Band 
Zweyter Theil [4].
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Vi»ce.

oder nach irgend einer kleinen Skizze gemaltzu seyn, wie es damals viele gab *).

Von dieser Zeit an kennt Bossi ungefähr einJahrhundert lang keine weiter» Copien:

k. A.) Ein Paar schlechte Miniaturen auf Perga-

ment ausgenommen, und

d.) Ein eben so schlechtes Bild in Oel (16 One.hoch, und 28 One. br.) in der Erzbischöfl.Gallerie, etwa nach der Mitte des XVHI.Jahrhunderts gemalt.

!.) Denn etwa 3 o. Jahre spater eine andere beyH. Marc Cigalini, nicht besser als die vo-rigen.

L.)Nach der sogenannten Ausbesserung des Ur-bildes (>726.) von Bellotri, sah man aber-mals mehrere neue kleine Copien gemalt undgezeichnet; alle sehr schlecht, meist mit derHand von sechs Fingern, welche gedachterKünstler dem Apostel St. Jakob dem älterngab, den er für St. Thomas hielt. Bossisah fünfe dergleichen, alle noch vor der spä-tern Ritoccirung von Mazza (1770?) Einesolche in Miniatur (2 Br. lang) von demPater Oallerari, war ebenfalls sehr mittel-mäßig , trotz der Lobsprüche, die sie in öffent-lichen Blattern erhielt, und die er von allenKünstlern erbetelte, welche sein Werk **)sprüchwörtlich den Meihrvasser-Lessel nann-ten ***). Besser waren einige Zeichnungenvon Französischen und Italiänischen Malern,jede so gut, als der damalige Zustand desUrbildes, und die Geschicklichkeit des Künst-lers es zuließ, worunter Bossi (man weißnicht, ob aus Ueberzeugung oder Schmei-chelei))

l. ) Einer neuesten großen Miniatur auf Elfenbein,

von einer Mailandischen Dame gemalt, denEhrenplatz anweist.

Nun folgt eine Beurtheilung der nach diesemberühmten Werke gefertigten Kupferblätter, undeiniger Nachahmungen in verschiedenen Kunstgat-tungen. Der erster» werden wir unten an seinemOrte gedenken. Von den Nachahmungen nenntman folgende:

1. ) Das Basrelief in weissem Marmor (kleineFiguren) von Biagio vairone für die Karthausezu Pavia , dessen schon oben (N°. n.) kürzlicherwähnt worden. Die vielen Veränderungen,welche der Künstler, gegen das Urbild gehalten,darin vorgenommen hat, lassen vermuthen, erhabe damit sein Plagiat verbergen wollen.

2. Merkwürdiger sind die iZ. Bildsäulen in na-türlicher Größe, von (gebackner?) Erde, in wel-chen Andreas da Milans das ganze Abend-mahl des da vi'nce dargestellt, und damit (1^29.)eine Kapelle in der Kirche von Sarono geziert hat.Zu einer eigentlichen Kopie des Urbildes würbean diesem Werke nichts fehlen, wenn die Formgedachter Kapelle erlaubt hätte, die Figuren ingleiche Ordnung und Stellungen zu bringen, wiesie es in Lionardo's Werke sind.

0. Wie eigentlich die gemalte Arbeit ausgesehenhabe, womit, nach vasari's Bericht, Lasar von

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Gest» das Abendmal deS Mistigen nachgeahmthat, ist uns unbekannt.

4. Von Bernard Luino, im Refektorium derZoccolanten zu Lugano in Fresco. Auch diesesBild gehört zu dem bloßen Nachahmungen -f),da nur die Figuren des Christus, nebst den Apo-posteln Peter, Thomas, Bartholomaus und St.Jakob dem ältern, Copien des da vince'scherrAbendmahls sind. Das Ganze ist, freylich inVergleichung mit letzterm, kalt und mesquin; ineinzelnen Theilen aber findet man doch darin ei-nen angenehmen, wahren und affektvollen Aus-druck, je länger man es ansieht; was einemschlechten Bilde niemals zu begegne» pflegt.Zum Judas hat er, sinnbildlich eine Katze gestellt;und bemerkenswerth endlich ist es, wie der Künst-ler sich nach der engen und unbequemen Stelle,wo sein Werk steht, zu richten wußte.

