Band 
Zweyter Theil [4].
Seite
3063
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Vince.

thek, sprechen wir bald unten, da solches mehrin da vince's übrige mannigfaltige Kenntnisse,als in die bildende Kunst einschlagt. Doch be-merken wir hier denjenigen Band von groteskenGestchtsbildungen, welchen dort noch Richards»»sah, der aus 200 Blattern bestand, unter denensich auch noch Anderes, wie B- das Bildnißdes Artus Gouffier , Herrn von Boiffier, Groß-meisters Franz I. von Frankreich befand *).

Unter den Schätzen von Handzeichnungcn inder Gallerie zu Florenz , bemerkte Morgensternim EOXXXII. Tome derselben, von Lionardo einzig dreye. Vörderst ein lebensgroßes Brustbildder Herzogin Beatrice, mit Braun auf grauemPapier nur schwach angelegt; ein zarter weibli-cher Kopf von edler Form und reiner Schönheit.Der Haarputz erinnert an die Ferroniere; aberdie Züge sind heiterer, und die Italienerin istjünger. Dann das Bildniß eines Sforza, inschwarzer Kreide, etwas verwischt (ungewiß);gewisser dann wieder den Kopf eines änlichenOberhofmeisters Franz I. ebenfalls in schwarzerKreide, ungemein charakteristisch, mit sehr hervor-stehnder Unterlippe meisterhaft behandelt.

Unsere Kunde hiernächst von dem, was sichtheils von Alters her, theils durch Beute vonLionardo'« Zeichnungen in Frankreich befand,ist so dürftig, wie möglich. Eine Notizz von lau-ter Dergleichen, was im I. X. zu Paris ausge-stellt worden, nennt von dem Unsrigen einzig:

Einen Kopf von St. Johann, Studium inschwarzer Kreide und ausgctuscht.

Fünf alte Köpfe, mit der Feder.

Einen sitzenden Mann, welcher mit dem Brenn-spiegel einen Drachen todten will, der sich miteinem Löwen, einem Eichhorn, u. a wilden Thie-ren herumschlägt. Federzeichnung **).

Junger Mannskopf im Profil, in der Mütze.Federzeichnung.

Alter Mannskopf, drey Quart von vorne er-blickt, a la Sanguine.

Ausgetuschte Federzeichnung v. Abendmahl ***).

Eine andere von gleichem Gegenstand, die manfür Titians oder Lintorett's Arbeit hält.

da vince's Bildniß im Profil, a. la Sanguine.

In Frankreich dann, sey es nun in der Kö-niglichen oder in Privatsammlungen müßen sichauch die Zeichnungen derjenigen Blatter befundenhaben, welche der Graf von Caylus, über die gleichoben in den Noten begriffenen, gegeben, und wo-von wir unten die nähere Kunde ertheilen werden.

Dann besaß der in 180g. zu Paris verstorbeneehmalige Königl. Zeichenmeister I, A. von Gil-vestre sechs theils männliche, theils weiblicheda vince'sche Carricaturköpfe, mit der Feder ge-zeichnet.

Ferner H. Morel de vinde, Erbe des H.Paignon-Dijonval (1810.) eine schöne Zeichnung

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mit sehr lebhaftem Ausdrucke, von vier Juden-köpfen, die als Studium zu einem: Gebet demKaiser u. s. f. dienen mochten, in schwarz undrother Kreide (» 3 " br. 10" hoch). Eine zweyte:Magdalena, zu Christi Füßen bey dem Pharisäer,a la Sanguine (12" br. 8" hoch:; und eine dritte,die Verläumdung, die ein Kind vor einen unwis-senden Richter schleppt, nach dem bekannten Bildedes Apelles ; leicht ausgetuschte Federzeichnung,welche indessen Einige für F. Zucchero's Arbeithielten F). Auch der Französische Architekt leGrand hatte, wahrend seines Aufenthalts inItalien , mancherley von da vince gesammelt,was er herauszugeben gedachte.

