Band 
Dritter Band. D bis E.
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Englische Literatur und Wissenschaft

daß auch der abgesonderte und für sich betrachtete Mvthus Gegenstand der ergiebig-sten Forschung werden, und eine Ausbeute der herrlichsten Idee geben kann und ^wirklich giebt. Erinnern wir an den König ArthuS , an die Tafelrunde, a» den lZauberer Merlin , so eröffnet sich hier dem Kundigen ein reicher, sich weit verzwei- lgender Kreis von Fabeln voll tiefen Linnes und schöner Deutfamkeit. Was Eng-land in der Folge in dem Felde der Scholastik geleistet, ist weniger seiner National-literatur zuzurechnen als der allgemeinen europäischen Bildung. Englands Na-tionalliteratur beginnt mit Chroniken und Romanzen oder Balladen in gebundenerRede, wovon die ersten auch als cyklische Heldengedichte betrachtet werden können ^und dem normannischen Theile der Nation angehören, welche das höhere und vor- jnehmere Leben bildete, bis nach und nach die angelsächsischen und nordfranzösischenElemente zusammenwuchsen, die schon einen gemeinsamen germanischen Ursprunghatten. Die Dalladenpoesie, sangbar und von wandernden MinstrelS vorgetra-gen, gehörte dagegen der angelsächsischen Nationalität an und blühte besonders inSchottland und an den Nordgrenzen Englands. Beide Zweige der Poesie lassensich bis in das 12. Jahrh, verfolgen, und die Balladenpoesie dauert als Volks-gesang bis in das goldene Zeitalter der englischen Literatur fort. Als Anfangspunktder eigentlichen gelehrten Literatur Englands, insoweit sie durch Schrift festgehaltenist, wählen wir die Zeit, wo der Kaufmann William Capton, bei seiner Rückkehrvon einer weiten Reise, die Buchdruckerkunst nach England brachte und in West-niinster, von 1471 an ungefähr, übte; und da kurz vorher Ehaucer die engl. Poesie,wenigstens ihrer Form nach, neu begründet und sie den Foderungen der Kunstnäher gebracht hatte, da auch die Prosa sich fast um dieselbe Zeit zu bilden begann, jso trifft auch der Anfangspunkt der engl. Poesie und Beredtsamkeit ungefähr damit ^zusammen. Der Zeit folgend, machte Capton zuerst mythisch-religiöse Werke be- !kannt, deren Gegenstand die im Norden allgemein verbreitete Sage von der Ab- 'kunft der Franken und Sachsen aus Troja war. Und wenn er ferner Classiker jübersetzt lieferte in einer Zeit, wo die classische Literatur in England noch unange- ^baut war, sollte auch das mißlungene Unternehmen nicht immer Dank verdienen? ^Ist es ja doch die anbrechende Morgendämmerung, die immer Heller und beller un- !ter den TudorS herausblühke. Denn von Classikern ging auch hier die Bildung .aus. Ehe wir aber in das Einzelne eingehen, drängt sich beim Überblicke des Gan-zen der engl. Literatur die Bemerkung auf, daß der große, aus der insularischenLage hervorgegangen?, durch jahrhundertelange Kämpfe unterhaltene und gekräf-tigte, fast übertriebene Freiheitssinn und finstere Hochmuth der Einzelnen, jenerRepublicanismus,' den der große Alfred durch die Abtheilung des Landes in Shi-ren, durch Wahlen der Stellvertreter und ihre Versammlungen, durch die Gerichteder Geschworenen begründete, auch hier sich wiederfindet. Sein Analoges findetsich hier wieder in den mannigfaltigen Societäten: es zeigt sich in der Richtung desWissens auf die Brauchbarkeit für das Leben und seilte Breite, sowie in der hierausentsprungenen mindern Empfänglichkeit für Theorie und Speciilation überhaupt.

Es tritt hervor in der Verfassung ihrer Universitäten und dem Gange des -Ltudi-rens, und endlich in der Kräftigten einzelner dorr erscheinender Genien, welche dieNation selbst, sie in ihrer freien Eigenthümlichkeit bestärkend, man kann in mancherHinsicht sagen, bewahrt hat vor der franz. Geschmacksverfeineruug. Kann manaber einerseits nicht umhin, in dem angegebenen Charakter eine Einseitigkeit anzu-erkennen, und die hier- und dorthin sich verbreitenden Nachtheile des mangelndenguten Geschmacks zu bemerken, so muß man doch andrerseits in dieser strengen, fastherben Unwissenheit oder Zeichnung immer die Kraft ehren und achten, welche schonoft Gewähr und Vermittlerin für alle Völker des europ. SiaarenbuudeS wurde,wenn es galt. — Man setzt 3 Zeiträume der engl. Literaturgeschichle in dem zu-letzt angegebenen beschränkten Sinne fest. In allen zeigt sich, trotz des Antheils,