Band 
[Erster Band.]
Seite
8
JPEG-Download
 

8

dass die Abrundung nicht durch die Fluthen ohne eine andere mechanische Kraft, hervorge-bracht worden sey. Wer jemals denWallersee, den Königssee oder Bartholomäussee, oderandre gröfsere Alpenwasserspiegel bei stürmischem Wetter befahren hat, dem wird die Bemer-kung nicht entgangen seyn, dass man unter dem Wind gestellt, das Gerassel der sich imGrunde der Seen reibenden Steine deutlich vernimmt. Sollte der Königssee jemals durch einenZufall ausrinnen, sein Grund zugänglich werden, so wird man ihn mit abgestumpftem und ab-gerundeten Gerolle des hohen Wazmanns und der übrigen, nahegelegnen Berge erfüllt finden.

Nicht alle Gerolle sind auch so einfach, dass sie gleich in der Nähe könntennachgewiesen werden, daher die frühere Meinung des Herrn von Raumer, wo ernoch beide Wirkungsarten, die chemische und mechanische anerkennt, unserer Ansichtmehr zusagt.

Ob der Mandelstein, der Porphyr und Basalt mit zu den Gebilden des rothen Sand-steins gehören? möchte wol auch einer genaueren Untersuchung würdig seyn. Der Man-delstein des Beraunerkreises in Böhmen , der mit dem Thoneisenstein zwischen der Grau-wake, dem Kieselschiefer, dem Flötzkalk und Grünstein durchzieht, so wie die Porphyre undBasalte des böhmischen Mittelgebirges, sind von dem eigentlichen Todtliegenden durch grofseRäume getrennt. Die Basalte schliefsen sich zunächst an die Quadersandsteinformation diemit der Elbe nach Sachsen hinausgeht. Ein örtliches Vorkommen kann eine Ausnahme be-gründen, ein besondres Verhältniss anzeigen, zu einem allgemeinen Schluss sind noch meh-rere genaue Beobachtungen abzuwarten; denn, wie Breislack sehr richtig bemerkt: 16 )manmuss sich hüten, in der Geognosie zu sehr zu verallgemeinern Eine grofse Menge Irthümerhaben sich in diese Wissenschaft eingeschlichen, weil man gewöhnlich das in einer be-schränkten Beobachtungssphäre Bemerkte, sofort als für den ganzen Erdball gültig hat ausge-ben wollen.

Die verschiedenen Glieder der Kalksteinformation, die vorzüglich in den Alpen und derKupferschieferformation sich an die Steinkohlenformation anschliefsen, verdienen nicht weni-ger als die Sandsteingebilde eine fortgesetzte Untersuchung des Naturforschers; denn auch indieser Reihe sind die Abgränzungen noch nicht hinreichend bestimmt.

Herr von Schlottheim scheint, zufolge seines neuesten Werkes, nicht ungeneigt,eine allmähliche Fortbildung anzunehmen, durch welche die äussersten Glieder verbündenwerden.Bei der ganzen Flötzbildung sagt er, 17 )werden wir in den meisten Fällen,eine Annäherung, einen Übergang einer Flötzschichte in die andre, selbst zwischen den so-genannten Übergangsgebirgen und den älteren Flötzschichten, eine gleiche Annäherung ge-wahr, und wir bemerken zugleich, dass die nämliche Gebirgsart, je mehr sie sich verbreitetund von den Gebirgszügen, ihren uranfänglichen Geburtsstäten entfernt, gewöhnlich eine et-was veränderte Gestalt annimmt.

Wir haben daher grofse Ursach zu vermuthen, dass der Alpenkalkstein, der Zech­ stein , Gryphyten- und Höhlenkalkstein und wol selbst der Jurakalkstein, eigentlich nur Mo-difieationen einer Hauptformation sind , die sich auf die angegebene Weise bei ihrerweiteren Verbreitung veränderten. Selbst der Muschelflötzkalk, der sich in den Niederun-gen und an den Meeresküsten allmählig in Kreide verläuft, ist vielleicht der Niederschlagdes nämlichen Meeres, das nach und nach immer abnehmend, bis es sich zuletzt in seineo-evenwärtigen Ufer zurückzog, veränderte Schichten absetzen musste, weil der Stoff seinerNiederschläge schon bei seiner früheren Schichtenbildung verbraucht war, und sich die Be-schaffenheit der Bestandtheile der Wassermasse selbst, in langen, unbestimmbaren Zeit-nräumen ganz verändert hatte.

Ähnliche Beobachtungen der Verwandtschaft und der Übergänge in den Kalksteinge-

16) Scipio Breislaks Lehrhuch der Geologie; übersetzt von Stromheck. Th. 1 .p. 4-5o.

17) Die Petrefactenkunde auf ihrem, jetzigen Standpunkte, von Herrn von Schlot­ heim . Gotha . 182.0. p. VIII.