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Hierarchie
Primat behauptet, und Unterordnung seines Zwecks unter ihren Zweck federt. Indiesem Sinne nimmt man dasWort, wenn man das hierarchische System von demTerritorialsysteme, nach welchem das entgegengesetzte Verhältniß zwischenStaat und Kirche stattfindet, und von dem Collegialsy steine, nach welchemStaat und Kirche als unabhängig von einander betrachtet werden, unterscheidet.
In den ersten Jahrhunderten stand die Kirche in gar keiner Verbindung mitdem Staate. Sie suchte keinen Einfluß auf den Staat zu erlangen, der Staatverfolgte aber bisweilen die christliche Religion. Als die Kirche seit Konstantin demGroßen in Eine Gesellschaft mit dem Staate zusammenfloß, erhielt sie dadurchSchutz, ward aber auch abhängig von den Regenten, welche das Recht behaupte-ten, die allgemeinen Synoden (Kirchenversammlungen) zusammenzurufen und dieBischöfe der Hauptstädte zu bestellen, oft auch in die innern Angelegenheiten derKirche und ihre Verhandlungen über die Bestimmung des Glaubens sich mischten.So war es in dem Reiche der Gothen, der Langobarden und der Franken , welcheauf den Trümmern der römischen Monarchie gegründet wurden. Auch die Königeder germanischen Reiche und namentlich Karl der Große übten die Hoheitsrechteüber die Kirche aus, welche die römischen Kaiser behauptet hatten, und da in dengermanischen Reichen das Lchnssystem entstanden war, so trugen die Bischöfe ihreGüter als von den Fürsten empfangene Lehen, und selbst der römische Bischofstand, als weltlicher Herr, in Lehnsverband zu dem Beherrscher der fränkischenMonarchie. Die Keime indeß, aus welchen das hierarchische System sich entwi-ckelte, waren schon in diesen Zeiten vorhanden und logen in der Idee der Kirche,als einer fortwährend durch den göttlichen Geist erleuchteten Gesellschaft, ,n deraus dem Iudenthum aus die christliche» Lehren übergetragenen Idee eines von Gott selbst eingesetzten Priesterthums, durch welches der Geistliche eine alle weltlicheHoheit übertreffende Würde und eine nicht von dem Staate, sondern von Gott selbstkommende Gewalt erhalte, und endlich in der Überlegenheit, welche die Geistlichendadurch über die Laien erlangten, daß sie, indem der Adel nur mir Kriegsthaten sichbeschäftigte, und ein mit andern als Gewerbskenntnissen ausgerüsteter Bürgerstandnoch nicht vorhanden war, die einzige» Bewahren wissenschaftlicher Kenntnisse wur-den. Erst dann aber konnte sich aus diesem Keime das hierarchische System voll-ständig entwickeln, als der römische Bischof unbestritten als das Oberhaupt derabendländischen Christenheit galt, wodurch Einheit und feste Haltung in die Be-strebungen der kirchlichen Gewalt kam. Mehre Jahrhunderte hindurch war dasAnsehen dieses Bischofs fortwährend gestiegen; seine Macht erhöhte besonders dieim 9. Jahrh, entstandene pseuto-isidorische Sammlung theils erdichteter, theilsverfälschter Kirchengesetze, deren Hauptzweckes war, die kirchliche Gewalt über dieweltliche zu erheben. (S. Papstthum.) Mit dem kühnsten Muthe und demlebhaftesten Eifer strebte namentlich Gregor V II. (s. d.) im 11. Jahrh., die An-sprüche der Hierarchie durchzusetzen, und suchte seinen Zweck hauptsächlich dadurchzu erreichen, daß er den Fürsten das Investiturrecht (s. d.) zu entreißen trach-tete und den Cölibat einführte. Gregor erreichte zwar seinen Zweck nicht vollstän-dig; seine Nachfolger aber verfolgten seinen Plan mit Beharrlichkeit und Glück,und die seit dem Ende des 11. Jahrh, unternommenen und 2 Jahrh, lang er-neuerten Kreuzzüge begünstigten ihre Bestrebungen. Denn theils beförderten dieseKriege eine Stimmung, welche den Ansprüchen der Kirche nicht anders als günstigsein konnte, theils boten sie, da sie als Religionskriege betrachtet wurden, denPäpsten mannigfache Veranlassung dar, an den allgemeinen Angelegenheiten dereuropäischen Völker Theil zu nehmen und die Unternehmungen der Fürsten zu lei-ten. Auch bildete sich unter diesen Kriegen die Idee eines Vereins der christlichenVölker, an dessen Spitze der Statthalter Christi stehe, völlig aus. So trat vomEnde des 11. bis m die Mitte des 13. Jahrh, die Idee der Hierarchie ganz in die