5 . Von Lomazzo's Nachahmung im Refekto-rium della Pace zu Mailand haben wir schon oben(N°. i 5 .) unter den sogenannten Copieen ge-sprochen.

6 . Mit größten Ehren dann ist hier desjenigenAbendmahls zu gedenken, welches Andreas detSarro für das Convent von St Salvi bey Flo-renz in Fresco gemalt hat. Dasselbe ist wohlerhalten, und schön fast in allen Theilen. GleichLionardo stellte er seine Apostel in Eine Linie,mit Ausnahme der Aeußersten, welche im Profilegesehen werden. Einzig wäre an diesem Bildebessere Verbindung der Figuren, und mehrereWürde der Charaktere zu wünschen, denen es üb-rigens nicht am Ausdrucke mangelt. Den Erlö-ser könnte man nicht von den Jüngern unterschei-den, wenn er nicht in der Mitte säße. Die Drap-perie hat eine schöne Abwechslung; Colorit undEffekt sind im Ganzen gut, nur das erste vielleichtallzuschillericht.

7. Noch gehört auch Raphaels Abendmahlhieher, was aber bloß durch den schönen undseltenen Stich von Marc Antonio auf uns gekom-men ist. Die Anordnung des Ganzen, die vieleneinander gleichenden gehärteten Köpfe und Ande-res läßt glauben, daß Sanzio das Werk vonda vince aus einem alten Kupferblatt nach dem-selben kennen gelernt habe. Das klebrige, waSBossi von dieser ^aphaelischen Darstellung be-merkt, gehört nicht hieher, und ist überdieß mehrseltsam, ais lesenswerth.

Und nun kömmt er endlich zu seinem Haupt-zwecke, um dessen willen er wohl auch jene ganzeReihe von Copieen des Abendmahls von Lionardo aufgestellt, und dieselben so strenge (einige wohlso ungerecht) beurtheilt hat, um dagegen die (ei-nige in ein desto glänzenderes Licht zu stellen.Und wohl ebenfalls deswegen nennt er sie höchstsonderbar:

Die Eopie des vicekönigs von Italien ,

und wiedmet der Beschreibung ihres Entstehens,Fortgangs, Vollendung, und, versteht sich, auchihres vorzüglichen Werthes 21. S. im größtenFolio. Hier nur, in möglichster Kürze, das We-sentliche.

Nachdem er vorerst die meisten der obenerwähn-

n) Dom. -kspsri sc. Ohne die Füße, welche (nach de pagave) ein Neuerer (Sassi) hinzugefügt hat. Fio-rillo I- 294. wundert sich übrigens bey dieser Gelegenheit nicht ohne Grund über das Stillschweigen älte-rer und neuerer Schriftsteller (zu welchen nun auch Sofft vorzüglich vemerkenswerth gehört): Daß näm-lich die ächte Originalzeichnung des Lionardo in der ehemaligen Königl. Sammlung zu Paris aufbewahrtseyn soll. Verhält es sich aber auch wirklich so?

5 - 5 ) Wohl seiner Wäfferigkeit wegen.

«:,:») Fiorillo I. 294. zählt diese Nachahmung zu den Copien, und nennt solche, freylich nach dem Encomiumin: Memorie «teils delle Lrci «lc. II. p. z8. ein in seiner Art einziges Werk.

f) Fiorillo I. 29Z. zählt dieß Bild unter die Copien, und nennt es wegen der vollkommenen Nachahmungdes Originals, und weil es von einem Schüler des Lionardo herrühre, außerordentlich geschätzt.

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