Band 
Fünfter Band. H bis Jod.
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Hypochondrie

Die Hypochondrie ist eine Verletzung der Function des Nervensystems des Unter--leides, vorzüglich der großen Geflechte hinter deni Magen, als t.m eigentlicp.nCentralnerven. Daher ist die Empfindlichkeit des Nervensrstems krankdaft erhöht,sein Wirkungsvermögen aber geschwächt. Zugleich isi die Grenze, welche >m Or-ganismiiS zwischen dem Nervensysteme des Unterleibes und dem des Gehirns undRückenmarks stattfindet, vermindert, fodaß Gefühle des Unterleibes zum Bewußt-sein gelangen, welche ini gesunden Zustande nickt empfunden werde», und sich zuentfernter» -Organen fortpflanzen. Die Störung in der Funcuon des N.iven-systems des Unterleibes hat Zunächü eine Schwache und Abweichung der Verdauungzur Folge, welche gemeiniglich die ersten und meisten Anfalle der Hypochondriehervorbringen, von denen alsdann alle übrige abstammen, sowie sich die krankhafteMitleidenheit über den ganzen -Organismus ausbreitet. Es entsteht also zuerstSpannen, Drücken und Ziehen unter den kinnen Rippen, bald auf der einen,bald auf der andern Seite, bald in der Herzgrube, langsame oder stockende Aus-leerung, V- rhaltung der Blähungen, Austreibung des Leibes, Mangel an Appetit,vermehrtes Drücken, überhaupt schlechteres Befinden nach dem Esten. In derFolge gesellen sich dazu Beklemmung des Akhmens, unbeschreibliche Angst, Einge-nommenheit des Kopfes. Auch bei nüchternem Magen einsteht zuweilen Magen-schmerz, Übelkeit oder Erbrechen. Auf Augenblicke, zumal nach geendigt, r Ver-dauung, ist dem Hvpochondristen leicht, wobl und heitert aber ehe man sicks ver-muthet, treten die alten Beschwerden wieder em. Die Störung des Nerve,izustan-deS hat auch auf das Geniüth der Kranke» bedeutenden Einfluß. LAesind baldschwermüthig, bald übertrieben lustig; mit ihrem körperliche» Zustande unaufhör-lich beschäftigt, achten sie auf jede ungewöhnliche Empstndung in ihrem .Körper,eben weil sich jedes Gefühl ihnen lebhafter aufdringt. Jeden kleinen Zufall wollensie erklärt wissen; jedem schieben sie eine wichtige Krankheit unter; für jede» wün-schen sie.ein Arzneimittel zu haben. Ziz den Stunden der 'Angst sind sie furchtsam,verzagt, erwarten den Tod jeden Augenblick, werden fromm und sogar abergläu-bisch; fühlen sie sich wohl, so blasen sie, wie Unzer sagt, ihre Sünden wie kleineFederchen von sich ab. Manchmal überfallt sie die Angst so plötzlich, daß sie auf-springen müssen und nirgends Ruhe finden. Andre vei läßt ihr Gedächtniß zuwei-len so plötzlicy, daß sie sich nicht auf ihren Name» besinnen können. Mitten m denernsthaftesten Gesprächen, selbst im Gebete kommen ihnen die lächerlichsten Dingevor; Andre bekommen plötzlich einen Trieb zu den seltsamsten Handlungen, derensie sich nur mit Muhe enthalten können. Veranlassende Ursachen zu tiefer Krank-heit können alle die Dinge werden, welche die Function des Nervcnsystems des Un-terleibes verletzen, die Empfindlichkeit desselben krankhaft erhöhen, die Verdauungschwächen, und die Absonderungen des reproductiven Nervensystems von dem sen-sitiven vermindern. Dahin gehören vorzüglich übermäßige Anstrengung des Gei-stes durch zu vieles Srudiren, sitzende Lebensart, schwelgerisches L.ben, Über-maß in reizenden Getränken, besonders in Caffee , und im Genusse der physischenLiebe; aber auch Mangel an Übung der körperlichen und geistigen Kräfte, Müßig-gang und Langeweile. Hypochondrie ist keine gefährliche Krankheit. Der Hypo-chondrist glaubt zwar 6 Tage der Woche hindurch, alle Tage zu sterben, er hat einelendes Dasein, ist sich selbst zur Last, den Seinigen und dem Arzte zur Plage.Die Hypochondrie kann nur schwer und langwierig geheilt werken, weil sie selbstder Heilung am meisten entgegenstrebt. Der Hrpochondrist soll des überflüssigenMedicinirenS sich enthalten, allein wenn der Poltergeist rege wird, möchte er lieberzehnerlei Mittel auf einmal nehmen; er soll seine Sinnlichkeit bezähmen, alleinsein empfängliches Nervensystem kann den Lockungen Eupido'S nicht widerstehen;erfüll sein Gemüth beherrschen, allein sein Gemüth wird vom Körper beherrscht;er soll dem Sitzen, dem StuLiren entsagen und sich körperliche Bewegung machen,