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Ueber Eis und Schnee : die höchsten Gipfel der Schweiz und die Geschichte ihrer Besteigung / G. Studer
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wurde beschlossen, einen Versuch zu machen. Es warhalb 10 Uhr. Ein steiler Kegel von Lawinenschuee führtezu den Felsen. Da begann die rechte Arbeit, wobei dasFührerpaar seine Meisterschaft glänzend bewährte. DieMarschordnung war folgende: Egger vorn, Spisspeterhinten, Hr. Aeby in der Mitte. Entsetzlich steile, starkverwitterte Felsen aus Gneis wechselten mit den bös-artigsten Eisrinnen ab. Ueber zwei Stunden lang hatteman sich mühsam von Wand zu Wand gewunden undnoch war der Erfolg zweifelhaft. Da endlich senkten sichdie Gratfelsen mehr und mehr; über den Grat zu ihrerRechten hinweg drang der Blick bereits unbehindert nachSüden; bald lag senkrecht unter ihnen das gewaltigeBecken des Gauligletschers. Ein scharfer, felsiger Kammführte zu einer kleinen Schneespitze. Wenige Schrittenoch und das Ziel war gewonnen. Man stand auf derhöchsten Spitze. Es war 10 Minuten vor 1 Uhr. Manhatte mehr als drei Stunden gebraucht, um auf gerade-stem Wege eine Höhe von etwa 1000 Fuss zu erklim-men.

Der höchste Punkt war eine scharfe, nach Nordenkahle, nach Süden überwächtete Spitze, welche aus demschmalen Kamme des Bergrückens hervorsprang. Nord-wärts und südwärts fällt derselbe entsetzlich steil in un-nahbaren Flühen ab.

Die Sonne schien warm und die Luft war klar. Einherrliches Gemälde war vor den Besteigern aufgerollt,das im Ganzen die Mitte haltet zwischen demjenigen desWetterhorns und dem des Schreckhorns, und wenn auchwegen der Lage des Berglistocks beschränkter dochlohnend genug ist. Die Ebene kam zwar kaum in Be-tracht. Von den Vorbergen traten uur der Niesen und