Wirthschastliche Stubcnvogclzucht.
681
einzelnen Weibchen, wenn sie nur verträglich sind, nisten in der Regel ruhig mit, ohne Störungzu verursachen. Das Hcraussangen muß aber selbstverständlich hier, wie in jeder Zucht über-haupt, mit größter Vorsicht geschehen, und zwar damit man einerseits nicht die nistenden Vögelstöre oder andrerseits wol gar einen unrichtigen zu einer Brüt gehörigen Vogel sortnehmc. —Zn früherer Zeit, beim Beginn unserer Züchtungen, erachtete man es immerfür nothwendig, eine Anzahl Ersatzvögel, hauptsächlich Weibchen, die ja beimEierlegen leicht zugrundegchen, bereit zu haben, und ich selber rieth dies, nament-lich bei den Prachtsinken n. a., stets an; heutzutage abcr, inanbetracht dessen, daß derVogelhandel einen großen Ausschwung genommen, sodaß die Händler uns fortwährend, wenigstensmit den eigentlichen Zuchtvögeln, versorgen können, ist jene Vorsicht nur bei sehr seltenen Artenoder bei den zartesten, deren Weibchen vorzugsweise leicht sterben, erforderlich. Andrerseitsfreilich liegt ein großer Vortheil darin, daß man stets eine beträchtliche Anzahl gut ein-gewöhnter Ersatzvögel halte; soll die Züchtung ersprießlich sein, so müssen diese Vögel abcr, wieweiter vorn in den entsprechenden Abschnitten angegeben, durchaus sachgemäß gehalten und,verpflegt sein. — Hier bei der Massenzucht isl erklärlicherweise die Blutauffrischungalso die zeitweise Beschaffung neuer Männchen oder Weibchen, noch dringendernothwendig, als bei irgend einer andern Züchtung. Ich bitte bei allen hierher ge-hörenden Vögeln den Weg einzuschlagen, welchen ich S. 6'>4 vorgeschrieben. Noch eine ge-wichtige Frage tritt nnS hier entgegen, die der Züchtung in Einehe oderVielehe. Sie hat zwar vonvoruherein garkeine Bedeutung allen den Vögelngegenüber, welche aus der Freiheit zu uns gelangen, denn diese leben ja sämmt-lich, nur mit äußerst wenigen Ausnahmen, in Einehe; aber bei den sog. Kult Ur-vogeln, wie vornehmlich dem Kanarienvogel in allen seinen Rassen, sodannauch bei den Arten, welche, wie vorhin besprochen, gleich ihm bereits mehr oderminder massenhaft gezüchtet werden, kommt sie zur Erwägung. Inb-ir-fs v-s «un-ri-n.
vogels bitte ich das S. 602 Gesagte nachzulesen; ich habe es mir angelegen sein lassen, gerade seine ZüchtungS. 601—005» so eingehend als möglich zu behandeln. Zugleich sei hier jedoch dringend gewarnt vor den Künsteleien,Spielereien. Uebertreibungen, kurz und gut Unnatürlichkeitcn, die bei seiner Zucht bereits fast mehr als bei dereines jeden andern HanSthiers zn finden find. Während ich nicht daran zweifle, daß man
auch den Wellensittich, ein Mönchen oder Zebrafinkmännchen mit zwei bis drei,sogar bis fünf Weibchen, wie den Kanarienvogel, wird züchten können, so müßteich es doch aufrichtig bedauern, wenn eine solche ,rationelle' Zucht, wie man zusagen pflegt, auch auf diesem Gebiet einreißen und uns zn Sünden wider die
Aatur führen sollte. AIS Ausnahme» könnte man allenfalls die Widafinkcn eher vielleicht nur diegroße Hahnscbweiswida und die Webervögel im ganzen betrachten, indem dieselben nach Angabe mancher Reisendenin der Freiheit in Vielehe nisten sollen; ich bitte im l. Band bei den betreffenden Arten nachzulesen.
Gleicherweise, wie man die Prachtfinkeu und zwar namentlich die kleinstenund schönsten Arten gegenwärtig allenthalben als die Hauptbevölkerung derVogelstuben finde» kaun, so richtet hier und da ein Liebhaber auch wol einesolche oder nur einen Käfig lediglich für Webervögel ein. Es kommt dabei selbst-verständlich nicht daraus an, ob man auch Widasinken, kleine Papageien und einige andereentsprechende Vögel in je einem Pärchen unter ihnen hält; Hauptsache ist vielmehr nur dievorzugsweise Benutzung des Raums für die Angehörigen der Gattungen, die man zu den