Band 
Dritter Band. D bis E.
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Englische Kunst Engl . Literatur und Wissenschaft 555

Englische Kunst nennen wir Alles, was der Engländer im Fache derbildenden Künste leistete. Das in so mancher Hinsicht reich begabte England ist indiesem Punkt arm, und der göttliche Funken, der allein den Hähern Künstler macht,scheint in dem feuchten britischen Klima verloschen zusein. Kein engl.Maler,Bild-hauer, Stein - oder Stempelschneider, kein engl. Eomponist wird unter den erstenKünstlern, die Europa hervorgebracht hat, genannt. Erst die Mitte des vor. Jahrh,sah zu London , unter Reynolds's Leitung, eine Art von Malerschule entstehen; aberwem könnte es einfallen, die grdßtentheils manierirten, in Erfindung und Farben-gebung verfehlten Arbeiten, selbst der ausgezeichnetsten ihrer Zöglinge, eines West,Westall, Opie rc„ den Schöpfungen der vorzüglichsten Maler des Festlandes an dieSeite zu stellen? Am glücklichsten sind die engl. Zeichner, wenn sie, dem Ideal ent-sagend, sich mit der Nachahmung gemeiner Natur begnügen (man denke an den Hu-moristen Hogarth , s. d.); und dies ist denn auch wol Ursache, daß die Skulpturin England noch niedriger steht als die Malerei, weil erstere mehr dem Ideal als dermechanischen Nachahmung angehört. In dem Art. Bildner der neuern Zeitsind unter Nr. 4 einige der besten engl. Bildhauer aufgeführt. Englische Schau-münzen, die als Kunstwerke zu betrachten wären, gehören zu den Seltenheiten. Ammindesten ausgezeichnet aber sind Englands Bewohner im Fache der musikalischenComposition, und nicht Einem ihrer Tonseher ist eS gelungen, sich in der Fremde ei-nen Namen zu erwerben. Dagegen gedeiht Alles, waszu den mechanischen Künstengehört, und wobei der berechnende Verstand vorherrscht, die Phantasie aber eine un-tergeordnete Rolle spielt, nirgends besser als auf den britischen Inseln. Die engl.Architekten Inigo IoneS und Christoph Wren (s. dd.) sind große Männer in ih-rem Fache; die Leistungen der engl. Kupferstecher- und Holzschneidekunst sind imTechnischen, wie eö scheint, noch immer unübertroffen (man erinnere sich an Sharp,Strange, Halloway), und die festländischen Optiker, Mechaniker und Metallarbeiteraller Art achten sich für geehrt, wenn man die Erzeugnisse ihres Kunstfleißes ihrenengl. Vorbildern an die Seite seht.

EnglischeLiteratur,Wissenschaft,Poesie und Theater.1) Literatur und Wissenschaft. Da die Sprache das System der eigen-thümlichen Weltanschauung eines Volks enthält, und diese nothwendig ihre Ent-wickelungszeiten, ihre Geschichte hat, so wird auch die Sprache die Farbe dieser Zei-ten, welche sie immer seyn mögen, an sich wagen. Sehen wir nun aufdasGeschicht-liche der engl. Sprache, so muß sie, da Britannien anfangs von Celten bevölkertwar, ursprünglich gallisches oder celtilcbeS Gepräge gehabt haben. Nach JuliusCäsai's Eroberung nahm sie von der römischen Sprache ihr Theil. Aber 400 I.n. Chr., als die Schotten und Picken gewaltsamer in den nördlichen Theil eindran-gen, und die zu Hilfe gerufenen Sachsen immer fester sich sehten, mußte in einerReihe von 350 I. auch die sächsische Eprache ihren Einfluß zeigen. Dänen drück-ten ihr hernach wieder ihr Gepräge auf, und endlich unter Wilhelm dem Erobererdie Normannen. So ist denn die engl. Sprache ein Gemisch aus dem Altceltischen,Lateinischen, Angelsächsischen, Dänischen und Normannischen. Jedes Volks ur-sprüngliches Leben enthält als solches die Elemente desselben, das Erkennen undDarstellen, oder wie man diese Doppelseiten des Lebens nennen will, noch in unge-sonderter, kräftiger Einheit, und die geschichtliche Entwickelung, welche späterhinerfolgt, ist nur ein Auseinanderfalten dieser Einheit und ein Hervortreten einzel-ner, früherhin gebundener Momente. Man nennt diese Zeit die mythische, undweil, dem Gesagten gemäß, Mythus , als Darstellung religiöser Idee, unk Ge-schichte in dem gewöhnlichen Sinne noch ungerrennt sind, so hat man sie überallals die Zeit und das Gebiet der Fabel bezeichnet, und als unfruchtbar für die Ge-schichte ausgeschlossen. Wie nun dies, wenn einmal Abstraction eingetreten ist,allerdings nicht gemißbilligt werden mag, so ist doch andrerseits nicht zu leugnen,