Julian«« 'SS
nicht wieder begnadigen wollte. Doch ließ er sich endlich bnvegen, sie von derInsel auf das feste Land nach der Stadt Rhegium bringen zu lassen. Nach Rom durfte sie nicht zurückkehren. Nach dem Tode des Kaisers ward ihr Schicksal sehrtraurig. So lange dieser gelebt, hatte Tiberius noch immer viele Zärtlichkeit gegensie geäußert, und den Kaiser oft gebeten, sie zu begnadigen. Jetzt aber behandelteer sie mit der größten Grausamkeit. Vorher hatte sie bloß die Stadt Rhegium nichtverlasse» dürfen; Tiberius aber sperrte sie im eigentlichen Sinne in ihrem Hauseein. Ja er entzog ihr auch die kleine Pension, die ihr Augustu« ausgesetzt hatte, undso starb sie im 15. I. ihrer Verbannung in Mangel und Dürftigkeit.
Julianus (Flavius Claudius), römischer Kaiser, welchem die Christenden Beinamen Apostat« gaben, Sohn des Julius Konstanz (Bruder Konstantinsd. Gr.) und Basilias, seiner zweiten Gemahlin, einer Tochter des Präfccten Julian,ward 331 zu Konstantinopel geb. Kaum 8 I. alt, sah er, wie sein Vater und mehreGlieder seiner Familie von den'Leidsten des Kaisers Konstanz ll., seines Oheims(eines Sohns von Konstantin d. Gr.), ermordet wurden, Er und sein jüngererBruder Gallus entgingen kaum dem Tode. I. selbst lag gerade an einer gefähr-lichen Krankheit darnieder, von der er sich, wie man glaubte, nicht wieder erholenwürde; seinen Bruder Gallus rettete seine große Jugend. Die Erziehung derbeiden Prinzen wurde dem Eusebius von Nikomedien anvertraut, welcher ihnenden Mardonius zum Lehrer gab. Man erzog sie im Christenthume, einer Religion,die damals an dem Hofe der Kaiser noch neu war. Man ließ sie sogar in den prie-sterlichen Stand treten, um sie vom Throne zu entfernen; sie wurden zu Vorlesernin ihrer Kirche gewählt. Diese Erziehung machte einen ganz verschiedenen Ein-druck auf die Gemüther der beiden Bruder, deren Charakter an sich selbst schon sehrverschieden war. Gallus, der jüngere, wich nie vom Christenthume und erwarbsich dadurch das Lob der Kirchenschriftsteller. I. hatte, da er älter war, die Ver-folgung, welche man an seiner Familie ausgeübt, sowie den Zwang und die Furcht,in welcher man ihn seine Jugend hatte zubringen lassen, desto lebhafter gefühlt. Ersuchte daher Trost in dem Studium der schönen Wissenschaften und der Philoso»phie. 24 I. alt, ging er nach Athen und Nikomedien, wo er den Unterricht ver-schiedener Lehrer, insbesondere des Sophisten Libanius genoß. Hier zvard er be-stimmt, der Religion Derer, die seine Familie ermordet hatten, zu entsagen undzu dem Heidenthume überzutreten. Doch scheint er nicht Geisteskraft genug ge-habt zu haben, sich über den Irrwahn der damaligenGötterlehre zu erheben; wenig-stens finden wir, daß er an Astrologie, an die Wissenschaft der Harusplces, an dieKunst, gewisse vermittelnde Geister zu seinem Vortheil« stimmen und durch sie indie Zukunft sehen zu können, und an dergl. Dinge mehr geglaubt hat, Konstanz , derden Einfall der Deutschen in die Provinzen des römischen Reichs befürchten niußte,entschloß sich auf Zureden seiner Gemahlin Eusebia , I. den Oberbefehl gegen die-selben zu übertragen. Dieser ward zu Mailand 355 von Konstanz zum Cäsar er-nannt und erhielt dessen Schwe>1er Helene zur Gemahlin. Nun zog I. mit einernur geringen Anzahl Truppen nach Gallien, welches von den Deutschen verwüstetwurde. Kaum war es zu erwarten, daß ein Jüngling, der sich bis dahinnur mit dem Studium der Philosophie und mit den schönen Wissenschaften beschäf-j tigt hatte, im Stande sein würde, besonders bei so schwachen Hülfsmitteln, diel furchtbaren Deutschen zu besiegen. Selbst der Kaiser Konstanz schien auf diesel Möglichkeit nicht gerechnet zu haben. Nachdem I. den Winter mit Dorberei-I tungen zum bevorstehenden Kriege zugebracht hatte, ging er den Deutschen ent-gegen, eroberte mehre Städte, siegte in verschiedenen Gefechten und schlug in einerHauptschlacht 7 ihrer Fürsten bei Straöburg aufs Haupt, wodurch er Gallien ' von den Feinden gänzlich befreite. Er verfolgte die Deutschen bis über den Rhein und bekriegte sie aus ihrem eignen Grund und Boden. Auch als Regent zeigte I.