Band 
Zweyter Theil [4].
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2062
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2062 Veläzquez.

Absicht, dem letzter« eine bronzene Ritterstatuein den Gärten von Buon Netiro zu errichten; daaber kein Künstler in Spanien war, der eine sogroße Arbeit hatte unternehmen können, so schriebder Minister an die Großherzogin nach Florenz ,um den Pietro Tacca , einen Zögling des Gio­ vanni da Bologna , der bereits die Statue Phi-lipps III. in Casa de Campo verfertigt hatte,zu bewegen, die Statue zu gießen. Tacca warbereit, den Wunsch des Ministers zu erfüllen,hatte aber kein Bildniß des Königs, und wußtenicht, welche Stellung er ihm und dem Pferdegeben sollte. Aus dieser Verlegenheit zog ihnveläquez, der ihm nicht nur ein Bildniß desKönigs zu Pferde *) und den Kopf einzeln über-schickte, sondern auch von dem berühmtesten Spa­ nischen Bildhauer, Juan Martine; Montannesden Kopf in Relief verfertigen ließ, um ihm dieArbeit zu erleichtern. Nm eben diese Zeit malteveläzquez den Herzog von Moden«, der sich imI. 16Z8. zu Madrid aufhielt und den Künstlermit einer kostbaren goldenen Halskette belohnte;den General der Armada, Don Adrian PulidoPareja, und den Herzog von Olivares, DonGa-spar de Euzman, zu Pferde. Dieser große Gön-ner des veläzquez verlor, wie bekannt, seineStelle als Premier-Minister im I i 6 /, 3 . die seinNeffe de Haro erhielt; allein diese Veränderungder Regierung hatte auf die Achtung und Liebedes Königs gegen unsern Künstler keinen Einfluß,der ihn von neuem im I. :644- malen und auchin Jagdkleidern mit einer Flinte und Hundendarstellen mußte. Auf eine ähnliche Weise schil-derte er den Cardinal-Jnfantcn Don Fernando;auch verfertigte er die Bildnisse der Donna Jsa-bclla von Bourbon, auf einem weißen Pferde;des Don Baltasar Carlos , seines Freundes DonFrancisco de Quevedo y Villcgas, des CardinalsBorja (Borgia ), Erzbischofs von Sevilla , undvieler andrer vornehmer Personen. Man hattebereits seit einiger Zeit den Plan zu einer Akade-mie der zeichnenden Künste in Madrid entworfen,als veläzquez von dem König den Auftrag er-hielt, nach Italien zu reisen, und daselbst alles,was zur Errichtung eines solchen Instituts noth-wendig ist, nach seinem Gutdünken aufzukaufen.Er verließ also Madrid zum zweytenmal im I.1648. gieng über Genua , Mailand , Padua , Ve­ nedig nach Bologna , wo er zwey geschickte Arti-sten, den Michele Colonna und Agostino Metellibewog, in die Dienste seines Monarchen zu treten.Von hier reiste er durch Modena , Parma , Flo­ renz , Rom nach Neapel , kehrte aber nach Rom zurück, wo ihn Jnnozcnz X. in einer glänzendenAudienz ehrenvoll aufnahm. Vielleicht hielt ersich auch in politischen Angelegenheiten dort auf**);denn die Häupter des Römischen Adels, die Car-binale Nepoten und die Tarverini bewarben sichum seine Freundschaft, so wie die angesehenstenKünstler, Pietro da Cortona , Matteo Preti, Al-gardi und Bernini . Bey dieser Gelegenheit ver-fertigte er ein meisterhaftes Bildniß seiner Heilig-keit, das im Pallast Pamfili bewundert wird.Noch den Tag zuvor, ehe er an diese Arbeit ging,matte er, um sich in der Führung des Pinselszu üben, seinen Sclaven Juan de Pareja so vor-

Veläzquez.

