Duval (Alexandre) 411
getrieben, hungernd, bald auch von den Blattern befallen, irrte er in dem schreck:liehen Winter 1709 auf offenem Felde umher; doch die Vorsehung führte ihn ineine Einsiedelei, wo ihn Palemon, der gute Eremit, aufnahm; er theilte seine Le-bensweise, seine (Geschäfte mit ihm und kernte von ihm lesen. Hier ward D. fromm,ohne abergläubisch zu fein. Dann vertauschte er diesen Ruheplatz mit dem zu St.-Anne bei Luneville . Vier unwissende Eremiten und 6 ihm zur Hut übergebeneKühe waren s. (Gesellschaft, einige Bände von der „Blauen Bibliothek" s. Bildungs-Mittel; es gelang ihm endlich, allein schreiben zu lernen. Ein Abriß der Arithmetik,der in s. Hände fiel, zog f. Geist sehr an. In der Stille eines Waldes erhielt er dieersten Ideen von Astronomie und Geographie; einige Charten, ein Stück Rohr alsTubus, auf einer Eiche befestigt, war das ganze Lehrgerüth des wißbegierigen Kna-ben. Um sich Geld zum Unterrichte zu verschaffen, machte er Jagd auf die Thieredes Waldes; der Verkauf s. Beute verschaffte ihm nach einigen Monaten ein klei-nes Vermögen von 40 Thalern. Dann fand er ein goldenes gestochenes Petschaft,und ließ es durch den Prediger bekanntmachen. Ein Engländer, Namens Förster,meldete sich als Eigenthümer, doch erhielt er es nur unter der Bedingung zurück,daß er dem Finder das Wappen genau erklärte.' Erstaunt belohnte ihn Förster soreichlich, daß s. nach und nach aus s. Iagdfonds angeschaffte Bibliothek bis auf 200Bände sich vermehrte, dagegen er auf sein Äußeres auch nicht das Mindeste ver-wendete. Während f. Studien bekümmerte sich D. freilich nicht viel um s. Heerde,und die Eremiten wurden darüber unwillig. Ja einer derselben drohte ihm sogarmit dem Verbrennen s. Bücher. Das empörte D.'s Gemüth. Er ergriff eine Feuer-schaufel, trieb damit den Bruder aus s. eignen Wohnung und schloß sich in dieselbeein. Die andern Brüder und der Superior kamen, aber D. öffnete nicht eher dieThür, als bis sie mit ihm eine förmliche Capitulation gerichtlich abgeschlossen hat-ten, worin s. Herren ihm völliges Vergessen alles Vorgefallenen geloben, und täglich2 Stunden zum Studiren zugestehen mußten, dagegen er ihnen für Kleidung undKost noch 10 Jahre zu dienen versprach. Nun war D. gesichert; eifriger als je setzteer s. Selbstunterricht in dem Schatten des Waldes fort, wo s. Kühe weideten. Soumgeben von f. Landcharten fanden ihn einst die jungen Prinzen von Lothringen .Man machte ihm aus der Stelle den Vorschlag, s. Studien bei den Jesuiten zuPont-ä-Mousson fortzusetzen; aber er nahm das Erbieten nur unter der Bedin-gung an, daß s. Freiheit dadurch nicht beschränkt würde. Er machte bald so reißendeFortschritte,daß der Herzog Leopold17I8ihnmitsichnachParisnahm, um den Ein-druck zu beobachten, den diese neue Welt auf ihn machen würde. Doch D. äußertemit vieler Freimüthigkeit, daß alle Pracht der Hauptstadt und ihre Opern weit hin-ter der Majestät des Auf- und Untergangs der Sonne zurückblieben. Nach s.Rückkehr ernannte ihn Leopold zu s. Bibliothekar und zum Professor der Geschichteauf der Akademie zu Luneville . Diese Stelle, und der Unterricht, den er den dortstudirenden jungen Engländern, unter welchen sich auch der berühmte Lord Chatainbefand, ertheilte, verschafften ihm die Mittel, s. alte Einsiedelei von St.-Anne neuausbauen zu lassen. Als Lothringen an Frankreich abgetreten worden war, ging ermit der ihm anvertrauten Bibliothek nach Florenz, wo er 10 I. lang wohnte. Kai-ser Franz rief ihn nach Wien , um eine Medaillensammlung zu ordnen. Hier starber 1775. Bei aller Gelehrsamkeit war D. äußerst bescheiden. Bekannt sind s.„Oeu,ie,-i. 1 » ececkücs cle niem. 6»r ü:> vie" (Petersb. und Strasb. 1784, 2Bde.,4.). Sein Leben beschrieb A. B. Kaiser (Nürnberg 1788, 2. Auäg.).
Duval (Alexandre), Mitglied der äe.-xlämie lr,. einer der beliebtestentheatralischen Dichter unserer Zeit, geb. den 6. April I767 in RenneS , widmete sichdem Seedienst und machte unter dem Admiral Grosse den amerikanischen Krieg mit.Dann ward er als Secretair bei derDeputation der Stände von Bretagne , die sichin Paris befand, angestellt. Verhältnisse bewogen ihn, s. Abschied zu nehmen, und