Band 
Zweyter Theil [4].
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2045
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Vecellio.

dem uns nie zu Gesicht gekommenen Werke: ke-cueil cies Ornvurss nu trait» xsr ie1°. I. 6^- 8. Paris Zog.

Auch im Cabinet Splvestre zu Paris befandsich noch 1810 ein (sehr gerühmtes) Bild von demUnsrigen: H. Familie, wo der kleine St. Johanndem Kind ein Lamm bringt (iZ" 6^" hoch, 20"dr.) weiches aus der berühmten Sammlung vonJulienne herrührt.

Von demjenigen, was sich von Tizian in Spa­ nien befindet, giebt Fiorillo (IV. 6g. 72.)ein, wie er glaubt, vollständiges Verzeichuiß;aus welcher O.uelle wird nicht gesagt. Es dürf-ten an oder über Hunderte seyn, darunter viele,die mit den! schon aus andern Gallerten genann-ten denselben Gegenstand haben *). So z. B.ein: Gebet dem Kaiser, ein Ecce Homo, die Mar-ter St. Laurentii, eine Magdalena *^), Lucretia und Larquinius, eine Venus, die den AdoniS vonder Jagd zurückhalten will***); Venus, derAmor den Spiegel vorhält u. s. f. VNengs, inseinem Schreiben an pons, nennt besonders zweye:Ein Bacchus - und ein Fest von Kindern, welcheum die Bildsäule der Venus tanzen. Jenes (dieFiguren ein Drittheil natürlicher Großes), standzu seiner Zeit im Königl. Pastaste, im Cabinetder Prinzessin: »Jeder einzelne Theil, und dasGanze zusammen^ (sagt er) »sind in diesem Bildeso^ schön, daß es eine weitläufige Arbeit seynmüßte, Alles nach Würde zu beschreiben. Nurso viel kann ich sagen, daß ich solches nie be-trachtet habe, ohne auf dem Dorgrund ein schla-fendes Weib zu bewundern, indem es mir im-mer wieder neu erscheint. DaS Colorik andieser Frau ist noch Heller als sonst nirgendsbey Tizian, und die Abstufung der Tintenso vollkommen, daß es in meinen Augen, vondieser Art nichts Vortrefflicheres in der WeltLiebt. Man kann keine der vielen Figuren voneinander unterscheiden, als wenn man sie auf-merksam mit allen übrigen vergleicht. Eine jedefür sich scheint Fleisch zu seyn, und dennoch istdie Verschiedenheit der Lokaltinten von allen demBegriff eines einzigen Tones untergeordnet. Auchdie Farbe der Gewänder ist ausnehmend schön.Geht man dann zu den Beywerken über, so zeu-gen die hellen Wolken, das verschiedenlliche Gründer schattenreichen Bäume, der mit weichen Kräu-tern bekleidete Boden, und kurz die ganze Zusam-mensetzung von einem lebhaften Geiste, der aberdeswegen nie von der Bahn einer vollkommnenNachahmung der Natur abweicht. Das zweytge-nannte, fast eben so große Bild, worin eine MengeKinder mit abgepflückten Baumfrüchten spielen,ist von eben so hoher Schönheit. Man erstauntüber die Mannigfaltigkeit dieser jugendlichen Fi-guren, und ihrerHaare, die doch alle schwarz

