Band 
Dritter Band. D bis E.
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Deutsche Schauspieler

fast so viel als Kleider wechseln heißt. Das größere Publicum nämlich, welches imSchauspiele eigentlich nur Mannigfaltiges sehen und hören will, und von den Cha-rakteren nur die gröbernZüge auffaßt, die zur Handlung unentbehrlich sind, findetseine Einbildungskraft durch die der Wirklichkeit fast gleichkommenden Prospekteund durch das Charakteristische oder Glänzende des Costums schon so sehr in An-spruch genommen und beschäftigt, daß nur eine leidliche Körperhaltung und Bewe-gung und etwas Declamakion für die schönen Bilder und Sentenzen des Dichters,die ja doch nicht so selten ist, erfoderr wird, um die Menge glauben zu machen, manhabe einen Charakter dargestellt. In der That, seit die Kunst der Decorateursund Garderobiers bis zur höchsten Täuschung gestiegen ist, hat sich die Kunst desSchauspielers immer mehr verloren. Der Beweis würde sich durch den Augen-schein liefern lassen, wenn man den Versuch machen wollte, einige Schauspieleohne Costume und Dekorationen aufzuführen. Im Trauerspiel würde man finden,daß die meisten Schauspieler nur Declamatoren mit Costume sind. Im Conver-sationsstück, wo zwar das Costume die Täuschung weniger begünstigt, zeigt sichdaher gewöhnlich um so deutlicher die Schwäche und Unfähigkeit, einen Charakternach des Dichters Anleitung zu erschaffen und an eigner Person fortschreitend zugestalten. Das Lustspiel ist gegenwärtig nur Conversationsstück, und wo es Bur-leske wird, da sehen wir bei unsern Schauspielern den Anzug ebenfalls das Meistethun. Da nun das Meist?Heutzutage auf eine grobe Nachahmung des Gegebenengestellt ist, so kommt es hpWtsächlich g^ch darauf an, was ein Individuum erlebtund was es zu erfahren Gelegenheit gehabt hat. In dieser Hinsicht würde dasWandern der Schauspieler, abgesehen davon, daß es dem Familiairwerden desSchauspielers mit dem Publicum und der Gewöhnung des letztem an sonst schwerzu ertragende Angewohnheiten des erster« entgegenwirken würde, von Vortheil sein,wenn nur nicht das Nomadisiren andrerseits der humanen Bildung nachteilig wäre.Ein gutes Auskunftsmittel bietet das Gastrollenspielen in der neuern Zeit dar; dieseverhindern, daß die stehenden Bühnen nicht gar zu sehr die Eigenschaft stehenderWasser annehmen, und durch wohlthätige Pensionsanstalten endlich zu theatrali-schen Invalidenhäusern werden. Aus der Masse routinirter und unroutinirterNachahmer hebt sich nun die geringe Anzahl derer um so glänzender hervor, welcheden innern Drang fühlten, die von der Poesie geschaffenen Charaktere äußerlich zuvergegenwärtigen, und die ihnen von der Natur verliehenen Mittel mit poetischemGeiste ausbildeten. Zu diesen hervorragenden Künstlern der deutschen Bühne ge-hören unter den jetzt lebenden anerkanntermaßen: die verw. Wolffsin Berlin ), De-vrient, Eßlair und Soph. Schröder; von denen die erster« den letzter« an Bildungund Studium ebenso sehr überlegen sind, als diese jenen an Reichthum der Na-turmittel. Die Wolfs (geb. Malcolmi) hat sich, wie ihr verst. Mann, in Göthe'S Schule vornehmlich für die feinere Charakteristik, für die gemessene ideale Dar-stellung, welche sich dem Antiken nähert, gebildet; von diesem Standpunkte aushat sich ihr Talent unter veränderten Umgebungen mit großer Freiheit entwickelt.Ihre plastische Kunst und ihre vollendeteDeclamation der rhythmischen Poesie kannals Muster dienen, und die höchst seltene Vereinigung des mimischen und declama-tor. Elements würde noch weit mehr anerkannt sein, wenn nicht die Natur zu man-cher Anstrengung die Kraft versagte, und das Publicum von dem Schauspieler dieVielseitigkeit eines Tausendkünstlers verlangte. In stark gezeichneten heroischen Cha-rakteren feiert die geniale Kraft Eßlair's und der Schröder ihren Triumph. IhrePhantasie ist wirksam, besonders wo es gilt, große mimische Effecte hervorzubringenund kolossale Bildungen der Phantasie den Sinnen zu vergegenwärtigen; aber ihrStreben geht mehr auf großeMomente als auf einGanzes.Zwischen den genanntenKünstlern steht mitten inneDevrient, durch seine mimischeErfindung und durchausgehaltene Charakteristik ausgezeichneter bürgerl. Charaktere und komischer Ideale