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Deutsche Poesie (HI. Zeitraum)
berichten. Ernst Schulze '» „Bezauberte Rose" und „Cäcilia", sowie FouquHs„Corona ", gehören nicht mehr der neuesten Zeit an, und doch dürfen und müssenwir hier an l>e erinnern, da seil ihnen Richt?, wa? mir ihnen um keil Preis wett-eifern könnte, in dieser Gattung erschienen ist. Daß das sogen. Homer 'sche Epos,das in der Sage, also in deni innersten Seelenleben des Volks, seine Wurzel hat,in unserer historisch abgeklärten Zeit nicht mehr gedeihen könne, sieht man, scheintes, nachgerade ein; daß aber jene Versuche im romantischen Epos so wenig Nach-eiferet' gefunden, dürfte bei der herrschenden Vorneigung zum Lyrischen auffallen,wenn nicht die Schwierigkeit der Gattung und ein gewisser Starrsinn deü größernLesepublicumS gegen metrische Dichterwerke von einiger Länge, vielleicht auch dieScheu der Dichter selbst vor Werken, an deren Vollendung Zahre zu setzen wären,die Erscheinung hinlänglich erklärten. — Und hier gedenken wir sogleich, da eSuns nicht um ein kunstgerechtes poetisches Fachwerk zu thun sein kann, der Ro-manze, deren innerstes Wesen, seitdem ihre Klänge aus spanischem Boden verhalltsind, von keinem Volke so tief und wahr ergriffen worden ist als von dem unsrigen,und wenn wir hier abermals, und zwar vor Allen, Uhland nennen, so geschieht es,weil wir ihn gerade zu dieser Gattung vor allen andern deutschen Dichtern berufenglauben. — Gern schwiegen wir von einer Gattung, die lange und mit Recht zuden begünstigtsien gehört hat, jetzt aber, mit unverdienter Vernachlässigung, nurvon wenigen unserer bessern Dichter, meist von solchen, die ihr von jeher ihre Kräftezugewendet haben, bearbeitet wird. Wir meinen den Roman. Was von Schil-ling, Fr. Lau», Fr. Jakobs, Clauren und van der Velde, von Hoffmann undFouqu,! in dieser Gattung gespendet worden, hat immer dankbare Leser gesunden;dennoch schemt es, als ob seit Kurzem die Novelle oder novellenartige Erzählungdie besten Kräfte für sich dahin nehmen wolle, sodaß selbst Göthe in seinen viel-fach besprochenen „Wanderjahren", recht als wäre es ihm darum zu thun, dieseEigenheit der Zeit zu parodiren, öfters den Gang des Romans unterbricht, um anschicklicher stelle eine anmuihige Erzählung der Art einzuschalten. Was auch dienächste Ursache davon sein möge, ob mehr die engen Grenzen, welche die räum-liche Beschränkung unserer Almanache dem erzählenden Dichter vorschreibt, oderdie größere Leichtigkeit und Behendigkeit des pecuniairen Gewinns, oder aber jeneechte Vorliebe, die, bei vorhandenem Talmre, Beruf heißt: so viel ist gewiß, daßwir uns dieser veränderten Richtung höchlich zu erfreuen hätten, wenn jedes Jahrnur eine Erzählung uns brächte wie Tieck'S neueste Novellen: „Die Gemälde"bis zum „Dichterleben" (in der „Urania " 1826). Indeß mag das schon Freudegewähren, was in dieser Gattung von v. Löben, H. v. Chezy, v. Arnim, F. Horn ,Fr. Kind, Wilib. Alepis u. A. Ehrenwerthes, zum Theil Meisterliches, gebotenworden ist. Auch steht zu hoffen, daß eine gewisse weiche Verschwommenheitund Breite, die hier und da in dieser Art Darstellungen noch wahrzunehmen ge-wesen, bei fortgesetztem «tudium der kräftigen, gestaltreichen, von Lindau undeinigen Andern mit Glück übertragenen W. Scott'schen Romane, allmälig ver-schwinden werde.
Unter allen Dichtarten ist keine in der letzten Zeit so eifrig bearbeitet wordenals die dramatische, namentlich die Tragödie und das ernstere Schauspiel, undfast scheint es, als ob kein junger Dichter auf solchen Namen Anspruch machen zukönnen glaube, wenn er nicht ein oder ein Paar Trauerspiele über die Breter gesen-det habe. Mag die Erkenntniß der hohen poetischen Bedeutung dieser Gattung,ja mag die Zeit selbst, die mit mehr Glück als die meisten ihrer Dichter den tra-gischen Dolch geschwungen, ihren Theil daran haben: Das läßt sich dennoch nichtverkennen, daß mancheckinreine Triebfeder auch mit untergelaufen, von der unserefrühern dramatischen Dichter, denen es um die Kunst ein heiliger Ernst war,Nichts wußten. Die theatralische Darstellung des eignen Werkes hat, auch bei