Band 
Fünfter Band. H bis Jod.
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Herder

von Baiern in den Adelstand erhoben. So wirkte H., bis am 18. Dec. 1803 derTod die schöne Wirksamkeit seines Lebens unterbrach. In seinen Schriften hat ersich selbst ein unvergängliches Denkmal gestiftet. Die schönste Würdigung seine«Wirkens ist die von Jean Paul in denHeidelberger Iahrb. 1812". Die neueAuSg. s. sammtl. Werke, zusammen 45 Ockavbde. (bei Cotta in Tübingen , seit1806; eine TaschenauSg. in 60 Bdchn. erscheint gegenwärtig), ist in mehre Clas-sen abgetheilt, in Schriften zur schönen Kunst und Literatur, Schriften u>r Reli-gion und Theologie, und Schriften zur Philosophie und Geschichte gehörig. Manerkennt dadurch beim ersten Anblick die Vielseitigkeit des Mannes, vermehr als40Jahre lang mit rastlosen, Eifer unter uns gewirkt hat. Als Theolog beförderte erder heiligen Urkunde historische und klimatische Erklärung, kier ragt auch s.Geistder hebr, Poesie" (1182; 3. Aust. m. Zusätzen von II. Iusti, Lpz. 1825, 2 Thle.)hervor; als Philosoph, wenn nicht der Schule, doch des Lebens, hinterläßt ereinen theuern Schatz bewährter Natur-, Menschen-und Weltbeobachtungen; alsErklärer des classischen Alterthums bewirkte er harmonische Bildung des Menschendurch die ewigen Muster Griechenlands ; zur Belebung des Naturstudiums trug ersehr Vieles bei; er läuterte allseitig unsern Geschmack und erhob uns durch An-schauung und richtige Würdigung der schönen Kunst zu reiner Menschheit; ermachte aufmerksam auf manches Vergessene und Verkannte der vaterländischenVorzeit und erweckte den Sinn für das echt VolkSthümliche der Poesie; er stimmtefast in Allem, was er schrieb, zur Begeisterung, hauchte unsern Seelen edle Ge-fühle ein und entstammte das Herz für alles wahrhaft «chöne und Große. DasHauptwerk H.'s sind siIdeen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit "(Riga 1185 fg.; neue Ausg. mit Luden'S Einleitung, Leipz. 1821), in welchemalle «mahlen seines Geistes sich vereinigen.Schon in ziemlich frühen Jahren",sagt er,da die Auen der Wissenschaften noch in alle dem Morgenschmuck vor mirlagen, von dem uns die Mittagssonne unsers Lebens so viel entzieht, kam mir oftder Gedanke ein, ob denn, da Alles in der Welt seine Philosophie und Wissenschafthabe, nicht auch Das, was uns am nächsten angeht, die Geschichte der Mensch-heit im Ganzen und Großen, eine Philosophie und Wissenschaft haben sollte? Alleserinnerte mich daran, Metaphysik und Moral, Physik und Naturgeschichte, dieReligion endlich am meisten". So suchte H. schon von jener Zeit an nach einerPhilosophie der Geschichte der Menschheit, und es zeigt sich wirklich in Allem,was er jemals schrieb, diese Richtung, aus welcher seine Tugenden wie seine Feh-ler hervorgehen. Den Punkt zu finden, wo Alles in Eins fällt, wo aus EinemAlles hervorgeht, war sein heißes Streben, und zwar nicht durch metaphnsischeGrübelei, sondern durch Beobachtung. So ging er den langen Weg von Erfah-rungen und Analogien der Natur, den nicht kürzern Weg der Geschichte und allerZweige menschlicher Cultur durch, Religion, Philosophie, Gesetzgebung, Heil-kunde, Poesie und Kunst. Don seinem Standpunkte aus liegt Welt und Men-schenleben, Vergangenheit und Zukunft vor dem erstaunten Blick, alle Verwir-rung löst sich, uiid erhabene Ruhe bemustert sich des Herzens. Ausgerüstet mitKenntniß der Menschennatur im Allgemeinen, führt uns der Historiker der Mensch-heit unter alle Zonen, in alle Zeiten hin, um ruhig niit uns zu beobachten, wie sieunter solchen oder solchen Bedingungen sich entwickeln, und welche Erfolge jedes-mal eine solche oder solche Entwickelung haben müsse. Dabei entdeckt er das großeGesetz, das Ziel und den Endpunkt dieser Menschennatur und alles ihres Streben«in der Humanität. Diese Humanität ward H.'S Göttin; auf sie bezog er Al-les; für sie wirkte er mit rastlosem Eifer. Er war ein vollherziger, kräftigerMensch; und Mensch im schönen Streben und Wirken zu sein, darauf war allsein Bemühen gerichtet, sodoß man mit Einem, freilich oft entweihten, Wortefein ganzes Wesen bezeichnen kann. Er war Humanist und spricht uns als solcher