Elemente 483
tes Metall. Außer diesen entdeckt die Chemie von Zeit zu Zeit noch neue einfacheStoffe, die zu den Metallen gehören.
Eine neuere Schule sagt über die Elemente Folgendes. Die meisten Che-miker unserer Zeit halten die Einfachheit, d. h. Unzerlegbarkeit eines Stoffs fürden wesentlichen Begriff eines Elements, und weil sie bei ihren Versuchen nach undnach eine Menge (über fünfzig) solcher einfachen, t. h. durch ihre Kunst bisher un-zerlegbaren Stoffe oder Materien vorfanden, so glaubten sie sich berechtigt, die Al-len eines Irrthums zu zeihen, wenn sie nur vier Elemente annahmen und darausdie Welt mit ihrer ganzen Mannigfaltigkeit hervorgehen ließen. Allein der neuesteStandpunkt der Naturwissenschaft widerspricht dieser Ansicht der Alten nicht, unddie vier Elemente werden durch ihn wieder in ihre alten Rechte eingesetzt. Nichtdie letzten einfachsten -Ltoffe der Körper, auf welche die chemische Analysis stößtund daselbst ihre Grenze findet, sondern die ersten einfachsten und allgemeinstenMaterien oder -Substanzen, welche die Natur hervorgebracht, und woraus sie dasMannigfaltige durch Entwickelung hervorgehen läßt, nannten die Alten Elemente,und es schadet diesem Begriffe nicht, wenn sie die vier Elemente für unzerlegbarhielten. Durch diese neuern Fortschritte der Chemie sind wir in letzter Hinsichtfreilich zu einer andern Überzeugung gelangt, und wir können jetzt aus Erfahrungvon der Zersetzbarkeit der Luft, des Wassers und mancher Erdarten sprechen.Allein diese Erfahrung thut dem Begriffe der Alten von der Einfachheit der vierElemente keinen Eintrag; denn es gibt noch einen andern Begriff von Einfach-heit, als die oben erwähnte, unter den meisten Chemikern gangbare. Einfachnannten die 'Alten z. B. das Wasser, weil sie fanden, daß kein Theil desselben vomankern verschieden, daß der kleinste Dunsttheil noch eben solches Wasser sei alseine große Wassermasse, welche daher eine einfache, d. h. durchaus gleichartigeMaterie sein müsse. In gleichem Sinne war ihnen die Luft und jede Erdart ein-fach. Und zu diesem Begriffe von Einfachheit ist die Naturwisscnschaft auf ihrengegenwärtigen Standpunkt an der Hand der Erfahrung wieder zurü-gekehrt,glicht unzerlegbare Stoffe sind die ersten Anfänge (Elemente) der Natur, sondernvöllige gleichartige (identische) Substanzen, woraus sie das Mannigfaltige aufanalytischem und synthetischem Wege (durch Zersetzung und neue Combinationen)erzeugt. Das sogenannte Zersetzen, z, B. des Wassers in Sauerstoff - undWafferstoffgaS, ist keine mechanische Theilung, sondern eine Entzweiung undUmwandlung der gleichartigen Substanz des Wassers in Stoffe von ganz an-drer und entgegengesetzter Qualität, die folglich kein Wasser mehr sind, und die-ses kann und darf daher auch nicht als ein mechanisches Gemenge aus Sauerstoffund Wasserstoff betrachtet werden, in welchem die verschiedenartigen Theile räumlichneben einander liegen. Eine gleiche Bewandkniß hat es mit allen chemischen Zer-setzungen, woraus dann folgt, daß auch die chemische Synthesis (Verbindung,Vereinigung) verschiedener Stoffe, die sich polarisch entgegengesetzt sind, zu ei-ner dritten, von beiden verschiedenen, Substanz nicht als ein mechamsches Ver-mengen dieser Stoffe, sondern als ein gegenseitiges Assimiliren (Verähnlichen)und daher Identificiern (Vergleichartigen) gedacht werden müsse, «do vereinigen(synthesiren) sich Alkali (Lauge) und Säure zu einem Neutralsalze (z. B. Na-rr um und Salzsäure zu Kochsalz), in welchem dann kein Theilchen weder sauernoch alkalisch ist, sondern durch die ganze Substanz bis aufdie kleinsten Theilchenherrschen die Eigenschaften des Neutralsalzes. Diese Beispiele werden hinreichen,um den rechten Begriff der Einfachheit der (physischen) Elemente, sowie den ihrerZersetzbarkeit (Zerlegbarkeit) ins Licht zu stellen. — Wenn nun die Chemiker vonElementen sprechen, so meine» sie — nicht Erde, Feuer, Wasser und Luft, son-dern die durch ihre Kunst vor der Hand nicht weiter zerlegbaren Stoffe, in welchedie genannten Grundsubstanzen, sowie die meisten Körper, analysirt werden können.
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