Ertrinken
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natürlich eine große Aufmerksamkeit auf die Zeichen dieser Todesart, welche tm Leich-name zu finden sind. Aber trotz der vielfältigen Bemühungen ist noch Manchesin der Lehre vom Ertrinken ungewiß. Dies gilt sowol von der Art und Weise, wieder Tod erfolgt, als auch von dem Wesen der Asphyxie, die dem Tode vorhergeht;ja auch die Zeichen des Ertrinkens und die Hülfsmittel, Scheintodte zu retten, sindnoch ungewiß. Taucht man mit Willkühr den Kopf unter das Wasser, so fühlt mansich sehr angegriffen, Ohrenbrausen, ein Kitzeln in der Nase, Ziehen aus der Brustund Stumpfsinn entstehen. Wer unwillkürlich in das Wasser fällt, der macht in-stinklmäßig alle Anstrengung, sich heraus zu arbeiten, er hält den Athem an, denKopf in die Höhe und rückwärts gebogen, mit den Händen greift er nach allen festenKörpern, die sich darbieten, selbst an den Grund des Wassers klammert sich der Un-glückliche an. Diese Anstrengungen dauern, im Verhältniß zu den Kräften undder Geistesgegenwart, längere oder kürzere Zeit; endlich wird der Verunglückte er-schöpft, sinkt unter, wird bewußtlos, will Athem holen und zieht Wasser ein, unddas Leben verschwindet. Wird der Körper aus dem Wasser gezogen, so findet manlhn gewöhnlich sehr kalt, die Glieder sind steif, das Gesicht aufgetrieben, livid, oftblaß. die Augen halboffen, die Pupille erweitert, der Mund mir Schaum angefüllt,die Brust und Oberbauchgegend aufoetrieben. Bisweilen ist der Körper noch warm,und doch nicht wieder zu beleben, da - ftsicht dunkelblau und aufgetrieben, die Hals-venen strotzend. Das Letztere findet statt, wenn das Ertrinken im Alkohol, in Sum-pfen oder im warmen Wasser stattfindet, oder wenn Jemand betrunken, mit vollemMagen oder erhitztem Körper in das Wasser fällt. Bei Leichenöffnungen Ertrun-kener findet man den Kehldeckel emporgehoben, blutigen Schaum in der Luftröhreund in den Bronchien, die Lungen weich und ausgedehnt, viel schwarzes, flüssigesBlut in der rechten, weniger in der linken Herzhöhle, ein wenig Wasser im Ma-gen. die Gefäße des Hirne von Blut strotzend. Der Tod wird bald durch Erstickungund Luftmangel, bald aber auch aufapoplektische Weise herbeigeführt; in dem letz-ter» Falle erfolgt er sehr schnell, und wenig Wasser ist hinreichend, denselben herbei-zuführen, wenn der- Verunglückte mit dem Gesichte zuerst hineingerälh. Alsdannfehlt bei der Leichenöffnung der -Lchaum in der Luftröhre, und die Gefäße desKopfeSsind mehr angefüllt. Außerdem aber können noch Bestandtheile, die sich zufälligin dem Wasser befinden, z. B. irrespirable Gasarten, die Todesart modificiren undcompliciren. Die hauptsächlichsten Hülfsleistungen, wodurch man Ertrunkene in dasLeben zurückzurufen sucht, bestehen darin, daß man zuerst den Mund von Schleimund Schmutz befteiet, und den Körper dann vorsichtig (am besten auf den Armen,den Kopf etwas erhöht) an den Ort trügt, der zu solchen Hülfsleistungen bestimmtist. Das sogenannte Stürzen, Stoßen und Drücken auf die Herzgrube muß alshöchst schädlich unterlassen werden. Alsdann muß der Verunglückte so schnell alsmöglich entkleidet, in ein mäßig warmes Bett oder Bad gebracht, nach und nachmehr erwärmt und mit Flanell oder den bloßen Händen fleißig gerieben werden.Gibt er noch Lebenszclchen, so hält man ein Riechfläschchen unter die Nase, oderbringt den Bart einer Feder in die Nase und in den Mund. Wenn aber nach 5Minuten noch keine Lebenszeichen sich äußern, so schreitet man zu dem Einblaftn vonLuft. Dies geschieht entweder vermittelst eines Blasebalgs, oder vermittelst irgendeiner Röhre, welche in die Nase des Leblosen gebracht, und in welche hineingeblasenwird, indem das andre Nasenloch zugedrückt wird; oder man kann auch mir demMunde in die Nase blasen und den Mund des Verunglückten zuhalten. Währendder Eine Luft einbläst, muß ein 'Andrer die Brust und den Unterleib reiben und sieabwechselnd sanft zusammendrücke», um die Respiration nachzuahmen. Währenddies geschieht, besorgt ein Andrer ein Tabacksrauchklystier, und wenn sich in 4 Mi-nuten keine Lebenszeichen einfinden, so wird es angewandt, zugleich aber mit demLtnblasen von Luft fortgefahren. Diese Mittel müssen stundenlang fortdauernd an-