4012 Unger.
„Neben Zanetti, Papillon, und des Unsrigengleichfolgendem Sohne, stand Joh. Georg un-ter den Formschneidern des XVlll. Jahrhundertsweit oben an. Er hakte seine Kunst allein siudirt,und dieselbe zu der Vollkommenheit der Meisterdes XVI. Jahrhunderts gebracht. Sein ausge-zeichnetes Genie 'dafür zeigte sich überall Ererfand eine Druckerpresse, welche mehr leistete,als die gewöhnliche. Wie sehr er Reinlichkeit,Zartheit und Kraft in dem Vortrage seiner Schraf-firungen und Querstriche anzubringen wußte, wis-sen alle Kenner. Mit seinen Künstlerverdtenstenverband er einen vortrefflichen moralischen Charak-ter. Unter der großen Anzahl seiner Arbeiten füh-ren wir nur seine Verzierungen zu dem neuen8pscracu!o Haturso nach Meils Zeichnungen,dann diejenigen zu Oelrichs ?ericlo llipiomaticc»<le sl^ncr pontiücali; 6ene valete (177Z.) undendlich, ebenfalls nach Meil, die fünf ländlichenGegenstände zu einer Abhandlung über die Fragean: Hat Alberr Dürer Figuren jemals inHolz geschnitten? Von einigen seiner vor-züglichsten Blätter finden sich Notizzen von F.I. Meppei in Meusel's Misc. l. 5i. u. ff.wo es neben Anderm heißt, daß Unger schonum 1762. in seiner Kunst gearbeitet habe. Imwinklet ischen Catalog wird bemerkt, daß erbey seinen Arbeiten einen Hauptvortheil aus derVerbindung des Messers mit dem Grabstichel ge-zogen habe. In einem Nekrolog von ihm (M e 11-sel's Mus VI. 101.) heißt es, neben dem üb-rigen Preis seiner Verdienste: „Seine letzte Erfin-dung war eine Ramm-Maschine, womit man weitmehr ausrichten kann, als mit der gewöhnlichen.Noch schätzbarer war dieser würdige Mann durchseinen cdeln Charakter, dessen Hauptzüge wahreinnige Gottesfurcht, Rechtschaffenheit, Wohlthä-tigkeit und unbegränzte Bescheidenheit waren."
Unger (Johann Jeremias), ChurfürstlichrrHof- Kunst- und Lustgärtner in dem großen Gar-ten bey Dresden , den man 171/». seiner Kunstwegen lobt. Er st. 17ZZ. alt 77. Iccander'sremarquable curieuse Briefe, Jahrg. 17Z3.ihgtes Couverts S. 2Z1. Vielleicht ist der obigeJohann Christian (U.) nur Eine Person mit demunsern; wäre dieß aber, so ist der Vorname Joh.Christian falsch.
— — (Michael), ein berühmter Kunstdrechs-ler zu Breslau um 1700. F. Fristu's Cere-monie! der Drechsler. Leipzig l7o5> 8°.S. 2d3.
* — — (Oswald) im Lex. fällt weg; und s.dafür Gnger in gegenwärtigen Zusätzen. Vondiesem Onger findet man auch ein (irgendwo„sehr schön" genanntes) Gemäld an dem Bar-tholomäus-Altar der Domkirche zu Frankfurt amMain , welches den Martertod dieses Apostelsdarstellt.
— — (Wilhelm), s. oben Christian Wil-helm Jakob U.
* — — ( ), der im Lex. am Schlüsse des
Art. von Oswald Unger angeführte Bildhauerzu Leipzig 1776. war damals ein Mitglied derdortigen Akademie, wo er auch unter Oesern ge-lernt hatte. Dieser wollte ihm wohl, und ge-brauchte ihn thcilweise bey Ausführung seiner ei-genen Arbeiten. Für einen bey der Akademieausgestellten, nach einer Gemme bearbeiteten, le-bensgroßen Herkuleskopf, erhielt er von dem Chur-fürst von Sachsen (1770.) eine Gratifikation,weil es das erste Werk aus Sächsischem Marmorwar, was hier ausgestellt wurde. In 1782. er-scheint er zu Berlin . Man gedachte damals seinerArbeit mit allem Lobe, bemerkte aber, daß ihmHoheit und Adel in eignen Erfindungen mangeln.Zu Sanssouci hat er mehrere Bildhauereycn ge-fertigt. Als er endlich in Berlin keine Arbeit
U n in acht.
