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sehen als in der Eegel unten auf der Erde. Die Färb unterschiedevon Kulturwiese und Naturwiese, von verschiedenen Feldern, Obst-bäumen etc. bilden ein herrliches Gewebe. Dazu kommt, dassvom Ballon gesehen man häufig jeden Baum sich noch von seinemeigenen Schatten abheben sieht. Die Seen erscheinen mehr inihrer tiefen blauen oder grünen Eigenfarbe, wenn wir nahe überdenselben stehen, während sie uns unten an der Erde betrachtetstets zu einem mehr oder weniger grossen Teil oder auch ganz ge-spiegelte Himmelsfarbe bieten. Alle Farbunterschiede in derLandschaft erscheinen vom Ballon aus viel stärker und lebhafter,viel farbenfrischer, die Luftperspektive ist viel geringer als unten.Dennoch ist das ganze nicht grell, sondern ein wunderbarer har-monischer Duft durch webt es. Steigen wir höher und höher, sowerden die Farbunterschiede geringer, ein feiner Dunstschleierlegt sich allmälich zwischen uns und die Landschaft zu unserenFüssen . Bei über 4000 m Höhe hat er eine blass violette Färbung.Bei über 6000 m schien mir das ganze Land unter uns stets leichtblass, violett, dumpf abgetönt zu sein. Es ist ein viel grössererGenuss, in geringer Höhe in 1000 bis 2000 m über dem Bodenzu fahren, als in 3000 bis 5000 m.
Die Erklärung für die angedeuteten Erscheinungen ist nichtschwierig zu geben:
Blicken wir unten auf der Erde nach einem 10 km entferntenBerg, so schauen wir durch 10 km dichte Atmosphäre hindurchund daraus ergiebt sich die starke blaue luftperspektivische Ab-tönung aller Farben, wodurch die ursprünglichen Unterschiedestark verwischt werden. Schauen wir aber vom Ballon hinab aufden Berg, so führt nur ein Teil unserer Blicklinie durch die tiefendichteren Luftschichten, ein grösserer Teil durch dünnere unddeshalb auch weniger färbende Luft. Die blaue Luftbrille, diezwischen uns und dem Berge liegt, ist blasser gefärbt und deshalbdringen die Eigenfarben des Berges unveränderter in unser Auge.Der Farbenglanz der Erde, den wir staunend genossen, war beider Wega-Fahrt besonders herrlich über dem Rhonethal und den