202 Helvoetsluis Hemmling
Als sie Göthe die ersten Gesänge der „Schwestern von Lesbos" vorlas, machte ereinige Bemerkungen wegen des Hexameters, entdeckte aber, daß die Verfasserinnoch gar nicht wußte, was das sei. Nun schrieb er selbst ihr das Schema für dieseForm aus, und sie studirte dieselbe seitdem besonders in Voß's „Luise", die Götheihr angerathen. Kurz nach der Erscheinung dieses Gedichts (1800, zweiter Druck1801), das ihren Namen auf die Nachwelt bringen wird, ward A. v. I. zur Hostdame ernannt. Am Hofe lernte sie 1802 ihren Gemahl kennen, der von seinenReisen in der Türkei und Griechenland über Italien und Wien zurückkehrte. In-deß folgte sie ihm 1803 nicht nach Schweden , weil sie ihre kranke Mutter nichtverlassen konnte. Bald darauf schloß sie der Sterbenden die Augen; auch der ein-zige Sohn derselben war gestorben; also nahm Frau von Helvig ihre jüngernSchwestern mit nach Schweden . Spätere Zufälle erschütterten ihre Gesundheit.Erst im Vaterlande genas sie wieder. Sie beschäftigte sich nun in Heidelberg mitder Malerei und dem Studium der altdeutschen Kunst; auch gab sie das erste „Ta-schenbuch der Sagen und Legenden" (1813) heraus, und „Das Märchen vomWolfsbrunnen" (1814). Ihre in Schweden gedichteten „Schwestern von Cor-cyra" und „Die Tageszeiten" waren schon 1811 erschienen. Sie mußte hierauf,um Geschäfte zu ordnen, allein nach Schweden reisen, wo sie die bedeutendstenMänner in der neuesten Literatur des Landes kennen lernte. Nach ihrer Rück-kunft erschienen von ihr Übersetz, aus d. Schwed. nebst 2 nordischen Legendenin dem „Taschenb. der Sagen und Legenden" f. 1816. Seitdem übte sie vorzüglichin Dresden und in Berlin ihr Talent für die Malerei; mehre Aufsitze von ihr indem „Tüb. Kunstblatts" und im „Morgenbl." sind Bruchstücke aus einem Werkeüber Schweden , das sie zum Drucke vorbereitet, u. a. Mittheilungen über Kunstund Literatur in Schweden . Dann entwarf sie auf historischem Grunde ein zar-tes Bild des weiblichen Herzens: „Helene von Tournon" (Berl. 1824). Auchweckte das Schicksal der Griechen ihr tiefstes Gefühl, und sie dichtete in Dresden den herrlichen „Zuruf" und das Gedicht: „Den Zaudernden". Diese bildeten, miteinigen spätern Gedichten, die kleine von ihr zum Besten der unglücklichen Griechenzu Berlin (1826) herausgeg. Sammlung von Gedichten. Dann bereicherte sieun-( e Literatur durch ihre schöne Übersetz, der „Frilhiofs-Sage" von Es. Tegnär(Ek. Atg. 1826). — Diese hochbegabte, seltene Frau ist mehr noch als Dichterinund Schriftstellerin: sie ist die Freude und das Glück ihrer Angehörigen. 20.
Helvoetsluis, ein wohlgebautes festes Städtchen mit 1200 Einw. inSüdholland, auf einer Insel der Mündung der Maas . Wichtig sind der Hafenmit einem großen, 1804 vollendeten Becken, und die Rhede , sowie die Magazineund Zimmerwerfte zu Ausbesserung der Kriegsschiffe. In FriedenSzeiten geht alleMittwoch und Sonnabend ein Packetboot von hier nach Harwich und zurück. Beigutem Winde geschieht die Überfahrt in 15 bis 18 Stunden.
Hemerodromen, eine Art Läufer bei den Griechen, welche wegen ihreraußerordentlichen Geschwindigkeit berühmt waren und vom Staate als Boten ge-braucht wurden. Man bediente sich ihrer nicht bloß zum Brieftragen in Friedens-zelten, sondern auch als Kundschafter und Überbringer von VerhaltungsbefehlentM Kriege. Von ihrer großen Schnelligkeit führen die Alten mehre Beispiele an.
Hemikranie oder Hemigraine, s. Kopf und Migraine.
Hemisphäre, s. Halbkugel.
Hemmling oder Hemmlink (Hans), hatte unter allen niederdeut-schen Malern am mehrsten Imagination und wahren Dichtergeist; seine Gemäldezeichnen sich durch ihre lebenvolle Kühnheit aus. Man nimmt gewöhnlich an, daßer in Flandern geboren werden, als armer kranker Kriegsmann iy das Iohannisspi-tal zu Brügge gekommen sei, und bei seiner Genesung in diesem stillen Aufenthalte