mehr finden konnte, so wanderte er, ungefähr alseinjähriger Greis, i8ug. zu Fuße nach Paris .Aus Mangel an Bekanntschaft, mußte er sich dortmit Dekoratioiisarbeiten an öffentlichen Gebäudenabgeben; wie z. B. am Pallaste des gesetzgeben-den Körpers, am Louvre u. s. f. Auch noch indiesem seinem späten Alter, nannte man ihn znParis als einen geschickten Künstler. In 1811.verließ er aber diese Stadt, und gieng, der armebiedere Mann! wieder zu Fuße nach Berlin zurück.
unger ( ), ein Maler zu Dresden , dessen
irgendwo 1764. zufällig gedacht wird.
— — ( ), lernte in seiner Geburtsstadt
Danzig als Silberschmied, kam um 1779. nachSt. Petersburg und starb dort 1800. als Hofsil-berschmied etwa gegen 5 o I. alt. Er war einvortrefflicher Künstler in getriebener und andererArbeit.
— — ( ), ein geschickter Töpfermeister zu
Berlin 1801. Er hatte sich in 179 - zu Breslau auf der dasigen Kunstschule (in deren Lehrsaalesich eine Vase von ihm findet, die mit dem Po-stamente mannshoch ist) unter der Anleitung vonBach gebildet. Schuminel's Breslauer-Al-manach I. 71.
Ungern-Srernberg (Carl von), ein jun-ger Edelmann aus Licfland, der auf der Akade-mie zu Dresden i8a5—07. sich der Miniatur be-fliß. Auf der dortigen Ausstellung 1807. sah manvon ihm eine Maria mit dem Kinde, nach einemJtalianer kopirt.
Ungewirrer (Johann Dietrich), wurde in1770. Herzoglicher Hofbildhauer zu Gotha . In1789. erscheint er im dortigen Hofkalender nichtmehr.
Unl'sr (Gabriel), s. oben Vinov.
Unmacht, auch Gmacht u. Ohnmacht(Landolin). Unmacht ist sein richtiger Name,Bildhauer zu Rothweil im Würtembergischen,geboren zu Dunningen im Gebiete der genanntenehemaligen Reichsstadt 176 - . Derselbe warddurch eigne Kraft einer der beßten Bildhauer inEuropa . Von Jugend auf für die Spate undden Pflug bestimmt, hütete er bis in sein zwölf-tes Jahr das Vieh. Aber ein in ihm reger, un-widerstehlicher Drang, alles nachzubilden, machte,daß er immer in Holz schnitzelte, während seineHeerde in die benachbarten Felder eindrang, bisendlich der Vater, des ewigen Schadenersatzesmüde, ihn einem gemeinen Bildschnitzer zu Triberg auf der Schwarzwalde als Lehrling übergab. Dalernte er das Mechanische seines Geschäftes ganzgut; sein Fleiß und sein Kunstsinn brachten ihnimmer weiter, und auf seinen Reisen hatte erdas Glück, in einer Stadt des nördlichen Deutsch-lands einer Gesellschaft edler Menschenfreundebekannt zu werden, die ihn in den Stand setzte,nach Italien zu reisen, und sich ein halbes Jahrin Rom aufzuhalten. Ungeachtet er in seiner frü-hern Jugend keine Gelegenheit hatte, sich wissen-schaftlich zu bilden, so hat er doch später durcheigenen Fleiß und durch den Umgang mit mehrerirvorzüglichen Deutschen Männern, z. B. Klopstock,Sömmering u. a. seinem Geiste einen hohenSchwung gegeben. Er kennt und liest die Schrift-steller des Alterthums in Uebersetzungen, und diebeßten Werke der neuern Litteratur, besondersdie, welche in sein Fach einschlagen. Als gebor-ner Unterthan der Reichsstadt Rothweil konnteU. keinen Anspruch an die Rechte eines Bürgersmachen. Aber der dortige Rath ehrte in dem Un-terthan das Talent, schenkte ihm das Bürgerrecht,und unterstützte ihn noch mit einem Paar hundertGulden zu seiner Reise nach Italien . Das ersteGeschenk nahm er an; das andere aber betrach-