Band 
Dritter Band. D bis E.
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Deutscher Bund

Staaten nach Selbständigkeit und ungehinderter Entwickelung ihrer Kräfte. Dieeinzige Vermittelung zwischen diesen entgegenstehenden Principien lag in der Volks-einheit der Deutschen , der Gemeinschafrlichkeit der Sprache und Literatur, der Sit-ten und ihrer Geschichte. In allen innern Angelegenheiten hatte sich Östreich schonunter Maximilian I. , die sächsischen Provinzen durch ihre alte Autonomie, späterhinPreußen durch die allgemeinen )lppellationSprivilegien im dresdner Frieden (1745)von derReichSregierung frei gemacht, und der preSburger Friede (1805) sicherte auchden neuen Königreichen, Baiern undWürtemberg, dieselben Exemtionen zu. Manerkannte deutlich, daß nur im Verhältniß gegen das Ausland die Einheit Deutsch-lands aufrechtzuhalten sei, und gründete auf dieses sehr richtige Princip den Rhein-bund, welcher nur dadurch in der Anwendung des Grundsatzes fehlerhaft und unhalt-bar wurde, daß er erstlich nicht alle deutsche Staaten umfaßte, und zweitens die Ver-bündeten in eine antinationale Abhängigkeit von Frankreich versetzte. Nur jene Aus-schließung der 2 größten deutschen Staaten vom Rheinbünde, welche in jedem Augen-blicke sogar eine feindliche Stellung werden konnte, und diese unnatürliche Verflech-tung in die Politik Frankreichs konnten dem Rheinbünde den Namen einer trügeri-schen Fessel zuziehen; daß die Grundlage tes DundeS die richtige war, hat sich in derFolge bewährt. Denn als die Niederlagen Napoleons in Rußland den Zauber gebro-chen hatten, welcher das französische Kaiserreich bis dahin umgab, sicherten sich nurBaiern undWürtemberg in ihren Verträgen mit Östreich (zu Ried undFulka) ihrebisherige Souverainetät; alle andre deutsche Staaten erklärten sich bereit, sich jederEinrichtung anzuschließen, welche die Sicherheit Deutschlands erfodein werde. Dergrößere Theil der Machthaber und Staatsmänner, in deren Hände das große Ge-schäft gelegt war, eine neue Formel der Verbindung für die deutschen Staaten auf-zustellen, hegte den aufrichtigsten Willen, diese Verbindung so innig und stark zu ma-chen als möglich, und selbst für die innern Angelegenheiten der einzelnen Staaten,wo nicht eine kraftvoll emgreifende Centralregierung, doch eine festbestimmte gemein-schaftliche Gesetzgebung zu gründen, und die Schranken weguiräumen, welche dieDeutschen in so mancher Beziehung von einander trennten. Allein man mußte baldüberzeugt werken, daß der Charakter der Selbständigkeit bereits zu tiefe und allge-meine Wurzeln geschlagen habe, als daß man bei aller Geneigtheit zum Nachgebenund selbst zu Aufopferungen hoffen durfte, auf diesem Wege das Ziel zu erreichen.Man mußte sich also begnügen, nur die allgemeinen Grundlagen einer festen Staa-tcnverbindung gegen das übrige Europa zu legen, für die innern Zwistigkeiten einenfriedlichen Weg der Entscheidung zu bahnen, und im Übrigen nur die Möglichkeitkünftiger engerer Verbindung frei zu halten. So ist der deutsche Bund entüanden(StiftunzSurkunde vom 8. Juni 1815), dessen nächster und einziger wesentlicherZweck nur gegenseitige Garantie der Integrität und Unabhängigkeit gegen Außenund Aufrechthaltung des Friedens in seinem Innern ist und sein konnte, und wel-cher auch in seiner spätern Entfaltung immer mehr auf diese» einzigen Zweckzurückgefübrt worden ist.

Die Verfassung des Bundes ist sehr einfach: 35 monarchische Staatenvon sehr ungleichem Umfange und 4 freie «Städte sind mit vollkommen gleichenRechten in eine Verbindung getreten, welche bloße Föderation, keine Union, einStaatenbund, kein Bundesstaat sein soll. Diese Mitglieder (BundeSstaaren) sind:1) Östreich, 2) Preußen, 3) Baiern, 4) Sachsen , 5) Hanover, 6) Würteni-berg, 7) Baden, 8) Kurhessen, 9) Hessen-Darmstadt, 10) Dänemark wegenHolstein und Lauenburg, 11) Niederlande wegen des GroßherzogthumS Luxem-burg, 12) Mecklenburg-Schwerin, 13) Nassau, 14) Sachsen-Weimar , 15)Sach-sen-Gotha, 16) Sachsen-Koburg, 17) Sachsen-Memingen, 18) Sachsen-Hildburghausen, 19) Braunschweig, 20) Mecklenburg -Strelih, 21) Holstein-Öldenburg, 22) Anhalt-Dessau, 23) Anhalt-Bernburg , 24) Anhalt-Köchen,