Dendcrah 113
wo die ägyptische Kunst auf ihrem Gipfel zu sein schien; der Zeit zwischen Nekosund'Aniasis, wo man im Delta große Gebäude ausführte, und Memphis glänzendwar. Der Streit über das Alter dieses Denkmals ist noch nicht geendet; dadurch,daß ein -Ltück davon »ach Europa gekommen ist, wurde er keineswegs seiner Ent-scheidung näher gebracht. Persönliche, vorgefaßte Ansichten wirkte» auf das Ur-theil ein. Lo wurde eine Schrift von Dupuy über diesen Thierkreis von der pari-ser Polizei, als den Unglauben befördernd, consiscirt (im Aug. 1822). Begreiflichist aber bei einem Denkmale dieser Art jede einzelne Hieroglyphe der Umgebung indie ganze VorsicllungSweise von dem Iahrescyklus eingreifend, jedes Einzelne be-deutsam, und Nichts müßig verzierendes Nebenwerk. Dadurch kam ei» jungerFranzose, S. Saulnier, dessen Ehrgeiz durch die glänzenden Erwerbungen der Eng-länder geweckt worden war, auf den Einfall, diesen Thierkreis seinem Vaterlandezu verschaffen. Da ihn ein Geschäft hinderte, selbst nach Ägypten zu gehen, so über-ließ er die Abholung dem Vertrauten seines Plans, einem H. Lelorrain, der, mitSägen und andern: Handwerkszeug reichlich versehen, sich im Oktober 1820 nachAlexandria einschiffte. Mohammed Ali zeigte eine bcklagenswerthe Bereitwilligkeit,die heiligen Denkmäler von Tentyra verstümmeln zu lassen. Auf dem Dache desTempels hatten sich Araber in frühern Zeilen angenistet; ihre verlassenen Hüttenmußten weggeräumt werden, der schult, mit dem schon vorhandenen Abhängevon früherm, bildete eine Fläche, auf der man die 47andsteinblöcke nach dem UferdesNn's konnte gleiten lassen. Eine Schleife von H. Lclorram's Erfindung that da-bei gute Dienste. Lelorrain wählte den kleinern, runden Thierkreis im obern Zim-mer. Da der Stein zu groß war, so schnitt man von der einen Seite in einem Zick-zack Streifen, und begnügte sich mit der großen Platte, auf welcher der Thierkreisü peu (nach dem Ausdrucke des ,,1»ni ». <>ovollständig dargestellt war.Die Steinplatte war nämlich so ungeheuer, daß sie auf den sich gegenüberstehendenHauptwänden ausruhte. Zwar gingen die Figuren, welche den Thierkreis tragen,und ein Theil von ihn: selbst, auf den nebenliegenden Stein über, aber man glaubtean diesem Fragmente genug zu habe», um den Sinn dieses ganzen Gebäudes zubegreifen, und zuletzt jene verwickelten Fragen zu lösen. Der Stein war vortrefflicherhalten, nur schwarz geworden durch einen rußigen Überzug, der vielleicht aus derZeit herstammt, wo die Mysterien und Weihen des Thierdienstes in diesen Heilig-thümern vollbracht wurden. Durch diesen Rauch mochten auch die Farben zerstörtsein, »velche früher wahrscheinlich die Hieroglyphen hervorhoben. Die Platte warvon der Sandsteinart, aus welcher alle Denkmäler zwischen Philä und Denderahausgeführt sind. Kaum war diese Zerstörung vollbracht, so machte ein andrerReisender Ansprüche an ihren Gewinn. Er behauptete, frühere Rechte an Alleszu haben, was in Tentyra ausgegraben werden könnte. Der Pascha von Ägypten entschied für den Franzosen , weil der Thierkreis aus dem Dache genommen war.DasMeer trug H. Lelorrain endlich glücklich mit seiner Beute von Alerandria nachMarseille . Dort bemerkte man bei einer Dergleichung mit den Kupfern in demgroßen Werke über Ägypten so ziemlich Alles an seiner Stelle, ober eine Verschöne-rung in der Zeichnung, die glücklicherweise das Denkmal nicht bestätigte. ZmZanuar 1822 kam er nach Paris, wo die Eigenthümer durch Gau eine Zeichnungvon allen noch erkennbaren Figuren machen ließen, die, in Kupfer gestochen, einetreue Abbildung von den astronomischen Zeichen der Ägvpter geben wird. Die Re-gierung kaufte das Planisphär für 150,000 Fres. Der Streit über die Epochenseines Ursprungs begann mit verdoppelter Lebhaftigkeit. ^t.-Mariin glaubte ins. divlioe LUI le /ocli.igue cle Oeixleriib ete." (Paris 1822), das Monumentsei vor 669 oder nach 900 vor Ch. errichtet; allein s. Meinung ist ebenso wenig er-wiesen alsdie desHrn. Biot , welche Zcmard in der „Ilev. e-nevel." (Sept. 1822)beleuchtet hat. Dagegen bewies Letronne in s. „Kritischen und archäologischen Be-Eviivcrsittions-Lepicoii. Bd.Ill. 8