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rigkeiten, Entschlüsse zu fassen, und diese Ungewissheiten sindeine peinliche Lage. Das Wetter im Rhonethal ist schön, es istordentlich im Norden der Schweiz . Unter diesen Umständen wäreder Aufstieg möglich, aber er würde in den Resultaten wahr-scheinlich nur halbwegs gelingen.
„Wie wird es morgen sein? Wird das Wetter besser oderschlechter sein? Ist diese Reihe atmosphärischer Depressionen,kleiner Cyklonen, welche das westliche Europa in den letztenTagen bestrichen haben, abgelaufen und wird das Wetter wiederbeständig? Oder wird es noch lange so fortgehen und uns nochweiter veränderliches Wetter bringen? Werden die hohen Luft-drucke, welche uns von der Bretagne gemeldet sind, unmittelbarzu uns kommen? Andererseits ist aber die Jahreszeit sehr vor-gerückt, der Herbst ist da, was thun? „Die Gelegenheit hängt aneinem Haar,“ sagt ein Sprichwort, soll man sie entwischen lassen?“
Einige Bomben komprimierten Wasserstoffgases aus der vor-trefflichen Wasserstoff- und Sauerstofffabrik von Luzern (Herr In-genieur Gmür) dienten uns, die kleinen Pilotenballons zu füllen.Ein solcher aus Kautsehuck, den wir am 2. Oktober morgens7 Uhr steigen liessen, fiel nach telephonischem und telegraphischemBerichte des Herrn F. Cornu, vormittags ca. 11 Uhr, in Corseaux oberhalb Vevey . Er hat somit den Alpenkamm der Diablerets vonSüdost nach Nordwest überfahren.
Die gleiche Fabrik in Luzern hat uns auch drei Sauerstoff-bomben geliefert, die wir auf die Luftreise mitnahmen, und, hättedieselbe schon vor der Bestellung des Wasserstoffapparates durchSpelterini existiert, so hätten wir vielleicht eine Möglichkeit findenkönnen, von dort unsern Ballon füllen zu lassen.
„Die meteorologischen Stationen der schweizerischen Ebeneund der nördlichen Alpengipfel (Pilatus , Säntis, Luzern , Bern ,Zürich etc.), immer wieder per Telephon und Telegraph befragt,gaben zweifelhafte und entmutigende Antworten. Die Telegraphistenund Telephonisten von Sitten, deren Thätigkeit unermüdlich war,waren stets auf der Lauer. Es war ein Kriegsrat in Permanenz,