Band 
Sechster Band. K bis L.
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Kastor und Pollux Katachrese

Epigramm,n ergoß, von denen eine Auswahl zu allen Zeiten gefallen wird. Durchsie zog er sich aber auch manche Fehde in seinem literarischen und bürgerlichen Le-ben zu. Er siarb den 20. Juni 1800.

Kastor u n d P o l l u x, die Söhne des lacedämon. Königs Tyndarusund der Leta, n. A. des Jupiter und der Leda . Die Fabel erzählt: Leta gebar 2Eier, wovon das eine Pollux und Helena, das andre Kastor und K lyiämnestra enthielt.Pollux und Helena waren aus Jupiters Umarmung und unsterblich, Kastor undKlytämnestra aber von Tyndarus erzeugt und sterblich. Ungeachtet ihrer verschie-denen Abstammung waren beide Bruder unzertrennliche Genossen, gleich tapfer undheldcnmüthig. Aber vorzüglich verstand Kastor die Kunst, Rosse zu bändige». AlsHelden des Argonautenzuges erwarben sie sich göttliche Verehrung. Denn als einstauf der Fahrt ein schrecklicher Eturm sich erhob, und Alle in» lavier Summe dieGötter um Rettung anrieftn, erschienen plötzlich über den Häuptern des Kastor undPollux 2 sternähnliche Flämmchen, und das Ungewitter legte sich. Seitdem wurdensie die Schutzgölter der iLchiffenden und empfingen den Namen Dioskuren; jaman nannte nach ihnen die Flämmchen, welche sich im Ungewitter an denSchissS-masien zu zeigen pflegen und eine elektrische Erscheinung sind, Kastor und Pollux.Nach ihrer Rückkunft befreiten sie ihre 10jährige Schwester Helena aus der Gefan-genschaft, in welche sieTheseuS geführt hatte. Auch waren sie bei der kalydomschenJagd in den Reihen der Helden. Beide hingen mn großer Treue und Liebe an ein-ander. Als sie uni die Töchter des Leucippus, Pköbe und Ilaria, sich bewarben, underst mit ihren Nebenbuhlern, den Söhnen des Aphareus, IdaS und Lynceus, jederum seine Geliebte kämpfen mußten, wurde Kastor , nachdem er den Lonceus gelob-tet harre, vorn Idas erschlagen. Zwar rächte ihn Pollux durch den Tod des Idas,aber den geliebten Bruder konnte er nicht ins Lelx» zurückrufen. Voll schmerzflehte er daher zum Jupiter, ihm selbst das Leben zu nehmen, oder zu gewähre», daßer mit seinem Brudc. die Unsterblichkeit theilen dürfe. Jupiter erhörte die Büke,und Pollux stieg mit seinem Bruder in den -Orkus hinab und ging mit ihm den an-dern Tag ins Leben zurück. Es wurden ihnen Tempel und Altäre geweiht. Bei gro-ßen Gefahren, besonders in Schlachten, erschienen sie, wie die Alten glaubten, denSterblichen oft als 2 Jünglinge, ausweißen Rossen, i» glänzender Waffenrüstung,mit Flämmchen über den Häuptern, und dann heißen sie vorzüglich Dioskuren. Sowerten sie auch abgebildet, entweder neben einander reitend oder neben einanderstehend, jeher ein Roß am Zügel haltend, mit gesenkten Lanzen in der Hand undSternen auf den Häuptern. Am Himmel prangen die Dioskuren als emü der12 Sternbilder (die Zwillinge) des Thiel krcises.

Katachrese. Die alten Rhetoren verstanden darunter den Mißbrauch derMetapher (s. d.), welcher zu vermeiden ist. Die Neuern verstehen aber auchhäufig darunter die Bezeichnung eines Begriffs durch ein Prädicat, welches im ei-gentlichen Sinne genommen unpassend sein würde, aber im übertragenen uuterVerhältnissen bezeichnend und oft eine kühne Metapher wird. Der Grund kannsein, daß Laune, Scherz und Ironie über die gewöhnliche Grenze des Ausdruckshinüberspringen und auf etwas Gegebenes hindeuicn, z. B. wo es im Gesprächeheißt: er ist ein Vogel, und ein Andrer antwortet: ja, ein bleierner. Dochgibt es auch Beispiele, wo im ernsten Ausdrucke die Rede einen solche» Schwungnimmt, wie wenn Tieck sagt: „Die späten Gestirne keimten aus dem Horizont";ja selbst die Rede des täglichen Lebens hat solche Katachrese», z. B. „Die Thränespricht mehr als Worte"; ferner: hörbare Stille, schwellende Triebe, Faltendes Herzens, wachsende Leidenschaften. Aber die Katachrese Klopstock'S : „Erließder Barden Kriegshorn tönen dem Auge", ist nicht zu loben. Sie sind fehlerhaft,wo durchaus keine Beziehung des Prädicats auf das Subject stattfindet, und sindmit viel Vorsicht anzuwenden, um nicht in Albernheit zu verfallen; wobei auch auf