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Eis (künstliches)
nachher oben schwimme; kenn der Grund des Gefrieren-? liegt immer in dem Käl-kerwerden der äußern Lust. Eine allgemein bekannte Erscheinung ist es, daß still-stehende Gewässer eher gefrieren als fließende. Doch scheint eine vollkommene Ruhedem Gefrieren auch nicht günstig zu sein; denn man hat die Erfahrung, daß ganzruhig stehendes Wasser noch nicht gefror, als feine Erkältung bereits tief unter demEispunkte war; eine kleine Erschütterung war hinreichend, das Wasser sogleich inEis zu verwandeln. Meerwasser und überhaupt alles Salzwasser gefriert schwe-rer, weil das Salz und andre Beimischungen den Wärmcstoff länger an sich halten.Auch sondert sich beim Gefrieren das Salz ab und sinkt zu Boden, sodaß das Eis ausMeerwasser ein reines, trinkbares Wasser liefert. Dennoch bringen die -Lalze ansich eine größere Kälte hervor, und durch Hülfe derselben kann man dem Wassereinen Grad von Kälte geben, der den des Eispunkts übersteigt, und wobei dasWasser dennoch flüssig bleibt. Hierzu sind die meisten Salze, insonderheit aberSalpeter, Salmiak rind Küchensalz geschickt; durch sie kann man im Sommer,oder über einem Feuer, eine Kälte hervorbringen, durch welche das Wasser gefriert,und man erhält künstliches Eis, wenn man reines Wasser in schicklichen Gefäßensolchen erkältenden Mischungen ausseht. Heftigere Kälte gibt dein Eise größereHärte und Festigkeit, und man kann das Eis der Polarländer kaum mit dem Ham-mer zerschlagen. Im strengen Winter 17-10 baute man zu Petersburg aus demEise der Newa ei» HauS, welches 52; Fuß lang, 101 Fuß breit und 20 Fuß hochwar, ohne daß durch die Last des Daches, welches gleichfalls aus Eis bestand, dasUnterste des Gebäudes im mindest«» wäre verletzt worden. Die Eisstücken wurdennach Erfodermß ausgehauen, verziert und nach den Regeln der Baukunst aneman-dergesetzt. Vor dem Hause standen 6 Kanonen von Eis, die auf der Drehbank ge-macht waren, mit ihren Lavetten und Rädern, ebenfalls von Eis, und 2 Mörser,die ebenso, wie die gegossenen, gearbeitet waren. Die Kanonen hatten die Größeder Sechspfünder, welche gewöhnlich mit 3 Pfund Pulver geladen werden; nianlud sie aber nur mir 1 Pfund und brachte eine Kugel von gestopftem Hans, bis-weilen auch eine eiserne hinein. Die Kugel durchbohrte, in einer Entfernung von00 Schritten, ein Bret von 2 Zoll Dicke. Das Eis der Kanonen konnte nicht vielüber 3 — 4 Zoll dick sein, und dennoch widerstand es der Gewalt der Explosion.S. Mairan's „Abhandl. v. d. Eise" (a. d. Franz., 1752).
E i S (künstliches). Schon die Griechen und Römer bedienten sich verschie-dener Mittel, Schnee und Eis zu erhalten, um ihre Getränke abzukühlen; dochhallen sie es in dieser Kunst nicht dahin gebracht, wohin man in unsern Tagen ge-langt ist. Jetzt kennt man die Mittel, künstliche Kalte hervorzubringen, besser.Gründe der Physik lehren, was die Erfahrung bestätigt, daß bei der Vcrdünstungirgend einer Flüssigkeit Kälte entsteht. Mit Vitrioläther, und noch besser mit Sal-peterather, kann man auf diese Weise mitten im Sommer und bei den heißestenTagen künstliches Eis hervorbringen. Auf der Ausdünstung beruht auch das inOstindien, zu Ealcukta und a. O. übliche Verfahren, Eis zu machen. In denEbenen dortiger Gegenden kennt man Schnee und Frost gar nicht; um aber bei derHitze des sommers ein Kühlungsmittel zu haben, holt man im Winter Schneeund Eis von hohen Bergen und wirst davon etwas in kleine irdene, unglasurtePfannen, die beiSonnenuntergang mit Wasser gefüllt werde». Die Pfannen stelltman in 2 Fuß riefe, mit trockenem Stroh bestreute Gruben, und läßt sodannder Ausdünstung ihren Lauf. Bei Heller Witterung wird durch diese Ausdünstungdem zurückgebliebenen Wasser so viel Wärmestoff entzogen, daß dasselbe mit Hülsedes darin schwimmenden Schnees völlig zu Eis wird, welches sodann vor Sonnen-aufgang in tiefe Gruben gebracht und für den Sommer aufbewahrt wird. Um dieMitte des 10. Jahrh, kam in Italien die Gewohnheit auf, das Getränk durch Sal-peter abzukühlen. Späterhin kam man auf den Gedanken, die Kälte des Schnees