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Ehrenberg: Beitrag zur Erkenntnifs großer Organisation
Die Idee der Einschachtelung wird durch diese Slructurverhältnisse bei dem Vol-vox sehr verwickelt und die alte Ansicht davon zeigt sich als ganz irrig.
Fig. II. Das Waffenthierchen. Fig. a und 6 sind sorgfältig in allen äufsern Theilen zahl-richtig gezeichnete Figuren, welche vorläufig als Typus dieser Formen dienen mögen,bis über andere Formen ähnliche genaue Untersuchungen vorhanden sein werden. Bei10 Individuen dieses 3>"' grofsen Magenthierchens zählte ich 122 bis 144 Wimpern imUmkreise des Körpers. Bei keinem Individuum waren, wohl zufällig, dieselben Zahlenwie bei einem der andern. Ob die Schuld am Zählen lag, welches, da es im Tode we-niger möglich war, als bei der Bewegung im Leben, höchste Spannung der Aufmerk-samkeit verlangte, will ich unentschieden lassen, jedoch schien mir die Zahl selbst nichtfest. Ganz feste Zahlen boten aber die übrigen Organe. Drei lange Borsten am Hin-tertheile SM waren bei allen und wo einer oder zwei fehlten, wie diefs einigemal derFall war, war es an der Lücke zu erkennen. Überall waren 5 Griffel £££, überall 18fufsartige Haken ses. Da die Borsten zuweilen ausfallen, so könnte dasselbe wohl mitden Wimpern der Fall sein und man ebenfalls durch scharfe Beobachtung von Lückenauf feste Zahlen kommen. Die übrigen äufseren Organe scheinen nicht auszufallen.Fig. a ist vom Rücken gesehen, b von der Bauchseite. Bei «, ist der Mund, der sichbei Fig. a durch die noch herausragende halbverschluckte Oscillatorie sehr gut bezeich-net, so wie ebendadurch der gerade Verlauf des Darmes recht klar wurde. Am Anfängeder Griffel £, bei u, ist der After. Die Magen hängen wie Beeren einer Traube am gera-den Darme ( Orthocoela ). Die Wimperreihe, welche den Körperrand umgiebt, bildetam Munde eine liefe Einbiegung von links nach rechts, wodurch sie fast die Form einer8 erhält, welche aber etwas verschieden verkommt. Zwischen- dem Körperrande undder Einbiegung der "Wimpernreihe ist links ein einzelnes, contractiles Befruchtungs-organ ß. Den ganzen mittleren Körperraum sah ich bei einigen Individuen wie in Fig. amit kleinen farblosen Körnchen, Eiern, durchwirkt, bei andern blofs trübe, wie inFig. b. Unter den Knötchen, worein jede einzelne Wimper endet, sieht man längsder ganzen Wimperreihe eine Trübung verlaufen, welche wohl Muskelsubstanz daselbstanzeigt. Andere Organe liefsen sich bisher nicht ermitteln, doch ist es nicht wahr-scheinlich, dafs bei der Ähnlichkeit der Bildungen, z. B. mit Chilodon, nicht auchnoch ein Hode zu erkennen sein werde.
Fig. c ist weniger vergröfsert, übrigens dasselbe Thierchen, vom Nacken gese-hen, Fig. d dasselbe von der Seite, mit seinen gliederlosen Haken wie mit gegliedertenFüfsen laufend und kletternd. Fig. e ist in der Queertheilung begriffen und hat Indigoaufgenommen. Fig.y ist der durch Queertheilung freigewordene Vordertheil und istwohl nicht undeutlich einerlei mit Kerona Haustrum von Müller, während das ganzeThier Kerona Mjtilus desselben ist. Fig. g ist der frei gewordene Hintertheil undwahrscheinlich ist Müllers Trichoda erosa diese Form.
In Wasser, welches man in Gläsern aufbewahrt, findet sich diefs Thierchenhäufig ein und läuft bald vorwärts, bald rückwärts.
Tafel VII.
Auf dieser Tafel sind, wie auf 2 früheren, wieder nur augenführende, polygastrische Infuso-rien abgebildet. Nach dem Stiche derselben sind noch andere hinzugekommen, allein ich glaube, dafsdie nun vorliegenden 3 Tafeln die Existenz dieser Organe bei den polygastrischen Infusorien schonfeststellen und sowohl einer Vergleichung, als einem Uriheile einige Basis geben.
Die Figuren I. und II. sind unter 1000 maliger Linearvergröfserung gezeichnet, die übrigenunter 200-280maliger.