Band 
Sechster Band. K bis L.
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Kleist (Heinrich von)

zu studiren. Hier erwarb er sich eine ausgebreitete Kenntniß der alten Literatur,der Philosophie, der Mathemank und der Rechte, dabei eine große Fertigkeit inden neuern «Sprachen. Um die große Welt kennen zu lernen, reiste er zu seinenAnverwandten nach Dänemark . Er bewarb sich daselbst vergeblich um einige §i-vilstcllen. Daher wählte er den Militairstand und wurde 1736 dänischer Dfsicier.In dieser Laufbahn studirte er Alles, was in das Gebiet der Kriegswissenschaft ge-hörte, mit Eifer, verließ aber den dänischen Dienst bald, ging bei dem Antritteder Regierung Friedrichs il. nach Berlin und wurde dem Könige vorgestellt, derihn zum Lieutenant bei des Prinzen Heinrich Regiment ernannte. Zm Grundescheint er nie wahre Neigung für den Soldatenstand empfunden, auch sich nurdurch die Vorstellung seiner Pflicht und die Bewunderung seines großen Königs mitdemselben versöhnt zu haben. Dieser Streit seines Schicksals mit den Wünschenseine« Herzens, welche nur Ruhe beabsichtigten, verbunden mit einer unglücklichenLiebe, die sich seit 1738 entspann, hat ihn auch vielleicht zum Dichter gemacht,oder doch seinen Gedichten den Hauptcharakter der sanften Schwermuth, der in ih-nen herrscht, aufgedrückt. Nicht leicht machte ein deutsches Gedicht, und zwarvon einem noch unbekannten Verfasser, ein so schnelles Glück als seinFrühling",welcher zuerst 1749 bloß für die Freunde des VerfS. gedruckt wurde und sich hieraufin vielen Auflagen wiederholte. K.'s Bekanntschaft mit Ramler, die auf seinePoesie einen großen Einfluß gehabt hat, fällt in das Jahr des ersten Abdrucks desFrühlings", und von der Zeit an hat jener deutsche Batteux einverständlicH mitdem Dichter an den Geisteswerken desselben gefeilt, und leider nicht überall mitGlück, selten mit Schonung der fremden Eigenthümlichkeit. K. hatte ciri sehrglückliches Talent, Gegenstände der sichtbaren Natur zu schildern, wozu seine ein-samen Spaziergäuge viel beitrugen, die er (nach Göthe ,Aus meinem Loben",2. Th.) seine.pselische Bilderjagd nannte. 1757 wurde K. Obristwachtmeister beidem Hausensschen Regimente, welches nach Leipzig in Garnison kam, wo «r sichGellert'S und Weiße'S Freundschaft erwarb. 1759 focht er unter dem Prinzen Hein-rich in der kunnersdorferSchlacht, und nach langen heldenmüthigen Anstrengungenzerschmetterte ihm eine Karrätschenkugel das rechte Bei». Unverbunden, ausgeplün-dert lag er die Nacht hindurch auf dem Schlachtfelde. Erst des andern Tages gegenMittag ließ ihn ein russischer Osstcier, der vorbeiging, und deni sich K. entdeckte,nach Frankfurt a. d. O. bringen. Elf Tage nach der Schlacht trennten sich t ie zer-schmetterten Knochen und zerrissen eine Pulsader, worauf er am 24. Aug. an, einerVerblutung starb. Sein Freund Uz hat ihm ein würdiges Grablied gesungen, undNicolai durch das Ehrengedächtniß, das er ihm schrieb, das Beispiel einer gutendeutschen Biographie gegeben. Durch seine Talente und seinen vortrefflichen Cha-rakter hakte sich K. die Freundschaft der besten Köpfe seiner Nation erworben , undsein Name wird in der deutschen Literatur, welche er mit bilden half, unvergeßlichsein. Seine Schriften nach Raiuler's Recension, Berl. 1760, 2 Bde., und öfter;nach des Dichters Origmalmanuscripten, aus Gleim'S Nachlaß von Wilh. .Körte,2Thl., Berlin 1803: jetzt auch in Taschenausgabe.

Kleist (Heinrich v.), geb. den 10. Oct. 1777 zu Frankfurt a. d. O., «machteals Zunker im preuß. Kriegsdienste den Feldzug am Rhein mit; aber ei» heftigerTrieb nach wissenschaftlicher Bildung bewog ihn, seinen Abschied zu nehme n undin seiner Vaterstadt 1799 und 1800 zu studiren. Hierauf in Berlin im Doparte-menl des Ministers von Struensee angestellt, ward ihm bald hernach ein Urlaubzu reisen mit einigen Aufträgen ertheilt, und er lebte ein Zahr lang in Paris .. Ernahm seinen Rückweg durch die Schweiz , und dem GeschäftSleben immer mehrentwachsend, ließ er sich in Dresden nieder und machte von da aus einen zureitenAusflug durch die Schweiz-und Frankreich . Kurz vor dem Ausbruche des umglück-lichen Krieges von 1806 kehrte er nach Berlin zurück und arbeitete wieder einige