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Ueber Eis und Schnee : die höchsten Gipfel der Schweiz und die Geschichte ihrer Besteigung / G. Studer
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rische Uebersteigung der Strahlegg wurde jedoch erst imJahr 1812 von Hrn. Dr. Rudolf Meyer von Aarau aus-geführt. Am 3. Sept. jenes Jahres, am nämlichen Tage,an welchem sein Bruder Gottlieb die Jungfrau erkletterte,verreiste er des Morgens früh mit zwei Führern von derGrimsel und war Abends 8 Uhr in Giindelwald. Nachfünf guten Stunden hatte er mit seinen Begleitern denFuss des Finsteraarliorns erreicht und sie sahen durchdas Fernrohr noch die auf dessen Gipfel gepflanzte Stange.Um das Lauteraarhorn umbiegend, wurde das Eisthaldes Schreckfirns oder Strahlegggletschers durchschritten;hinten in diesem die blendenden Schneegefilde hinange-stiegen und sodann, über schiefrigen Felsen, empor-kletternd, die Höhe gewonnen. Der Anblick war er-greifend. Zu ihren Füssen nichts als schrundiges Eis,das sich wie ein erstarrter Lavastrom zwischen denEismauern des Eigers und Schreckhorns hinunterstürzteins grüne, schöne Thal von Grindelwald . Unter ihnenlag das bernische Hochland ausgespannt: jenseits desThunersees in der Ferne die Gebirge wie leichte Wolken-streifen, dahinter eine grenzenlose Ebene. Indem sie hierausruhten, sahen sie deutlich durch das Fernrohr ihreGefährten auf dem Gipfel der Jungfrau! So lautet ihreSchilderung. Ueber einen, von angeflogenem Schnee be-deckten Gletscher, der sich allmälig abwärts wölbte, ginges hinunter gegen einen grünen Hügel, sodann abwech-selnd über Schnee und Felsen, einem Abgrunde entlang,wieder auf begrüntes Erdreich und über einen Felsenhinab nach der ersten Alphütte, zu der sie der Gletscherführte. Wahrscheinlich war es die Hütte auf der Stieregg,denn von da kamen sie über den in Felsen eingehauenenWeg hinab ins Thal nach Grindelwald .