Band 
Zweyter Theil [4].
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2064
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2064 Veläsquez.

beßten Weg ein, um zu einer genauen Nachah-mung der Natur zu gelangen, da er nämlichAlles copirte, was auf seinen Gesichtssinn stieß.Menschliche Figuren; Thiere aus verschiedenenElementen; Baume, Früchte, Gemüse, Küchen-geräihe. Da er sich auf diese Art gewöhnte, alledie Linien zu ziehen, welche die Formen von soverschiedenen Gegenstände» bezeichnen, so fander bald keine mehr, die er sich nicht nachzuahmengetraute. Wenn es ihm daher bloß gelang, dasWahre darzustellen, ohne zugleich auch das Schönezu versinnlichen, so rührte es bloß daher, weiler die Muster zu spät sah, welche ihn auch zurNachahmung der letztem erheben konnten. Auchlegte er sich anfangs einzig darauf, Scenen ausdem gemeinen Leben nachzubilden, indem er, wieer sagte, lieber der erste in diesem niedrigen Fache,als bloß der zweyte in einem höher» seyn wollte.Nachdem er aber italienische Bilder gesehen hatte,so ergab er sich, von einem edeln Nacheiferungsrtriebe gereizt, auch dem Bildnisse und der Ge-schichte. Besonders soll ihm die Manier des Ca-ravaggio sehr gefallen, und er sich vorgenommenhaben, dieselbe nachzuahmen. Ist solches wirklichwahr, so hat er es als ein Meister gethan, derseinen eigenen Charakter noch immer beybehalt.Von Philipp I V. erhielt er bekanntlich die Er-laubniß Italien zu sehen. Allein es war zu spät *).Der Geschmack, den er sich gebildet hatte, gestat-tete ihm schon nicht mehr, Raphael Gerechtigkeitwiederfahren zu lassen; den Tizian hingegen soller bewundert haben. Sein Colorit war von denkräftigsten; aber die ganze Feinheit des Decelli-schen hat es nicht. Dagegen hat er (was, wiewir oben vernommen, auch Meng« von ihmurtheilte) im Helldunkel und in der Perspektive denVenezianer noch übertreffen; und in der Kunst,die Natur, zwar ohne Wahl, aber in ihrer gan-zen Wahrheit darzustellen, hat er Wenige seines-gleichen". In Deutschland besitzt von ihm dieKK-Galerie zu Wien zwey lebensgroße Kniestücke:Eines der Erzherzogin Maria Anna , Tochter Fer-dinands 111 . und zweyter Gemahlin Philipp IV. als dreyzehnjähriges Mädchen, in einem mitSpitzen besetzten man bemerke dies; weißenKleide; dann dasjenige eines vornehmen Spa,uiers, dessen Rechte auf dem Kopf eines Wind-spiels ruht, und die Linke den Degenknopf faßt.München und Schieisheini sind vollends soglücklich, von ihm neben fünf Bildnissen (wovonman eines für einen Mastanello hält) auch einGattungssiück: Einen kleinen Knaben mit einerKindertrommel, ganze Figur **). Auch Düssel­ dorf besaß eines, vielleicht, von den eben genann-ten jetzt in Banern. Dresden hat ebenfalls einBildniß von ihm ***); und ei» anderesso gutwie Vandyck," nennt (1809.) der Catalog desKabincts des H. Hof- und Landgerichts - Advo-katen Schmidt's zu Biel . In England besaß,neben Andern, Lord Burlington zu Chiswick vonihm schöne Bildnisse. Gestochen nach velaz-que; kennen wir vörderst sein eigenes Bildnißaus der Galerie zu Florenz , von G. Roßi; dannPhilipp IV. zu Pferde, von C- Mogalli; dasBrustbild des Herzogs von Olivarez mit allegori-schen Umgebungen, von P. Pontius, nach derZeichnung von Rubens (ein treffliches Blatt);Ebendasselbe von C. Galle; endlich des BrudersJoseph von der Reinigung, von E. S. Carmona;Jnnocenz X. seines von V. Green haben wir schonerwähnt. Dann von Geschichtlichem aus der Ga-lerie d'Orleans: Loth und seine Töchter, von Ph.Triere, und den geretteten Moses von Delaunaydem jünger«, das Urbild (g> L" hoch, n"

-') 1651. Er war damals denn doch 57. I. alt.

