Band 
Dritter Band. D bis E.
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Dietrichsteine

behielt Hollenburg. Adam nannte sich in der Folge v. Nikolsburg , einer mäh-rischen Herrschaft, die er 1575 erworben hatte. Dieser berühmte Staatsmannhatte an mehren wichtigen Verhandlungen Theil, z. B. bei dem passauer Vertrage1552 und bei dem Religionsfrieden zu Augsburg 1555 ; auch befand er sich 2 Malals Botschafter des Kaisers Maximilian am Hofe Philipps II., und sein Berichtüber das unglückliche Ende des Jnfanten Carlos (am 24. Juli 1568) ist viel-leicht das Zuverlässigste und Freimüthigste, was man über jene Begebenheit kennt.Seine frühere Sendung 1561 nach Rom an Pius IV. , dem der duldsame Maxi-milian ll. vorschlug: „zurVerhütung blutiger Meinungskriege solle die Kirche inden dstr. Landen auch den Laien den Genuß des Abendmahl« in beiden Gestalten zu»gestehen und den Cölibat auf die Art aufheben, wie er schon seit Jahrhunderten inder griechischen Kirche nicht mehr bestehe", war bei der Beharrlichkeit des römischenHoseS erfolglos. Derselbe Adam Dietrichstein bewirkte die Wahl des ErzherzogsMaximilian zum König von Polen. Auf seinem Schlöffe zu Nikolsburg widmeteer seine Muße den Wissenschaften, schriebüber die Erblichkeit der ungarischen Krone,und führte mit s. Freunde Hugo Blotius , dem ersten Vorsteher der kaiserl. Hof-bibliotkek, einen vertrauten Briefwechsel über die interessantesten Gegenstände desAlterthums und der damaligen Zeitgeschichte. Adam starb 1590; auch er ruht ineinem Grabe mir Maximilian ll. Sein Sohn, der Cardinal Franz, Bischof zuOlniütz und Statthalter in Mähren, geb. zu Madrid den 22. Aug. 1570, verdientals Gründer der Größe seines Hauses besondere Erwähnung. Er war nach demgelehrten StanislauS Pawlowsky Gesandter in Rom , dann Botschafter an mehrenHöfen, endlich Präsident des kaiserl. Staatsraths. Als sämmtliche Erzherzoge denblödsinnigen Kaiser Rudolf genöthigt hatten, Ungarn und Ostreich an Matthiasabzutreten, krönte der Cardinal v. Dietrichstein diesen Fürsten als König von Un-garn . Er verweigerte standhaft die Ausdehnung des Majestätsbriefsund der Tole-ranz auf Mähren , schlug durch eigne Kraft den ungarischen Rebellen Docskay ausMähren hinaus, wurde späterhin von den mährischen Insurgenten geächtet, undentzog sich ihrer Verfolgung in einem unterirdischen Gemache seines Schlosses Ni-kolsburg . Als nach Tilly'S und Wallenstein's Siege auf dem weißen Berge (1620)Böhmen dem Kaiser Ferdinand II. wieder unterworfen war, rettete des CardinalsFürbitte allen Aufrührern, mit Ausnahme der beiden Anstifter, Teuffenbach unhBitowa, das Leben. Hierauf reformirte er mit vieler Schonung den Protestantis-mus in Mähren und führte zur Befestigung seines Werks, statt der verhaßten Je-suiten , den Piaristenorden ein. 1621 schloß er den Frieden mit dem sicbenbürgi-schen Fürsten Bethlen Gabor. Rudolf I I. hatte bereits 1587 das Haus Dietrich-stein in den Grafcnstand erhoben. Ferdinand II. gab demselben, durch des Cardi-nals Verdienste dazu bewogen, 1631 die Fürstenwürde. Der Cardinal starb zuBrünn den 19.»Lept. 1636. 1653 erhielt das Hauü Dietrichstein Sitz und Stim-me im Reichsfürsienrathe auf dem Reichstage, und wurde zur Behauptung dersel-ben 1684 vom Kaiser mit der tirolischen, im Engadin liegenden Herrschaft Traspbelehnt; als diese aber 1803 an Helvetien überlassen ward, erhielt der Fürst zurEntschädigung die Standesherrschaft Neu-Ravensburg (Schloß und Dorf an derArgen, seit 1806 unter würtemb. Landeshoheit, mit 900 Einw. und 8000 Gldn.Eink.). Die Fürsten v. Dietrichstein , welche fortwährend die höchsten Würden inÖstreich, am Hofe und in der Armee bekleidet haben, besitzen große Majorat-herrschaften in Mähren und Böhmen, unter denen sich Nikolsburg auszeichnet.Zu dieser Herrschaft (im mährischen Kreise Brünn) gehören die Stadt Nikolsburg mit einem prächtigen Schlosse und 7630 Einw., worunter 3000 Juden, ferner4 Mktfl. und 8 Dörfer. Nur der Erstgeborene führt, immer in absteigender Linie,die fürstliche Würde. Die Reichsgrafen v. Dietrichstein besitzen ansehnliche Güterin Östreich, Sleiermark und Jllyrien. Der jetzt lebende Fürst, Franz v. Diet-