Band 
Dritter Band. D bis E.
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Dogmatik (kath.) Dogmatismus

Dogmatik, die katholische, ist in neuern Zeiten vorzüglich bearbeitet wor-den von Neubauer, Stattler, Zimmer, Gallura, Schwarzhüber, Schwarz, Klüpfel,Frint, Brenner, Herme? u. A, Die kathol. Bearbeitungen unterscheiden sich sehr zuihrem Vortheil von den protestantischen. Der protest. Dogmatiker hat die unlös-bare Aufgabe, das System seiner Kirche nach deren symbolischen Büchern darzu-stellen und doch zugleich die ibm, dem Verfasser, wie jedem Protestanten zustehendeFreiheit der Forschung anzuwenden. Aus den Versuchen, diese Aufgabe zu lösen,sind grosie Widersprüche, gesuchte Wendungen u. s. w. entstanden, und man kannnicht umbin, die Kunst zu bewundern, mit der die protest. Dogmatiker auf einein sodornigen Felde sich bewegt haben. Der kathol. Dogmatiker hat in der die Schrifterklärenden Tradition und in den Concilien seiner Kirche eine feste Grundlage, aufder er, ohne im onseguenk zu werden, fortbauen kann. V. e. K.

Dogmatismus, auch D o g m a t i c i S m u S, dogmatische Methode, heißt1) das streng wissenschaftliche Lehrverfahren überhaupt, namentlich dasjenige, beiwelchem man, wie in der Mathematik geschieht, wo die Grundsitze erwiesene Wahr-heiten sind, von Grundsätzen ausgeht, und aus diesen durch Beweise die Lehrsätze ab-leitet, mithin von dem Allgemeinen zu dem Besondern fortschreitet. Dieses pro-gressive oder synthetische Verfahren ist nur da möglich und anwendbar, wo man derGrundsätze schon gewiß sein kann (daher auch mathematische Methode), oder sie aufgesetzmäßigem Wege aufgefunden hat, um dasGewonnene oder in ihnen Enthaltenedurch Unterordnung zu entwickeln, und es gewahrt dem Streben nach Einheit undGewißheit der Erkenntnisse die größte Befriedigung. Inwiefern nun philosophischeGrundsätze dieselbe Gewißheit, wie die mathematischen, nicht haben, und man siedennoch ohne Prüfung und Erweis als Grundsätze ausdrücklich und stillschweigendvoraussetzt, um aus ihnen alle philosophische Wahrheiten in folgerechter Drdnungabzuleiten, insofern heißt 2) Dogmatismus oder dogmatische Methode in der Philo-sophie, der Form nach, diejenige, welche Etwas als gewiß hinstellt oder voraussetzt(behauptet), worauf sie ihr ganzes System baut; besonders insofern diese Voraus-setzung willkürlich und ohne vorhergegangene Prüfung angenommen ist, oder, derMaterie nach, diejenige Ansicht, welche dieMöglichkeit einer systematischen Erkennt-niß des Wesens der Dinge (die objectiveRealität unserer Erkenntniß und dasDaseinobjectiver Kriterien der Wahrheit) behauptet. Der Dogmatiker, d. i. der, welcherjeneMethode in derPkilosoph'e befolgt, glaubtmithin, daßes philosophische Sätzegebe, denen an sich objective Gültigkeit zukomme (s. Dogma), und aus welchenman durch Unterordnung und folgerechte Ableitung eine Einsicht in das Wissen allerDinge entwickeln könne. Hierdurch bekommt der Ausdruck Dogmatiker unddogmatisch noch eine doppelte Nebenbedeutung, sodaß man unter jenem einenLehrer versteht, der theils gewisse Grundlehrcn als untrüglich und apodiktisch gewiß(daher auch mit Anmaßung) behauptet, und unter dem Dogmatischen Das, wasmit apodiktischer Gewißheit oder als untrüglich behauptet wird, theils DogmatikerDen nennt, der zu den Definitionen, Einkheilungen und Beweisen, als den Formendes Verstandes, und mithin zu der Folgerichtigkeit der Systeme ein unbegrenztes undübermäßiges Vertrauen hegt, als könne schon durch ihre richtige Anwendung, in Be-ziehung auf das vorausgesetzte allgemeine Princip, eine lebendige Einsicht in die Na-tur der Dinge erworben werden; und dogmatisch, was ein solches System betrifft.Dem Dogmatismus in der Philosophie im engern Sinne, welcher aus willkürlichenund ungeprüften Grundsätzen eine Ansicht über das Wesen der Dinge systematischzu entwickeln sucht, und dasselbe« prima z» erkennen glaubt, ist entgegengesetzt theilsder Skepticismus (s. d.), welcher die objective Gewißheit menschlicher Erkennt-niß sammt dem Besitz objectiver Unterscheidungszeichen, der Wahrheit überhaupt,mithin auch die Realität der philosophischenSysteme leugnet oder bezweifelt, theilsder Krit icismuS (oder die kritische Methode), welcher von einer Prüfung des Er-