Band 
Sechster Band. K bis L.
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82
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82 Karlstadt

fiel- erbaut werden müssen, durch die breiten, erleuchteten und auf beiden Seitenmit beplatteten Fußwegen versehenen Straßen und durch die schdnen Thore, worun-ter besonders das ettlinger Thor ein M uster erhabener und geschmackvoller Hauartist. Unter den fünf öffentlichen Plätzen sind der Residenz - oder Schloßplatz mit vier-fachen Baumreihen, und der neu angelegte Marktplatz, mit hohen neuen Häusernumgebe», die schönsten. Das Schloß des GroßkerzogS, im altfranzösischen Styleerbaut, besteht aus dem Hauptgebäude und zwei Flügeln. Gleichlaufend mit denletzter» befinde» sich auf der einen Seile die Orangerie-und Gariengebäude, undauf der andern die Gebäude für te» Marstall, die Reitschule und die Wagenrennse.Die neue evangelische Kirche, welche 1801 angefangen wurde, ist ein im echt rö-mischen Style aufgeführtes Gebäude. Die neue katholische Kirche wird von obenerleuchtet und hat eine 100 Fuß weite und ebenso hohe Kuppel. An demHaupt-eingange der Kirche bilden 8 ionische Säulen einen Portieuü. Die Synagoge istim oriental. Styl. Auch das Hochberg'sche Schloß und das Hoftheater, w lcheg2000 Zuschauer faßt, gehören zu den vorzüglichsten Gebäuden der Stadt, linkerden Kunst -und wissenschaftlichen Sammlungen sind die 10,000 Bde. starke Hof-bibliothek, das großherzogl. Antiquitäten-und Münz-, das physikalische-und Ra>turaliencabinet und die Gemälde-und Kupferstichsammlnng bemerkenswerch. Derbotanische Garten ist ein Werk des vorletzt verstarb. GroßherzozS und enthält, ohnedie Varietäten, über 0000 Sorten Pflanzen. Alle zur Stadt führende Landstra-ßen sind mit Baumreihen besetzt, unter welchen sich die von Durlach kommende,eine ganze Stunde in gerader Richtung fortlaufende, besonders durch die Größeund Schönheit ihrer ital. Pappeln auszeichnet. Mehre Fabriken und gute Unter-richtsanstalten, als ein Gymnasium, ein Schullehrersemmarium, eine Cateiren-schule, ein Taubstummeninstitur, eineZeichnenschule-c., befinden sich in Karlsruhe .(Vgl. Wein brenner.)

K a r l st a d t, eigmtlich AndreasBodenstein, nach s. Geburtsorte Karlstadt in Franken sogenannt, ist in der Geschichte der Reformation durch seine Schwär-merei wie durch sein Unglück merkwürdig geworden. Als Archidiakon, Kanoni-kus und Professor derTkeologie zu Wittenberg wurde er schon durch seine Gelehr-samkeit eine bedeutende LMitze Lmher'S bei dessen ersten Schritten zur Reformation.Das berühmte NeligionSgespräch, das K. zur Vertheidigung der streng-augu-stinischen Lehre von der Gnade (s. d.) 15l0 mit I). Eck zu Leipzig hielt, seineStreitschriften mit diesem und dem Papste, der ihn 1520 in der Verdammungs-bulle gegen Luther ausdrücklich als dessen Anhänger bezeichnete, seine kühne 'Ap-pellation vom Papste an ein allgemeines Concilium, worin er das erste Beispielgab, und seine bald wirksäme Erklärung für die Ehe der Geistlichen, waren deut-liche Beweise seines Eifers für die Reformation. Während aber Luther auf derWartburg saß, erlaubte sich Karlstadt noch stärkere und sogar tumultuarii'che Aus-brüche dieses Eifers. Am Weihnachtsfeste 1521 sing er an, in der Schloßkirchedie Messe in deutscher Sprache zu lesen, das Abendmahl mit Weglasiüng derBeichte unter beiderlei Gestal. auszutheilen, und führte Volk und Studenten mitUngestüm zur Zerstörung der Heiligenbilder und Altäre an. Luther , der diese un-zeitigcn Schritte höchlich mißbilligte, stellte gleich nach seiner Zurückkunsi die alteOrdnung der Dinge her, und Karlstadt , obwol dabei mit Schonung behandeltund aufzwei Jahre zum Schweigen gebracht, konnte doch diese schnelle Vernich-tung eines Werks, von dem er sich nicht weniger.Ruhm für seine Person alsSegen für die gute Sache versprochen hatte, nicht verschmerzen. Er ging daher1524 heimlich nach Orlamünde , veranlaßte daselbst, nach Vertreibung tesPfar-rers, dieselben gewaltthätigen Auftritte, und warf sich, als eben Luther zu Jena gegen diese Unruhen predigte, öffentlich als dessen Gegner auf, sodaß se.bstKur-fürst Friedrich, wegen seiner heftigen Klagschrift wider Luther und (zumal da K.