Band 
Dritter Band. D bis E.
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Dtutschr Poesie (Ul. Zeitraum)

(1476), kein Lrzeugnlß der Meistersingerschulen. Im 14. und 15. Jahrh, wardas Singen und Musiciren dem deutschen Volke Bedürfniß geworden. Dies er-zeugte eine in allen Classen verbreitete Volkspoesie, welche auch den gelsilosenhandwerksmäßigen Meistergesang gewissermaßen verdrängte. Im 17. Jahrh,schadete ihnen die wachsende Gelehrsamkeit und der Ruin des Wohlstandes. Indiesem Zeiträume (15. und 16. Jahrh.) sangen auch die epischen Gedichte an, alle-gorisch und historisch Zu werden, z. B. Melchior Pfinzing's „Teuerdank ", welcherMaximilian l. zum Helden hat, und die Form der Prosa anzunehmen, wodurchder jetzt sogenannte Roman vorbereitet wurde; au« den größern romantischen Ge-dichten halten sich früher schon kleinere, als Romanzen und Balladen, abgesondert.Aus den erster» entstanden die deutschen Volksbücher: „Die Melusine", „Maga-lone" und viele andre, welch« bis auf unsre Zeiten das Volk ergötzt haben; unterihnen sind einige Originale, wie der berühmte „Till Eulenspiegel ".

III. Groß wie ein Heros steht der kräftige Luther in dem dritten Zeit-raume als religiöser Sänger da, „dessen Worte Schlachten sind". Eine neue Zeitbegann, als die romantische verschwand, und mit ihr die neuere Poesie, an derenSpitze ein achtungsweriher Deutscher, Martin Opih von Boberfeld (geb. zuBunzlau 1579, starb 1639) mit der sogenannten schlesischen Dichterschule steht.Sein kräftiger Vorläufer war Rudolf Weckherlin (158t —1651). Das Na-tionalepos der Deutschen war vergessen, seit das öffentliche und das bürgerliche Le-ben sich im entschiedensten Gegensatze der alten Rilterzeir entwickelte; sonach warder Dichter auf lyrische Darstellung fast beschränkt, und die Gelehrten deuteten hinauf die Muster des Alterthums. Die Deutschen fingen nun an, nach classischenMustern oder solchen, die man dafür hielt, namentlich nach Franzosen und Hol-ländern, zu dichten, bis diese Nachahmung auf die Nachahmung der Nachahmerhera'asank, und die Gallomanie die deutsche Poesie in der ersten Hälfte des 18.Jahrh, in ihrer tiefsten Erniedrigung zeigt. In diesem Zeitabschnitte finden wirviele Deutsche, welche in lateinischer Sprache dichteten, wie ein Jak. Balte (1603

— 62), und auch mehre ausgezeichnete deutsche Dichter, wie Flemming, Dachu. m. A„ haben auch lateinische Verse hinterlassen. Opitz ist durch die Einführungder Sylbenmessung statt der Sylbenzählung und durch die Begründung eines eignenpoetischen Ltyls der Vater der neuern deutschen Dichtkunst geworden; sein poeti-sches Talent war reich genug, um durch das Eigenthümliche desselben die deutschePoesie zu beleben und zu bereichern. Seine lyrischen Gedichte sind das Trefflichste.Zu seinen geistreichen Nachfolgern, worunter viele religiöse Liederdichter bekanntsind, gehören Paul Flemming (1606 — 40), Sim. Dach 1605 — 59), A.Tscherning (1611 — 59), Paul Gerhard (1606 — 76), F. v. Logau (1604

— 55), A. Gryphius (1616 — 46). Johann Rist (1607 -.67-, GeorgPhil. Harsdörfer und Ioh. Klai, die Allster des Blumenordens. Überhaupt fal-len in diese Zeit eine Menge poetischer Gesellschaften, z. B. die fruchtbringende,welche 1616 vom Fürsten Ludwig von Anhalt gestiftet wurde, der Blumenordender Pegnitzschäfer, welcher 16>4 zu Nürnberg gestiftet wurde und noch jetzt demNamen nach vorhanden ist, u. A., deren Dasein das gemeinschaftliche Strebennach einem festen Mittelpunkte in der Poesie und Sprache bewährt. Doch artetenviele in kleinliche Correctheit und Ziererei aus. Mit der politischen BedeutungDeutschlands, seit dem dreißigjähr. Kampfe durch Frankreichs Übergewicht, sankauch die deutsche Poesie wieder herab, die man durch gezierte Nachahmung der Aus-länder auszubilden strebte; dies geschah vorzüglich durch Chr. Hoffmann von Hoff-mannswaldau (1618—79), einen witzigen, aber gemüthlosen Dichter, derden Geschmack des Marino und Ähnlicher einzuführen suchte. Er ward von seinenZeitgenossen angestaunt. Aber jetzt war die Dichtung schon zu einem losen Schmucke,zu einer lügenhaften Maske herabgesunken, sie bestand in einem schwülstigen Bil-