Von Deutschland (was z. B. Wien und Dres-den besitzen mag) ist uns nichts bekannt. Dann aberbefinden sich unter den Steindrücken von Strix«ner, Pilöty und Comp. nach Lionardo's Zeich-nungen in der Königl. Baierschen Sammlung:Ein Weiberkopf (1 fl.); der Kopf einer Prinzessin(1 fl. 3 o kr.); Studium von zwey Köpfen (Zo kr.)

Der Hundert Blätter von W. Hollar nachdavince'schen Zeichnungen, welche einst der Grafv. Arundel besaß, erwähnen wir ausführlicher untenbey der Litteratur der Stiche. Weit Bedeutende-res indessen mag sich in der Sammlung des Kö-niges von England befinden. Nach den dorti-gen Schätzen erschien nämlich: Imitation« okU-Amal Design« bz- /.eo»a»'äo c/a c>f va-

rious llra>vinA8 etc. in bis IVIazesky'« collec-tion -j-F), publisbsä ssosk. O/raMÜe-'/sme.I'ol. I^onclon 1796. xo. 1. Schon dieses erste Heftenthielt: Ein sehr schönes Bildniß des Malersan der Spitze; alsdann ein kurzes Leben vonihm, und h Zeichnungen (darunter zwey anato-mische) mit vielen Anmerkungen, nach Lionar-do's Gewohnheit verkehrt mit der linken Handgeschrieben, so daß man sie im Spiegel leien mussAus eben dieser Königl. Sammlung hat mannoch ein anderes besonders geliefertes Blatt, nacheiner anatomischen Zeichnung, welches den Auf-schnitt der Figur eines Mannes und einer Frauim Beyschlafe vorstellt.

Wie vieler anderer wissenswürdiger Dinge/neben der Ausübung aller Gattung bildenderKunst, da vince kundig war, haben wir schonoben, im Allgemeinen vielfältig vernommen.Hier noch eine schöne Stelle, mit welcher Bossiseinen kurzen Abriß von dem Leben des Künstlersbeschließt: »Der mir sparsam vergönnte Raum"(sagter)erlaubt mir hier nicht, weder der großenZahl von da vince's mechanischen Erfindungen,noch seiner weitschichtigen hydraulichen Werke,noch der Menge seiner bald über alle Zweige desmenschlichen Wissens geschriebener Aufsätze Er-wähnung zu thun, so daß ich mich begnüge, zubemerken: Daß es dieser Lionardo war, welcher,ein v.lles Menschenalter früher als Galilai, Bacound andere vorzügliche Lichter der neuern Philoso-phie, die Beobachtung der Natur und die Erfah-rung für den allgemeinen Grundstein aller Wis-senschaft hielt; daß er hiernächst die zeichnendenKünste zuerst wieder der Vollkommenheit der An-tiken nahe brachte; endlich daß er überhaupt in

*) Aehnlicke Bildnisse dieses in der Französischen Geschichte berühmten Mannes von da Vinci wollen auchRichardson's Vater, und der Ritter llutti zu Rom besessen haben.

«») Der ungenaue Gault be St. Germatn rubricirt dieselbe (lustig genug): Mann der mit dem Brennfpie-gel Insekten todten will. Sie ist schon bey Caylus geetzt, eben so wie die beyden gleich folgendenKöpfe.

»»») Ebenfalls von Cavlus geebt, in der Sammlung, die man in der Calcographie verkauft. Ob solche indessenwirklich für -a Vince's Arbeit gehalten wird, ist hier nicht gesagt. Der jüngere Marterte hingegen be-hauptet solches in einem an den Grafen von Caylus gerichteten Briefe. S. l.«». piuor. n. igz.

f) Wie kann doch immer eine solche Verwechselung statt finden?

j-f) Dallaway il. ,.17. Not. 1. glaubt, diese Zeichnungen haben einen von den drey Theilen ausgemacht, welche

einst Pompeo Lconi besessen, und der vorerwähnte Graf von Arundel habe denselben gekauft; da er sich(i6zz.) als Gesandter an dem Hofe des Kaisers Ferdinand befand.