Band 
Dritter Band. D bis E.
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Deutsche Poesie (III. Zeitraum)

terüberzug, um die Unwahrheit und Leerheit des Gemüths zu verbergen, und dirStelle der Empfindung sollte eine unerträgliche, süßliche Empfindelei vertreten.In diesen verkehrten Richtungen ging auch das große Dichtertalent eines Dan.Kasp. v. Lohensiein (1635— 83) unter. Doch kann man ihm Feuer und Eigen-thümlichkeit in Behandlung s. Muttersprache, trotz Überladung, Schwulst, Anki-thesensucht und Sophistik, nicht abspreche». Hätte es zu s. Zeit in Deutschland eineBühne gegeben, so wäre wahrscheinlich auch sein dramatisches Talent auf einemrichtigern Wege ausgebildet worden. Sein Ronian „Arminius und TbuSnelde",auf patriotische Ideen gebaut, vereinigt die seltenste Kraft und die kräftigsten Aus-artungen eines in fremdem Schein befangenen Zeitalters. >Leine Nachahmer ver-fielen in aufgeblasenen Schwulst und klägliche Empfindelei, z. B. Heinrich Anselmv. Ziealer(1663— 97), Vers. der „Asiatischen Danise", Barthold Feind u. A.Das Vorzüglichste, was in diesem Zeiträume die Poesie hervorbrachte, waren nochdie geistlichen Lieder, welche wir mehren der oben angeführten Dichter verdanken.Diese Gestalt oder Ungestalt der Poesie dauerte bis gegen die Mitte des 18. Jahrh.Einige, wie Wernike, bekämpften sie durch Witz. Wir sehen nun eine wässerige undplatte Gelegenheitspoesie auftreten, und es ist nur aus der einseitigen Richtung,welche die Verstandesbildung der Deutschen in diesem Zeitraume nahm, zu erklä-ren, wie man an einem Freih. v. Canih (1651 — 99), Neukirch, Besser w. Ge-schmack finden konnte. Nur der geniale Günther ging nicht in der Leerheit seinesZeitalters unter. Bald jedoch zeigte sich das Unbefriedigende der bisherigen Poesiedurch eine» mit großer Heftigkeit lange hindurch geführten Streit zwischen Got>sched, welcher nebst seinem zahlreichen Anhange den durch franz. Poesie verwässer-ten Geschmack und die Tugend der Eorrectheit empfahl, und den Schweizern Bod-mer und Breitinger, welche vorzüglich auf die Muster des Alterthums und auchschon auf die Engländer hinwiesen. Viel trug zum Siege der Schweizer bei, daßwährend ihres Kampfes einer ihrer LandSleuke, Albrecht v. Haller, mit s.kraftvollen und gedankenreichen Gedichten auftrat. An Gottsched'S «chule knüpftesich dagegen der leipziger Verein jüngerer Dichter und Schriftsteller, von deneneinige als Vorläufer des goldenen Zeitalters der deutschen Poesie zu nennen sind,wie z. B. I. A. Cramer st. 1788), Ehr. Fürchkeg. Geliert (st. 1769),G. W. Rabener (st. 1770), denen sich auch F. W. Gleini (st. 1803), Ehr.

F. »..Kleist (st. 1759), I. P. Uz (st. 1796),.F.W. Zachariä (st. >777)verbanden. Ferner zeichneten sich Friedrich v. Hagedorn (st. 1751) undSalomo Geßner (st. 1788) als glückliche Beförderer des Wohlklangs und derLeichtigkeit des poetischen StylS rühmlich aus, und Ehr. M. Wieland leistetedas Unglaubliche in der graziösen und witzig.» Verfeinerung der leichten, demfranzösischen Geschmacke zusagenden Gattungen der deutschen Dichtkunst. Ammeisten wirkte F. G. Klopstock , der Schöpfer einer neuen Dichkersprache undder Begründer der dem griech. und römischen Alterthume nachgebildeten Prosodie(Hexameter und höhere Ddenversmaße , und in seinen Dichtungen an Schwung,Tiefe und Erhabenheit Alles weit hinter sich lassend, was Deutschland bisher an-gestaunt hatte. Neben ihm wirkte als erster echt deutscher Kritiker fast in allenFächern der Kunst und Wissenschaft, besonders mächtig aber auf das Theater,

G. E. Lessing . Um diese Zeit wirkte auch die erste Verpflanzung >Lhak-speare's ausdeutschen Grund und Boden anregend und bestimmend auf die größ-ten deutschen Geister, und der götlinger Dichtervercin, Bürger, Hölty, Voß,die Stolbcrg, kräftigten ihre lyrische Muse an ältern deutschen und engli-schen Volksliedern. Überhaupt dehnte der deutsche Geist, genährt von dem Besten,was die alte und neue Welt in Kunst und Wflfenschafi geleistet, sich nach allenRichtungen fruchtbar aus, ohne doch dadurch seinen nationalen Mittelpunkt zu ver-lieren, nicht unähnlich seinem in dem Herzen Europas gelegenen Vaterlande. Keine