Jagemann (Karoline) Iahn 67!
halte, war ihm nicht mehr vergönnt. I. starb 1820 an einem Drustübel, das ih»lange gedrückt hatte. Nahe bei Luc. Kranach's Grabstätte ward er beerdigt. Da«Iunibeftdes Journals für „Lit.,Kunst,Luxus u. Moden" f. 1823 zeigt s. Biltniß.
Iagemann (Karoline), älteste Tochter des Raths, entwickelte früh ein sel-tenes Talent für Tonkunst und wurde daher in ihrem 17. I. auf Kosten der Herz.Amalie nach Manheim geschickt, wo damals unter Zffland's Mitwirkung eine sce-nische Kunstschule blühte. Sie lebte im Haufe des Schauspielers und SängersBeck und genoß schon danials große Auszeichnung. Einige I. nachher trat sieauf dem weimarischen Hostheater mit großem Beifall als Sängerin und Schamspielerin auf. Altere Theaterfreunde erinnern sich noch mit Vergnügen, in wel-cher Vollkommenheit sie die Eugenia in Gökhe's „Natürlicher Tochter" spielte; dochwar sie als Sängerin ausgezeichneter. Nach einigen Kunsireisen wurde sie alserste Sängerin für immer der weimarischen Bühne gewonnen, deren Zierde sienoch seht ist; der vorige Großherzog hat sie mit dem Rittergute HeigendorfimAllstädtischen beschenkt, wovon sie den Namen führt. Bekannt ist der Einfluß, densie auf die innere Verwaltung des weimarischen Theaters, besonders seit Göthe'svölligem Rücktritt, behauptet. 1S.
Iaggernat, s. D schagern at.
Iahn (Friedrich Ludwig) — eine kräftige Natur, vielfach bewegt von derZeit und von volkSthümlich - pädagogischen Ideen — ist der Lohn eines Predi-gers in Pommern , geb. 1778. Seine Bildung war theils sein Werk, theils da«Ei zeugniß der Zeirbegebenheiten, unter deren Einflüssen er lebte. Er studirte zaJena und Halle und besuchte noch andre Universitäten, wo er an der Unterdrückungder Landsmannschaften arbeitete, welche die Territorialtrennung der teutschenVölkerschaften in die Gemüther der deutschen Jugend einprägten. 1809 kam ernach Berlin und wurde Lehrer der Gymnastik in dem Institute des U. Plamann.1811 eröffnete er seine Turnanstalt, an der bald 1400 junge Leute Theil nah-men. Deutschland und Preußen von einem stolzen Feinde getemüthigk zu sehen,regte sein tiefes Vaterlandsgefühl zu edlem Zorne auf. Auch mochten Fichte'«„Reden an die deutsche Nation " ihn ergriffen und zu dem Beschlusse begeistert ha-ben, die Wiederherstellung des Volksgeistes durch die Entwickelung der Volkskraftzur Aufgabe seines Lebens zu machen. Er bekämpfte daher durch Lehre und Bei-spiel jede Art der Ausländerei und trug durch Rede, Schrift und That viel dazubei, den Stolz des Nationalgefühls zur mannhaften Abwehr alles Fremden zu er-wecken. Da er die Zeit kommen sah, wo sein Vaterland Männer brauchen werde,die stark durch einen Willen, das Leben für den Sieg einzusehen, den Muth unddie Kraft hätten, er aber die Grundlage solcher Gesinnung in dem urdeutfchen Na-tionalcharakter erkannte, so wandte sich sein Eifer auf die Wiederherstellung derreinen Kraftsprache des deutschen Volks und auf die volksthümliche Bildung derdeutschen Jugend. Die preuß. Jünglinge sollten (und sie haben bewiesen, daß siees schon waren) zu deutschen Männern reifen für den Todeskampf der Freiheitund der Ehre des Vaterlandes. Das Mittel dazu glaubte I. in der Turnkunst(seit 1810, vgl. Turnkunst und Turnziel) gefunden zu haben, wenn näm-lich mit der Körperkraft zugleich die Willenskraft volkSthümlich ausgebildet würde.Es ist nicht zu läugnen, daß er ein Ideal vor Augen halte, welches Achtung ver-dient und selbst vom Ltaate anfangs geachtet worden ist; allein er verfolgte es mitdem kecken Trotze eines Reformators und stellte es an die Spitze der Nationalbil-dung, welche doch tiefere Wurzeln in dem Geiste und in der Gesinnung des Men-schen hat. So vergaßen I. und feine Nachtreter in ihrer Einseitigkeit, daß dieGriechen die Gymnastik dem „Guten zum Schönen" unterordneten, und daß diehellenischen Turner zugleich den Grazien opferten. Übertreibung also und un-Couvcrsations-Lericon. Bd. V. 45