Band 
Dritter Band. D bis E.
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612 Eteoklcs Etienne (Charles Guillaume)

mehren deutschen Staaten geschlossen hat, betreffen den Durchzug seiner Truppennach seinen entlegenen Provinzen, deren Verpflegung und ihre Vergütung.

Eteokles und P o l y n i c e s, des Ödipus und der Iokaste Söhne . Sieschlössen nach ihres Vaters Vertreibung einen Vergleich, 1230 v. Chr., nach wel»chem sie abwechselnd, ein Jahr um das andre, über Theben herrschen sollten. Eteo»kles aber brach den Vergleich; sein Recht zu erkämpfen, flüchtete Polynices zuinAdrastus, König von Arges, der mit ihm und noch H griech. Fürsten vor Thebenrückte. Es vertheidigte sich hartnäckig. Bei einem Ausfalle trafen beide Bruderauf einander und fielen durch Wechselmord. Jetzt ward Kreon, der GefallenenOheim, Herrscher in Theben. Er verbot bei Todesstrafe des Polynices Beerdi«gung. Antigone aber, des Unglücklichen Schwester, der Stimme ihres Herzensfolgend, ging dennoch hinaus, ihn zu bestatten, ward entdeckt und aufKreon'SSpruch, jedoch ihm selbst zum Jammer, lebendig begraben; denn sein eigner SohnHaimon, der sie liebte, gab sich an ihrer Seite den Tod. (Dgl. Theben.)

Ethik, die Sittenlehre im weitem Sinne oder die Lehre von dem ver»nunftmäßigen Handeln des Menschen, so viel als praktische Philosophie; man ver-steht aber darunter im engern Sinne und in der neuern Zeit insbesondere die Lehr«von denjenigen Pflichten, welche nicht durch äußere Gesetze bestimmt werden, son-dern auf Gebote des Gewissens sich gründen. (S. Moral.) Die Lehre vondenjenigen Pflichten, welche unter äußern Gesetzen stehen, heißt zum Unterschiedevon jener die Rechtslehre. — Ethisch, sittenlehrig, zur Sitten- und Tugend-lehre gehörig; z. B. ethische Schriften, welche das sittliche Handeln der Men-schen betreffen.

Ethnographie, Dölkerbeschreibung, Völkerkunde, Völkergeschichte. —>Ethnographisch, nach der Ddlkergeschichte. Die Geschichte wird nämlichentweder chronologisch, d. h. der Zeitfolge nach, oder ethnographisch, d. h. so,daß die Geschichte jedes einzelnen Volks besonders vorgetragen wird, bearbeitet.(Vgl. Geschichte.)

Etienne, s. StephanuS.

Etienne (Charles Guillaume), dramatischer und politischer Schriftsteller,seit 1829 aufs Neue Mitgl. der stanz. Akad., ist geb. den 6. Zan. 1778 zu Tha-moully im Dep. der Ober-Marne. Er kam 1796 nach Paris , wo er anfänglich betder Herausgabe einiger Zeitschriften thätig war, aber bald dieses Geschäft aufgab,um sich der Bühne zu widmen. Schon hatte er viele kleine Stücke aufNebenbühnengebracht, als s. Lustspiel „llruevs ct l'slnprat" auf dem 'I Ix-äws l',»nmii ausge-führt ward, das sich auf der Bühne erhalten hat. Bald nachher wurde erSecretairdes Herzogs v. Bassano. 1810 ernannte man ihn an Fi> v<e s Stelle, der sich denLehren der Römlinge zu günstig gezeigt hatte, zum Censor des „Oc»irn.-,I ü<- i>m-xire"; zugleich erhielt er einen Antheil am Reinerträge dieser Zeitschrift. Späterwurde ihm, als Vorsteher der literarischen Abtheil. im Ministerium des Innern, diepolizeiliche Aufsicht über die Zeitschriften übertragen. Sein nächstes Stück, „I.e,cleux geiicli es", öffnete dem Dichter das Nationalinstitut, was man ihm mit denWorten der Apostelgeschichte: „lA clc-;eiui>t 8Icpl>,IN»,,, (k'licuiic) VIIUIII Ple-num zpilitu", meldete. Diese Erfolge reizten die zahlreichenFeinde, die E. sich in s.amtlichen Verhältnissen gemacht hatte, und die gegen ihn aufgeregte Stimmungfand einen Anlaß zum Ausbruche, als Lebrun-.Toffa, das Vertrauen der Freund-schaft verletzend, bekanntmachte, daß E. den Stoff zu s. Stücke aus einem alten,handschriftlich in der kaiserl. Bibliothek aufbewahrten Lusisp. eines Jesuiten inRen-nes, betitelt: „Lona.xa, ou 1er ^enclrer üupe-". geschöpft und sogar einigeVerse daraus entlehnt hätte. Die Geschichte machte Aufsehen unter dem Litera-turpdbel; aber E. hatte den rohen Stoff so veredelt, daß die Bearbeuung sein wür-diges Eigenthum geworden war, und er hätte sich in der ersten Überraschung nicht