Band 
Dritter Band. D bis E.
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Dalberg (Emmerich Joseph, Herz. v.)

Muster der Frömmigkeit und Sittenreinheit vorleuchtete, ohne deßhalb strengoder unduldsam zu sein. Dem Hochstifte Konstanz nützte er durch einen Schul'-denkilgungSplan, durch Unterstützung der milden Stiftungen, sowie durch An-ordnungen zu besserm Feld- und Weinbau. Ebenso ermunterte er die wis-senschaftliche Thätigkeit der Geistlichen durch Aussetzung von Preisen sür diebesten Arbeiten, die in ihr Fach einschlugen. Als Privatmann so sparsam alsMöglich, behielt er immer Etwas für Arme und Hulfsbedürftige übrig. AlsGelehrter und Schriftsteller gehörte D. unter die ausgezeichnetsten Männerseiner Zeit. Ohne einer entschiedenen Lieblingsmeinung zu huldigen, nahm er anallen Bestrebungen in der gelehrten Welt Antheil. Sein Umgang mit Herder,Göthe, Wieland, Schiller u. A. befruchtete feinen Geist immer mit neuen Ideenund Ansichten. Seine Schriften betreffen meistens Gegenstände des philosophischenNachdenkens und empfehlen sich durch Gründlichkeit der Forschung und durch einegewinnende Beredtsamkeit. Wir nennen darunter dieBetrachtungen über dasUniversum" (5. Ausl. 1805; dieGrundsätze der Ästhetik" (Erlangen 1791);undPerikleS , über den Einfluß der schönen Künste auf das öffentliche Glück"(Erfurt 1806). Mehre Schriften dieser Art hat er in franz. Sprache abgefaßt.Außerdem ist er Verfasser juristischer Abhandlungen, z. B. einer Disputation,wodurch er Doctor der Rechte wurde.Der deutsche Merkur",Das deutscheMuseum",Die Hören" enthalten manchen schätzbaren Aufsatz von ihm. Ob-gleich er als ein kräftiger Denker sich gern mit theoretischen Untersuchungen be-schäftigte, so zog ihn doch das Praktische, unmittelbar inS Leben Eingreifende,noch mehr an; daher waren seine Lieblingswissenschaften, außer der Kunstphi-losophie, die Mathematik, Physik, Chemie, Botanik, Mineralogie, technolo-gische Landwirthschaft u. s. w. D. starb den 10. Febr. 1817. Weine letzten Au-genblicke waren heiter und still wie die eines Weisen und Christen, der denTod als den Übergang zum schönern Leben kennt. Vgl. Krämer'SGedächt-nißschrift aus Dalberg" (Gotha 1817), und dessen biographische SchilderungD.'s, im 23. Hefte derZeitgenossen". Sein Neffe, der Herzog von Dal-berg, Pair von Frankreich, ließ ihm 1824 im Dom zu Negensburg einDenkmal setzen, das der Venetianer Luigi Zandomeneghi aus cararischem Mar-mor verfertigt hat. Es zeigt seine Büste und einen Genius, der D.'S letzteWorte:Liebe, Leben, Gottes Wille", aufschreibt.

Dalberg (Emmerich Joseph , Herzog von), Pair von Frankreich, Neffedes ehemaligen Fürsten Primas und Sohn des als Vorsteher des Theaters zuManheim bekannten Schriftstellers Wolsgang Heribert Freiherrn von Dalberg,geb. den 31. Mai 1773 zu Mainz . Seine ersten Schritte im öffentlichenLeben that er theils unter seines Oheims Augen in Erfurt , theils im haiti-schen WtaatSdienste, bis er 1803 Gesandter des Markgrafen von Baden inParis ward. Er trat hier in eine eng« Verbindung mit dem Fürsten von Bene-vent (s. Talleyrand - Perigord), der ihn 1807 mit Fräulin von Brig-nolles, aus einem angesehenen genuesischen Hause, vermählte. Während desFeldzugs von 1809 übernahm er die Leitung der auswärtigen Angelegenheitenin Baden, ohne seinen gesandtschaftlichen Posten in Paris aufzugeben. Nachdem Frieden kam er nach Frankreich zurück, wo er das französische StaatS-bürgerrecht erhielt, und darauf zum Herzog und StaatSrarh erhoben ward.Nach Napoleons Vermählung mit der Erzherzogin Marie Louise, bei welcherGelegenheit D. die vorläufigen Unterhandlungen mit dem Fürsten Schwar-zenberg eröffnet haben soll, erhielt er eine Dotation von 4 Mill. Frankenauf das Fürsienthum Baireuth, worüber Frankreich nach den Bedingungendes wiener Friedens zu verfügen hatte, und der König von Baiern bezahltebeinahe die ganze Summe. Als der Fürst von Benevent in Ungnade fiel,