Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
121
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Katholicismus (kath.). IV. Verhältn. der k. Kirche z. Staate 121

Staat und Kirche vereinigt. Die ersten Anfänge der Staaten des Alterthumsliegen meist im Priesterthum, in der Kirche. Diese Einheit von Staar und Kirchestellte sich dar entweder als Theokralie, oder dadurch, daß der Herrscher des Staatszugleich Oberster der im Staate verlorenen Kirche war. Die Götter waren Nano-nalgötter. Da, wo der Bundesgottheit geopfert wurde, entstand allmälig dasÜbergewicht der TentralstaatSgewalt. In weise geordneten Staaten wechselte dasOpfern unter den Bundeöstaaten, damit ein allein opfernder Staat nicht Herrscherwurde. Sowie Rom der besiegten Nationen mehre in sich vereinigte, wuchs dieZahl seiner Götter, die aus Nakionalgöttern nun Reichsgötker wurden. Selbstdie phrygische Mutter der Götter mußte sich endlich zur Reise nach Rom bequemen.Der Herrscher Roms war oberster Priester. Als die Königswürde in Rom aufge-hoben ward, wurden ihre 2 Funktionen getheilt, den Consuln kam die Aus-übung der Staatsgewalt, einem eignen l'<,»iil<-x »mxixiu.x aber die kirchliche Ge-walt zu. Als unter Cäsar die Republik unterging, nahm dieser und seine Nach-folger dies Pontisicat an sich. Man konnte die Religion nicht anders als eine po-litische Institution des SraatS betrachten. Unter dieser Verfassung der Weltfing das Christenthum an sich zu entwickeln. Es war keine politische Institution,es war keine Nationalreligion, es warmirden Nationalreligionen im entschieden-sten Gegensatz, Beide kämpften auf Tod und Leben, Eins mußte fallen, Eins sie-gen. Die Religion des Gekreuzigten war eine allgemeine göttliche Weltreligion.Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!" war der Apostel Wahl-spruch , womit sie allen Eingriffen der Staaten Trotz boten. Der natürlicheInstinkt mußte es den Staaten sagen, daß das Christenthum ihnen ihre politischeNationalreligion nehme. Daher brachen die Verfolgruigen des SkaatS gegen dasChristenthum aus. Das Blut der Märtyrer war indessen der Same, der im-mer neue Christen zeugte. Des Christenthums göttliche Stärke überwand endlichden Polytheismus. Konstantin bekannte sich zur Religion der Mehrheit der Reichs-bewohner. Unter Theodosius deni Großen wurde das Heidenthum förmlich auf-gehoben. Als die Herrscher der Welt sich zum Christenrhume zu bekennen an-fingen, war die Verfassung der christlichen Kirche schon ausgebildet. Sie stand daals ein freier Verein. Sie gewann an innerer Befestigung, indem das Christen-thum eine öffentliche Religion ward. Es konnte nicht der Gedanke kommen, dasChristenthum zur Nationalreligion umzuwandeln, den Herrscher der Welt zum?o,ltiiVx u,.>xi,»>ui zu erheben. Unwiederbringlich war diese Würde für den Kai-ser verloren, und es war ein Glück, daß die Imperatoren erst da der Kirche hinzu-traten, als diese nicht nur durch den Widerstand der Märtyrer erstarkt war, sondernauch ihre innere Einrichtung dem Wesen nach vollendet hatte. Es trat im Allge-meinen nur das Verhältniß der wechselseitigen Advocatie ein. Der Regent war sowenig das Haupt der Religion, daß Theodosius der Große, nachdem er in Thessalonich6000 Menschen im Cirkus hatte erschlagen lassen, in Mailand durch den BischofAmbrosiuS als ein Mörder nicht in die Kirche hineingelassen wurde, sondern erstKirchenbuße thun mußte (490). Indessen fingen Kirche und Staat dennochau sich zu verschmelzen. Die Erzbischofs- und Patriarchenwürden wurkvn denEinrichtungen des Reichs nachgebildet. Durch die unglückliche Ketzerei des Prie-sters Anus zuerst wurde der Hof zu Konstantinopel veranlaßt, sich in die kirchlichenAngelegenheiten einzumischen. Dieses nahm zu Konstautinopcl immer mehr zu,und während man das Reich gegen die Feinde nicht mehr zu vertheidigen wußte,beschäftigte man sich am Hofe mit der Entscheidung theologischer Fragen. Dochwir betrachten hier nur die Ausbildung des rechtlichen Verhältnisses zwischen Staatund Kirche im Westen. Das morsche Gebäude des römischen Reichs erlag denAnfällen der Barbaren ; auf seinen Trümmern richteten sich die Germanen ein;es begann das Mittelalter. Der Grundsatz: daß die katholische Kirche , wie