trefflich , daß man ihn für dies Bildniß unter dieMitglieder der Akademie Sän Luka aufnahm ***).Dreziado (^rcaciiapictorics) erzählt, daß veläz-quez während seines Aufenthalts zu Rom den GuidoNein, Dominichino, Guercino , Andrea Sacchi ,Poussin und andere berühmte Meister um Malereyenfür seinen Monarchen ersucht, und eine großeSammlung von Statuen, Büsten und andernKostbarkeiten gekauft habe -f). Allein er erhielt plötz-lich , wiewohl er kaum ein Jahr abwesend war,einen Brief von seinem Freund Don FernandoRuiz, schnell nach Spanien zurückzukehren, woer auch im I. i 6 ftt. ankam. Er fand, daß manhier den Plan, eine Akademie zu stiften, aufge-geben hatte, und die überschickten Kunstwerke zumSchmuck der königlichen Palläste anwendete,wurde aber selbst mit Hochachtung aufgenommenund mit der Stelle eines Aposentador mayorbeehrt, die ihn jedoch nicht hinderte, seinen arti-stischen Beschäftigungen treu zu bleiben. DasHauptwerk, das er nach seiner Rückkehr im I.i 65 i). malte, ist unter dem Namen der Familie,noch mehr aber durch den Ausspruch des Luca Giordano bekannt, der es die Theologie, oderdas Dogma der Malerey zu nennen pflegte. Umvon diesem Bilde einen Begriff zu geben, wollenwir die Beschreibung des prezrado mittheilen:Die Hauptfigur ist die Infantil: von Spanien ,Donna Margharita Maria von Oesterreich , diein der Folge Kaiserin wurde. Sie wird von vie-len Hofdamen und Mädchen und von einem Zwergeund einer Zwergin bedient, die damals am Hofelebten. Im Hintergründe erblickt man eine offeneThür, durch welche ein Sonnenstrahl fällt, undeine Wache. Ganz im Vordergründe hat sichveläzquez, mit dein Kreuz des H. Jacob,das ihm der König nach vollendeter Arbeitbeit schenkte, dargestellt Er scheint an einemStaffeleygemälde zu arbeiten; da man aber das-selbe von hinten sieht, und nicht weiß, wen esvorstellen soll, so hat er an der Wand gegenübereinen Spiegel angebracht, der die Bildnisse desKönigs und der Königin, womit er sich beschäf-tigt, reflektirt. Das Ganze ist mit unvergleichli-cher Kühnheit behandelt, und so wahr und täu-schend, daß man sich beym Anblick dieses Bildesin ein Zimmer zwischen lebende Personen versetztglaubt-j-f-"). Man erzählt, daMer Köms, als erdies Bild gesehen, gesagt habe, daß noch etwasfehle und eigenhändig auf die Brust des veläz-quez den Orden von Santiago gemalt habe.So viel ist gewiß, daß ihn der König noch imI. i 658 in den Ritterstand erhob. In demselbenJahrj erhielt er die Aufsicht über die Arbeiten desMichele Colonna, Agostino Metelli und andererKünstler; in dem folgenden Jahre verfertigte erdie Bildnisse des Prinzen von Asturicn, Don Fe-lipe, und der Infantil: Donna Margarita, diean den kaiserlichen Hof geschickt wurden. Erstarb, nachdem er dem Hofe auf mancherley Artehrenvoll gedient hatte, im I. 1660. Von denMalereyen des veläzquez, die in öffentlichenGebäuden bewundert werden, nennen wir folgende:Die schon erwähnten Gebrüder Josephs, dasBildniß Philipps IV. und noch ein Bild des Kö-nigs und der Königin, im königlichen Kloster

n) Dies Gemälda ist gegenwärtig in der Galerie Pitti r» Florenz .

Dies versichert Lope de vega , der erzählt, daß veläzquez, im I. -648- als Gesandter an Jnnozentx. geschickt worden. Nach dem preziado war er außerordentlicher Minister am Römischen Hofe. VeM»ermüde; aber wird dieser Stelle nicht gedacht-

in») Gettt setzt seine Aufnahme ins I. .610. Das Bild des Pareja kam in die Sammlung des Cardinal-Trajano de Aegnaviva. S- I-euere p- Z2l.

4 ) Neben Andern: das Museum Odescalchi, welches aus dem Cabinet der Königin Christina entstanden war.Dies waren die ersten Statuen von Bedeutung, welche »ach Spanien kamen, und zu St. Ildefvns aufbe-halten wurden. 25,5-.

ffb) S. die angeführte Stelle des preziado, »or. K. uebrigens trifft diese Beschreibung nicht mit der beyms-rmudez überein. Wie er glaubt, so beschäftigt sich veläzquez mit dem Bilde des Infamen; auchsoll der Spiegel ein Bildniß des Königes seyn, womit das Zimmer verziert war.