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und lockigt sind, am allermeisten aber auch hierüber die Abstuffung der Farben, die sich,-bey ent-fernten Gegenständen nach und nach, wie in Luftverlieren" sich). Mehrere der Tizianischen Bilder inSpanien nennt Meng« nicht, und bemerkt viel-mehr: Die zahlreichen übrigen seyen alle von ge-ringerm Werth, und von dem Künstler in hohemAlter gemalt, als er, wegen Blödigkeit des Ge-sichts, seinen Pinsel nicht mehr mit der frü-hern Reinlichkeit führen konnte. Dagegen scheintFiorillo I. e. unter Tizians wichtigere Arbeitenin Spanien z. B. zu zählen: Im neuen Pallastezu Madrid : Zwey große Gemälde, welche die Ge-schichte des Lheseus und PirithouS darstellen; dasBildniß Carl V. zu Pferde; dasjenige Philipp ll,mit seinem Sohn und einer Fama, mit der Un-terschrift: IVls^'ore tita. und des Künstlers Na-men 7 ^. kiques Lsesareus. Im Eskurial eineSt. Margaretha *). In der Königl. AkademieEt. Fernando zwey Bilder mit den Liebschaftenvon Mars und Venus. Im Eskurial (im Kapi-tel der Vikarien) eine ruhende Madonne, washier mit zu seinem Beßcen gezählt wird. Irgend-wo, ebenfalls im Eskurial, ein Gemälde, dasden Namen Aller-Heiligen trägt: Die Dreyeinig-keit in den Wolken, mit einer Glorie von Cheru-bim und Heiligen des Alten und Neuen Bundes um,geben**); ferner, gleichfalls dort, das große Bildder Apotheose Carls V. und ein Abendmal, wie-der eine seiner größten und schönsten Arbeiten.Auch in der Cathedcale zu Toledo und in St. Franszisc zu Puuea de Sanabria finden sich Altarblät-ter von ihm. Noch bestreiket Fiortllo (l. c. 686g.) die Behauptung Palominos u. A- daß Ti-zian von i 5/;8HZ einen fünfjährigen Aufenthaltin Spanien gemacht habe.

Wir haben bisher desjenigen keinerlei) Erwäh-nung gethan, was in ältern und neuern Tageneinige bewährte, theils Kunstdiletranten, theilswirkliche Künstler, zu ihrer Zeit von Tizian inItalien gefunden, und wovon sich seither Man-ches verändert, oder über die Berge magverirret haben. Kurz, wir geben auch hie-über,was wir von etlichen derselben empfangen haben.

Richardson zählte von dem Unsrigen, zu seinerZeit zu Florenz auf: Im Pallaste Pitti zehenBildnisse, und darunter vornehmlich zweye in gan,zer Statur, Carl V. und Philipp II . Dannzu Rom : Im Pallaste Barberini eine nackt lie-gende Venus, deren Kammerfrauen im Begriffestehn, ihr die Kleider aus dem Koffer zu langen***).Im Pallaste Bracciano ein sehr schönes historir-tes Bildniß Sizk IV. mit vier andern Personen;dann die im Ehebruch ertappte Frau, »och im ro-hen Styl von Bellini. Im Pallast Borghese wie-der ein Gesellschaftsbild: Der Kardinal Borgia und Macchiavelli , der dem erstem (man kann den-

'^) Eine von einem Kenner, nach allseitigem Augenschein, getroffene Vergleichung würde wahrscheinlich zei-gen, daß, in solchen Fällen, das günstige Präjudicium der Originalität, wo es nicht zwey oder mehrernBildern gehört, bald immer denjenigen in Spanien gebührt.

- 22 ) Einen schönen Magdalenen-Kopf in natürlicher Größe» aus dem Cabinet von Don Gaspar de Hora e Guz-man, Marquis von Carpio, hat Arn. van Westerhout gestochen.

"'""-) Dieses Bild hat schon 1559 Jul. Sannt» in einem großen, sehr seltenen Blatt, später (i6ro) R. Sa-deler eine ähnliche Vorstellung, und Ebendieselbe ein Ungenannter gegeben.

4 ) Nicht das Drittheil über solche, wie es bey prange heißt.

44) Wie prange daraus Ziegenhaare gemacht, begreifen wir nicht.

444) Diese Bilder sind wahrscheinlich von denjenigen drey Bacchanalien, welche Joh. Slndr. Pvdesta Genovesesehr schön geetzt hat. S. den winklerschen Gantkatalvg.

Eine solche, wie sie einen ungeheuern Drachen mit einem kleinen Kreuze zähmt, hat ein Ungenannter(/.«. konniis) gestochen.

Cort hat davon ein schönes 20 " hohes und -4" br. Blatt gestochen, was man auch im Kleinen, von ei-nem Ungenannten, sehr fein gearbeitet kennt.

Also Ähnlich der einen in der Tribune zu Florenz . S. unten.