XV. 47 KAch! nicht Tasso's seine; doch nicht ohne Wahr-heit — aber eines valenrin's Wahrheit war nicht
U) Findet sich wohl irgendwo ein vollständiges Verzeichniß dessen was diese Galerie von Alters her aus derFranzösischen, Niederländischen und Deutschen Schule besaß, so wie Lepiciö solches von der Italienische»trefflich geliefert hatte? Uns ist bisher keines bekannt. Was Lands» hat, ist nur Stückwerk.
-X«-) Wohl einst zu Düsseldorf Nco . 59. wo indessen das Bild dem Carravaggrs zugeschrieben, und: »VierSoldaten, die all« Mora spielen", rubricier wird.
le Denier äe Lsssr , was Heidenreich^: »Das letztere (ts äernier) des Cäsars" giebt-
f) Schon in ältern Tagen hat solches St. Bandet, in neuern für das Museum Napoleon (Heft XXIII.)Klaeffenö, und für den Lours liistoritzus (Divr. IV. Xro. 20.- ein uns Unbekannter gestochen.
t'f) St. Lncas findet sich von le Villa!» gestochen im XXVIII. Heft des Lours IiiLtvrigue et ^lementaire, St.fkohann, von le Rouge im XXXII. Heft; wahrscheinlich die beyden übrigen, schon in frühern Heften ebendieses Werkes.