Band 
Dritter Band. D bis E.
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609
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Epistel

Epoche

Epistel. 1) Der poetische Brief, welcher keiner besondern Dichtungsark zu-gezählt werden kann, indem er bald erzählend (episch), bald lyrisch, und gewöhnlichdidaktisch ist. Der Ton, in welchem er geschrieben ist, läßt sich im Allgemeinennicht angeben, weil er sich jederzeit nach deni Inhalt und nach dem Verhältniß derSchreibenden zum Empfänger richtet. So grenzen OvidS Briefe aus dem Pontus durchgehends an die Elegie; die Horazischen Briefe an die Satyre; mehre vonBtzltaire, Göckingk , Jacobs Gleim sind lyrische Ergüsse einer scherzhaften Laune.Die Epistel muß durch und durch eine Beziehung auf die Person haben, welcheschreibt, und auf die, an welche geschrieben wird. Durch die Richtung an eine be-stimmte Person gewinnt ein solches Gedicht an Wahrheit, Individualität und Leb-haftigkeit. Dieser Eine aber, wenn er auch eine wirkliche Person ist, muß von demDichter zu einem poetischen Wesen ungeformt sein, d. h. er muß entweder Stellver-ireter der Menschheit selbst oder doch einer poetischen Seite derselben sein können.Der Dichter wendet sich, wie Pörschke sagt, an einen einzelnen Menschen, um zumganzen Menschengeschlechte zu reden. Ein Brief des gemeinen Lebens geht nur auf^ie Verhältnisse zwischen dem Schreibenden und dem Leser des Briefs, und hat nurprivatgültigkeit; Vieles mag in einem solchen Briefe für alle übrige Menschen un-verständlich sein, denn für diese ist er nicht geschrieben. Anders bei der poetischenEpistel. Wenn man aber meint, es sei eine Art Scherz darin, in vertrauten Si-^aftonen des Lebens den poetischen Ton anzunehmen, und deßhalb auch das Scherz-hafte für herrschenden ästhetischen Charakter der Epistel erklärt, so ist diese Ansicht"ur einseitig und beschränkt die ganze Gattung. Was die Art der Darstellung be-stifft, so versteht sich von selbst, daß ein Brief keine Abhandlung ist: der GegenstandM also nicht erschöpft, aber von einer anziehenden Seite dargestellt und beleuchtetWerden; der Gang kann freier, der Zusammenhang loser sein, deßhalb ist aber dieEpistel nicht völlig planlos. Auch die Herolde gehört zur poetischen Epistel. (S.Poesie.) — 2) Werden Episteln vorzugsweise die in dem N. T. enthaltenenAriefe der Apostel und die Abschnitte aus denselben genannt, über welche an den^»nn- und Feiertagen, besonders Nachmittags, gepredigt zu werden pflegt. <I>I.

Lpiztolgeobkcurorurnvirorum (Briefe unbekannter Mün-/'t, mit dem Doppelbegriffe des Verfinsterns), eine satyrische Briefsammlung,solche zuerst 1515 erschien, angeblich von damals bekannten Geistlichen und Profes-,^n in den Rheingegenden und namentlich aus Köln , in barbarischem oder Küchen-Aein geschrieben, worin nebst verschiedenen theolog. Streitigkeiten auch die AuS-^htveifungen der Geistlichen damaliger Zeit/charf gerügt werden. Ulrich v. Hüttennebst a. Gelehrten, daran gearbeitet. Älteste AuSg. von Ald. Manutius (Köln »^5, 4.). 151 ? wurden diese Briefe schon durch eine päpstl. Bulle unter die Zahl^ verbotenen Bücher gerechnet. Man hat sie 182? zu Leipz. und zu HanoverNeuem herauögeg. Jene, von E. Münch, enthält noch andre Beitr. zur Lite-?^r-, Sitten -u. Kirchengesch. des 16.Jahrh., u. a. „luliu, vxuiusu'", „l'i,il:>-?n>er" etc. Er hält Hütten für den Hauptverf. der „klpp." Mohnike hält dafür" Wolfgang Angst zu Hagenau. S. Ersch's „Encyklop.", IV, 108.Epitaphium (griech.), Grabschrift, Grabmal.

Ep jthalam ium, Hochzeitgesang, Hochzeitgedicht im höhern Style,j-,, E p i z o o t i e», epidemisch herrschende Krankheiten der Hausthiere,^erarzneikunde.

^ Epoche, jeder Zeitpunkt, von welchem man eine Zeitrechnung anfängt.

nahm gewöhnlich eine merkwürdige Begebenheit zum Standpunkte, von wo'^an die Jahre rechnete, z. B. die Geburt Christi, die Erbauung der Stadtu. s. f Daher die Epoche machende Begebenheit selbst. Figürlich heißt dann^ Epoche jeder wichtige Zeitpunkt. Häufig bedeutet es auch so viel als Periode,^um. (Vgl. Chronologie und Periode.)

Ev!

nversations-rmcon. Bd. II!.

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