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Wohnungen für die Vogel.
same Liebhaber dagegen wird sein Gefieder so sorgsam überwachen, daß er essicherlich jedem Böget sogleich ansieht, wenn derselbe erkrankt; »nd da ist es dieerste Regel, daß ein solcher, der anch nur das geringste Krankheitszeichen er-kennen läßt, sofort herausgefangen und abgesondert werde. Stirbt trotzdem einVogel plötzlich und fällt er irgendwo ins (Gebüsch oder in einen Nistkasten(was übrigens außerordentlich selten vorkommt, weil die Todtkrauken fast immerein ruhiges Plätzchen, aber keineswegs ein finstres Versteck aussuchen), so wirdderselbe Vogelfreund doch wahrlich nicht erst warten, bis der (Geruch ihn leitet:man sollte es vielmehr als Hauptgrundsatz eines jede» Vogelpflegerö und -Züchtersansehen, daß er seine sämmtlichen Schützlinge genau kennt und stets ihr Wohlund Wehe im Ange behält, svdaß er, wenn ihm einer abhanden gekommen, so-fort Nachforschung anstelle. In solchem Falle vermag er den Vermißten un-schwer aufzufinden, denn er weiß ja immer, wo jeder seinen Aufenthalt hat undwohin er daher zum letzten Schlaf geschlüpft sein kann; das Nachsehen in eini-gen Winkeln und Dickichten, zwei oder drei Nistkasten, führt sofort zum Fund.l4. Wenn man weiterhin die Rathschläge inbetrefs der Bevölkerung nachliest,so ergibt es sich ganz von selber, daß man zarte Kerbthiersresser (sog. Edelsänger),welche kostbares Futter bekommen, keinenfalls mit ,groben', unersättlichen Star-vögeln, Drosseln u. a., auch nicht einmal mit Finken zusammenbringe» darf,schon deshalb nicht, weil alle diese sich gegenseitig hart bekämpfen und dieSchwache» von den Gröberen nur zu leicht gemißhandelt, wol gar getödtet werden.UebrigenS bitte ich, in dem betreffenden Abschnitt noch besonders auf die Schwierig-keiten zu achten, welche die Einrichtung einer mit Edelsängern bevölkerten Stubeverursacht. 1b. Mäuse in der Vogelstube sind geradezu ein Unglück für jedenZüchter, umsomehr, da wir bisher noch kein Mittel oder Verfahren kennen, siezu vertreiben und zu vertilgen, während sie andrerseits nicht allein an Futter-fraß sehr kostspielig werden, sondern auch vielen Unfug anstiften und jede Züch-tung kleinerer Vögel von vornherein unmöglich machen. Wirksame Vorschrists-maßregeln, um das Eindringen dieser Störenfriede zu verhindern, habe ich bereitsS. 78 mitgetheilt, und weiterhin in einem besondern Abschnitt werde ich die-selben noch ergänzen. 16. Die irgendwo aufgestellte Behauptung: „fast beiallen Stubeuvögelu müsse man es wahrnehmen, wie viel sie an ihrer Zutrau-lichkeit einbüßen, wenn man sie aus dem Käfige in das Zimmer frei stiegenlasse, während doch gerade die vollste Gewöhnung an den Pfleger am ersten da-für Gewähr biete, daß ein auf fremde Hilfe angewiesenes Pärchen zur Fort-pflanzung sich anschicke", ist durchaus nicht zutreffend, denn zunächst sind jenevöllig gezähmten Vögel, welche sich in die Hand nehmen und willenlos von ihremPfleger behandeln lassen, fast regelmäßig oder doch in den meisten Fällen inihrem ganzen Wesen gebrochene Schwächlinge, die kaum mehr zur erfolgreichen