-»-«-) Dies, nebst einem der Bildnisse, zu Schleishei

S. oben. In Lehninger's Catalog wird seltsamEnergicder Griechen, die Correktheit der Römer

Veläzquez.

br.) in lebensgroßen Figuren; den Tod des H.Josephs von A. Bannermann sowohl als auch vonI. B. Michel aus der Gallerie Orford zu Hough-ton. Obigen Blättern fügt noch einer unsererFreunde bey: »Das Bildniß Balthasar Carlos ,Sohns Philipps IV. zu Pferde, von R. Earlomfür Boydell geschabt, und bemerkt überdies, daßdes Künstlers Leben, nebst dessen Bildnisse nachI. Maca, von Blas. Amettler gestochen sich ineinem Werke befinde, welches unter dem Titel :Lsrone8illusirs8Lsp3gnols, um iLo/z. Heftweisezu Madrid erschien. Und endlich gab der geschickteMaler Franz Goya in -772. nach velüzquez eineAnzahl Blätter von malerischer Wirkung, leichtgeetzt, deren Originale meist sich im KöniglichenPallaste zu Madrid befanden. Es sind: Philipp III. ;Philipp IV. ; Balthasar Carlos , Sohn Philipp IV. (wohl dasselbe Bild was Earlom schabte); Mar-garetha von Oestreich, und Jsabelle von Bourrbon, Königinnen von Spanien ; Caspar de Guzrman, Graf von Olivares und Herzog von SansLucas (diese 6 Bildnisse sind zu Pferde dargestellt);der Philosoph Menip ; der Fabeldichter Aesop (sämmtlich jetzt aufgezählte Blätter in sol.); einauf einem Faße sitzender mit Weinlaub bekränzterhalbnackter Mann, krönt eine vor ihm knieendePerson mit einem Weinkranze, dabey mehrereWinzer u. a. Personen mit gemeinen Physiogno-mien (un Uacs sinßisto coronnnsto »lAunorborrackos) qu. fol.; der Zwerg Philipp IV. sitzendund in einem Buche blätternd; endlich derselbenochmals, sitzenH und mit den Fußsohlen nachdem Beschauer des Kupfers zugekehrt, beyde in 4°.

veläsquez oder veläzquez (Don Jsi-dor), s. oben Don zsarlos Veläsquez.

(Don Louis Gonzalez), älte-ster Sohn des nachfolgenden D. Pablo Gonza-lez veläsquez, geboren zu Madrid 1716. undgest. 1764. der ein fleißiger Zögling der Akademiewar, und sich gegen das Ende der RegiernngPhilipps V. so berühmt machte, daß man ihnund seinen vorstehenden Bruder Alezandro er-wählte, die Vorhänge und Dekorationen im Thea-ter von Buenretiro zu malen. Außerdem verfer-tigte er einige Bilder an der Kuppel der KircheGan Marcos, wodurch er sich im I. -760. zurWürde eines Kammermahlers emporschwang.Viele andere Produkte von ihm und seinem Bru-der sind in den Sammlungen von Madrid zer-streut. Florillo IV. 093.

(D. Pablo Gonzalez), Bild-hauer, und das Haupt der neuern Künstler die-ses Geschlechts, von dem uns aber nichts Wei-teres bekannt ist.

-- (D. Zacharias Gonzalez), äl-tester Sohn des obstehendcn D. Anton Gonza-lez veläsquez des ältern, ebenfalls Maler,und thätiges Mitglied der Akademie von St. Fer-nando. Dieß ist Alles, was uns von ihm be-kannt ist.

), welcher im Lex. ohneTaufnamen (mit Verweisung aufden Art. Baye»)erscheint, hieß Anron, Maler. Nach ihm hatM. S. Carmona (1778 ) die Bildnisse KönigCarl III. als Statue auf einem Postamente, nndPhilipp IV. beyde mit allegorischen Verzierungenauf die Spanischen Ritterorden gestochen.

* veläsquez, f. die gleichvorstehenden Art.veläsquez.

über v- ausgeholt: »Man finde in seinen Werken dieund die rarte und angenehme Manier der Benerianer."