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Deutsche Kirche
Neichsstände Hoheit stehenden ErzbiSthümern, BiSthümern und Llbteien (Alan;und Ansehen gab. Ihre Domcapitel boten dein alten Adel, der alle andreBewerberdavon ausschloß, eine Menge ehrenvoller, einträglicher und meist ganz gelchäfkS-loser Pfründen dar, die den Ehrgeiz und Eigennutz diese? Stande? an die katholischeKirche fesselten und ihr feinen Einfluß auf Fürsten u. Volker, wo sie dessen bedurfte,dienstbar machten. Dabei wimmelten die südlichen und westlichen Staate» Deutsch-lands von Klöstern der verschiedenen geistlichen Orden, die, mi Besitze großer Reich-thümer, die Bande der Abhängigkeit des Volks von der K webe durch tausend Mittelzu befestigen wußten. Wo von dem Interesse der deutfcheiiKirchedleRede war, ver-stand man darunter nicht das Gedeihen religiöser Bildung und wahrer Frömmig-keit unter den deutschen Katbolikcn, sondern den Besitzstand der Güter, Einkünfte,Privilegien, Macht- und Ehrenvorzüge der Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte, Prälaten,Capitularen und Ritter, welche sich mit den ihnen untergebenen Weltgeistlichen undMönchen für den Inbegriff der deutschen Kirche hielten, lind diese, aus vielenTausenden bestehende Masse geistlicher Personen bildete ein durch die Rangstufender Hierarchie wohlgegliedertes, stets gerüstetes Heer, das zum strengsten Gehor-sam gegen den Papst eidlich verpflichtet war und Millionen abhängiger Menschenan sein Interesse band. Für die Feststellung diese? Verhältnisse? hatten die Päpsteseit der Entstehung der christlichen Kirche in Deutschland gesorgt. Mit dem Chri-sienthume zugleich empfing sie römische Liturgie und Disciplin und blieb, als Toch-ter der römischen Küche, abhängig von den Rathschlägen und Verordnungen derPäpste, denen die politische Verwirrung Deutschlands im Mittelalter, die streitigenKaiserwahlen und häufige» Händel der Reichsstände mir den Kaisern, bei dem Her-anwachsen der deutschen Bischöfe und Prälaten zu regierenden Landesherren, guteGelegenheit gaben, sich hier mehr als in andern geschlossenen monarchischen Rei-chen einen überwiegenden Einfluß zu verschaffen, ihre Anmaßungen zum Nachtheildes bischöflichen Amtes und der deutschen Kwchenfreiheit in herkömmliche Rechtezu verwandeln, und unter allerlei Verwänden die Abgaben derDeukschen nach Rom zu vermehren. Umsonst stellte die Kirchenversammlung zu Basel (s. d.) diedadurch emgeschlichenen Mißbräuche und Bedrückungen von Seiten des Papstes ab;das durch den listigen Unterhändler, Äneas SplviuS, 1448 abgeschlossene «schaf-fen bürg er oder wiener Eoncordat der deutschen Nation mit dem römischenStuhle sicherte diesem die Erhebung der Annaten, die Bestätigung der Bischöfe undÄbte, die Besetzung der Pfründen in den Papstmonaten und andre ihm vortheil-hasre Reservationen. Und auch über diesen Vertrag griffen die Päpste so oft undso weit hinaus, daß ihrer Curie 1522 hundert Beschwerden über die von ihr ausge-henden oder beförderten Ungerechtigkeiten und Mißbräuche von der deutschen Nationvorgehalten werden mußten. Die Kirchenversammlung ;u Trient hals ihnen in derHauptsache gar nicht ab; vielmehr zogen die Päpste nun unter dem Vorgeben, diedurch die Reformation zerrüttete Kirche wiederherzustellen und größer» Übeln vorzu-beugen, die Zügel ihrer Regierung über das katholische Deutschland immer strafferan, und bedienten sich dazu vorzüglich der Jesuiten , die mit den Betkelmönchen sichin die Universitäten theilten, an den Höfe» als Beichtväter und Rathgeber der Für-sten in Alles mischten und sich des Erziehungswesens bemächtigten. So wurde derAufschwung zu wissenschaftlicher Bildung im südlichen Deutschland , der in den letz-ten Decentsten des 15. Jahrh, und den ersten des 16. so viel versprach, planmäßigniedergedrückt, jeder Zugang des Lichts aus der protestantischen Welt gewaltsamversperrt, neuer Aberglaube mit altem in Umlauf gebracht und durch eine Mengeschlauberechneter Anstalten zur Beförderung desselben dafür gesorgt, die Laien so zublenden und einzuwiegen, daß sie sich zu allen Zwecken der Hierarchie geduldig ge-brauchen ließen. Neben finsterer Bigotterie und selbstzufriedener Unwissenheit wu-cherten in diesem Zustande der deutschen Katholiken die gröbsten Laster und Unsitt-