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Die Fahrt der "Wega" über Alpen und Jura : am 3. Oktober 1898 / Alb. Heim, Jul. Maurer, Ed. Spelterini
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wie schwer es ist, nur einigermassen verlässliche Werte für denTrägheitskoefficienten bezw. die anzubringendon Temperaturkorrek-tionen abzuleiten, unter den so vielfach variierenden, oft kaumkontrollierbaren Umständen, denen das Ballonthermometer aufseinem weiten Zuge durch die niedern und höliern Luftschichtenausgesetzt ist.

Trotz dieser ziemlich misslichen und wenig ermutigendenUmstände habe ich versucht, über die Empfindlichkeit (resp. Grössedes Trägheitskoefficienten) der bei unserer Fahrt verwendetenTemperaturmessinstrumente Aspirations-Thermometer und Ther-mograph wenigstens einige orientierende Bestimmungen, teil-weise unter Variation der Dichte des umgebenden aspirierendenMediums, zu erhalten. Bei Ausführung der Versuche wiederumgefördert und ermöglicht durch das liebenswürdige Entgegenkommendes Chefs der Präzisionswerkstätte Usteri-Reinacher wurde inerster Linie unser Assmannsches Aspirationsthermometer bekannterForm vorerst auf etwa 40° C vorsichtig erwärmt und mit arre-tiertem Aspirationsmechanismus (auf passender Unterlage) freiunter einen grossen, starkwandigen Rezipienten gebracht, welcherdurch einen schweren Metalldeckel, in den eine dicke Spiegelglas-scheibe eingesetzt ist, mittels zehn Schraubenmuttern luftdicht ver-schlossen werden konnte; hierauf rasch die Handpumpe in Bewegunggesetzt und die nötige Evacuierung auf 600, 500 und 400 mmvorgenommen. War letztere jeweils erreicht die Druckvariationkonnte direkt an einem mit dem Rezipienten-Reservoir kommuni-zierenden Quecksilber-Vergleichsbarometer ermittelt werden solöste man von aussen (mittels des an einer Stopfbüchse, innerhalban der Decke des Rezipienten fixierten Hilfsarmes) die Aspirations-scheiben zur kräftigen Ventilationswirkung aus und beobachtetenun die weitere Abkühlung des aspirierten Thermometers von 5 zu5 Sekunden, bezw. von Viertel- zu Viertelminute. Die Temperaturder Umgebung am Anfang und Ende jedes Versuchs wurde imReservoir selbst durch ein eingehängtes Thermometer-attachöe,teils zur Kontrolle durch die letzte konstante Einstellung des