Karl Theodor (Kurs. v. Pfalzbaiern)
schul! Massena die siegreiche Schlacht bei Caldiero , und brachte sein Heer zur Be-schützung der noch nicht eroberten Provinzen zurück. Nach dem presburger Frie-den wurde er oberster Chef des Hofkriegsraths und Generalissintus der gesammtenösti. Armeen. In dem Kriege von 1809 rückte er im Monat Axial nur der östr.Hauptmacht in Baiern ein. Hier hatte er das ganze franz., von Napoleon selbstangeführte Heer gegen sich, und es erfolgte ein fünftägiger, äußerst hartnäckigerund blutiger Kampf (s. Eckmühl), in welchem, aller Anstrengungen ungeachtet,die Ostreichen der Übermacht weichen mußten. Den 21. und 22. Mai lieferteder Erzherzog die glorreiche Schlacht bei Aspern (s.d.), Wien gegenüber, in wel-cher er die Franzosen mit großem Verlust über die Donau zurückwarf. DieSchlacht von Wag ram (s.d.), eine der größten in der Geschichte, hatte zwar einenunglücklichen Ausgang, aber es kann weder den östr. Truppen, die sich durch Ta-pferkeit auszeichneten, noch dem Erzherzoge, der selbst dabei verwundet wurde, zurUnehre gereichen, daß sie nach einem zweitägigen Kampfe, während dessen sie einige-mal siegreich waren, endlich der entschiedensten Übermacht weichen mußten. DerRückzug selbst geschab in vollkommener Ordnung unter beständigen Kämpfen bisnach Anaim, wo das Treffen durch den Waffenstillstand unterbrochen wurde. Balddarauf legte der Erzherzog den Oberbefehl nieder; er ist seitdem nicht wieder andie Spitze der Armee getreten. Dagegen hat er die militairische Literatur mit zweischätzbaren Werken bereichert: „Grundsätze der Strategie, erläutert durch die Dar-stellung des Feldzugs von 1196 in Deutschland" (Wien 1813, 5 Thle., mit derCharte des Kriegsschauplatzes und 11 Planen, 2. Aufi. 18 Thlr.), und als Forts.:„Die Geschichte des Feldzugs von 1199 in Deutschst und in der Schweiz" (Wien 1819, 2 Thle., m. e.Atlas, gr.Fol., 14Thlr.; beideWerke auch französisch). Nachder Rückkehr Bonapawe'ö wurde er Gouverneur von Mainz und späterhin Gouver-neur und Generalcapitain von Böhmen . 1815vermäb » er sich mit der PrinzessinHenriette v. Nassau-Weilburg, die ihm 4 Söhne und 2 Töchter geboren hat.
Karl Theodor , Kurfürst von Pfalzbaiern, geb. am 10. Dec. 1121,Sohn des Pfalzgrafen Johann Christian von Sulzbach, erhielt, vom elften Jahrean, von seinem Vetter und Vormund, Kurfürst Karl Philipp, in Manheim einestrenge, aber gute Erziehung. Nach dem Absterben Karl Philipps aus dem HaufeNeuburg, erhielt der junge Herzog von r^ulzbach, Karl Theodor , im 18. Jahre diePfalz am Rhein und die Würde des Reichserzschatzmeisters. In Wissenschaftenauf mehren Schulen und aus Reisen Vortheilhaft gebildet, ein Freund der Künsteund seiner Religion vorzüglich ergeben, ward dieser Prinz bei den übrigen trefflichenEigenschaften seines Herzens allgemein verehrt. Als Regent in der Pfalz ver-wendete er allein für Verschönerungen, Kunst und Wissenschaft 35 Mill. Gulden.Er vermählte sich 1142 mit Maria Elisabeth von Psalz-Sulzbach, mit welcher ereinen Sohn zeugte, den er aber bald verlor. Außer der Rheinpfalz besaß er nochdie Fürstenih. Sulzbach und Neuburg im Nordgau BaiernS, die Herzoglh. Iülichund Berg, die Herrschaft Ravenstein w. Als Maximilian Joseph , Kurfürst vonBaiern, der letzte Sprosse aus Kaiser Ludwigs Blut, 1118 zu München starb,»ahm Karl Theodor nach der Erbfolge Besitz von Baiern . Östreich machte, nacheinem Belehnungsbriefe des Kaisers «igismund, nach Absterben jener Linie, An-sprüche aufNiederbaiern. Karl Theodor nahm zwar von ganz Baiern die Huldi-gung, willigte jedoch in die Abtretung; allein der vom Herzog von Zweibrücken ,als nächstem Agnaten erhobene Widerspruch und Friedrichs II. bewaffnete Dazwi-schenkunft bewirkten im Teschner Frieden (s. d.) 1119, daß sich Östreich mitdem Innviei tel begnügte. Baiern konnte sich der persönlichen Eigenschaften seinesFürsten nicht sehr erfreuen. Umgeben von natürlichen Kindern und von übermü-thigen Weibern, berathen von einem fanatischen Priester, Frank, der sein Beicht-vater war, von der Nation selbst durch die vielen Günstlinge aus fremden Landen