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der die Wetterkarte besprach, den Horizont betrug, die Barometerbeklopfte. Die Tage vergiengen und die Kanone, welche aufWunsch des Stadtrates der Bevölkerung das letzte Rüsten zweiStunden vor der Abfahrt melden sollte, blieb stumm.“
„Ein gefüllter Ballon besitzt keine unerschöpfliche Geduld.Er kann nicht auf unbestimmte Zeit hinaus die idealen meteorolo-gischen Bedingungen abwarten. Die täglichen Temperaturwechselbringen das Gas zur Dehnung und zur Kontraktion und ein kleinerTeil verliert sich; die Seide und ihre Nähte sind nicht absolut un-durchdringlich. Eine gewisse Diffusion bringt Gasverlust und störtauch die Reinheit des Wasserstoffgases. Endlich kann ein Sturmkommen, der trotz allem Angebundensein und allen Sandsäckendie gewaltige Kugel arg erfassen und schädigen würde. Mankann einige Tage, vielleicht 8, allerhöchstens 14 Tage warten,aber nicht unbegrenzt lange. Es musste also innerhalb dieseskurzen Zeitraumes der beste Tag gewählt werden.“ „Was wirdder morgige Tag uns bringen? Hoffen wir!“
Die Barometer stiegen langsam und kontinuierlich währenddes 2. Oktobers und in der Nacht vom 2. zum 3. Es war nunvollständig klar, einerseits, dass die wünschenswerteste Si-tuation — SW-Wind in der Höhe — so bald nicht auf-treten könne, ja dass vielleicht Wochen verstreichenwerden, bevor sie wieder komme, anderseits, dass derBallon gefüllt nur noch wenige Tage in gutem Zu-stande würde warten können. Mit dem nun vorauszu-sehenden Südostwind, also gegen Nordwest zu fahren, botauch ein grosses Interesse und war jedenfalls der totalen Unsicher-heit der Zukunft vorzuziehen. Die Fahrt auf nächstes Jahr zuverschieben, daran konnten wir nicht denken, denn die grossenAuslagen für die Einrichtung und Füllung waren unwiderruflichgeschehen und wären völlig nutzlos geblieben, wenn wir jetztnicht mehr gefahren wären. Viel eher konnte man darandenken, ein anderes Jahr den Versuch zu wiederholen. Spelterini,Dr. Maurer und ich entschieden zu fahren, falls die Berichte von